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Koch, Boris: Der adressierte Junge (Buch)

Boris Koch
Der adressierte Junge
Titelbild von David Magitis
Eloy Edictions, 2005, Paperback, 102 Seiten, 10,00 EUR, ISBN 3-938411-01-5

Von Christel Scheja

Der vor allem in der Szene bekannte Boris Koch präsentiert in dieser Sammlung fünf seiner Kurzgeschichten und Novellen. Drei von ihnen sind bereits in kleinen Magazinen und Anthologien erschienen, wurden aber für diesen Band stark überarbeitet, „Poteideia“ sogar neu geschrieben.

Seinen „Todestag“ und Möglichkeiten wie man sein Leben darüber hinaus verlängern kann, erfährt der in den frühen 30er Jahren vor den Nazis nach England emigrierte Okkultist Ernst Wagner. Dort gewinnt er Freunde, die ein ähnliches Ziel haben und ihm mit ihrem Beispiel voran gehen. Immerhin hat er die Chance, aus den Fehlern seiner Vorgänger zu lernen und diese weitestgehend zu vermeiden.
Sebastian ist „Der adressierte Junge“. Durch Tätowierungen auf seiner Stirn, die ihm sein Vater verpasste, verändert sich sein Leben auf eine Weise, die er nicht erwartet hat und auch nicht begreifen kann.
„Poteideia“ ist ein Halt auf einer kleinen griechischen Bahnlinie, der anders als die anderen Bahnhöfe der Strecke nur eine Station ohne Siedlung zu sein scheint. Der Erzähler fühlt sich wie magisch angezogen von Poteideia und will sich die Gegend genauer ansehen, doch man hindert ihn mehrfach daran, die Bahnstation und das Hinterland zu erforschen. Seine Sehnsucht bleibt unerfüllt bis zu dem Tage, als sich eine Möglichkeit für ihn eröffnet, mit der er am allerwenigsten gerechnet hat.
„Aus den Reisenotizen des Jonathan Mommsen“ stammen die Aufzeichnungen über den Besuch einer abgelegenen Insel und ihrer sehr seltsamen Bewohner.
„Die Mutter der Tränen“ kann ziemlich geduldig sein, um jemanden in ihren Bann zu schlagen. Wie eine Madonna erscheint sie einem Mann, der seine Familie nach und nach auf grausame Art und Weise verliert und daran fast zu Grunde geht...

Bis auf „Die Mutter der Tränen“ kommen die Geschichten erstaunlicherweise ohne Einsatz von Gewalt aus. Das Grauen schleicht sich eher auf leisen Sohlen heran, die Erlebnisse bleiben rätselhaft und unwirklich. Vor allem „Poteideia“ weiß dadurch zu überzeugen und in den Bann zu schlagen: Die Neugier des Lesers wird geweckt und bis zum Ende hin in Schach gehalten, ohne zu drastischeren Stilmittel greifen zu müssen. Damit ist sie wohl die gelungenste Erzählung des Bandes.
„Todestag“ und „Der adressierte Junge“ bewegen sich in zu vertrauten Bahnen und erfüllen die Erwartungen, während „Aus den Reisenotizen des Jonathan Mommsen“ eher eine Vignette als eine Kurzgeschichte ist.
„Die Mutter der Tränen“ steht „Poteideia“ in der Spannung kaum nach, obwohl sie gänzlich anders ist. Boris Koch schildert die in der Geschichte verübten Gewaltverbrechen deutlich, lässt aber dennoch genug Spielraum offen, dass der Leser sich fragen kann, ob es sich wirklich so abgespielt hat, wie der Familienvater erzählt. Denn im Verlauf der Erzählung gerät er immer mehr in den Bann der falschen Madonna, auch wenn er sich ihrer Gefährlichkeit bewusst ist, und öffnet sich freiwillig dem Wahnsinn.

Boris Koch zeigt in seinen Geschichten, dass man Horror mit sehr subtilen Mitteln erzeugen und damit auch die Phantasie anregen kann. „Der adressierte Junge“ bietet fünf unterhaltsame Geschichten, die Anspruch und Spannung geschickt miteinander verbinden.

hinzugefügt: June 3rd 2006
Tester: Christel Scheja
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