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Warhammer: Darkblades Schlachten 1 - Der Fluch des Dämons, Dan Abnett & Mike Lee (Buch)

Warhammer: Darkblades Schlachten 1
Dan Abnett & Mike Lee
Der Fluch des Dämons
(The Daemon´s Curse) Übersetzung: Christian Jentzsch
Piper, 2006, Taschenbuch, 482 (zzgl. Glossar und Karte), ISBN-13: 978-3-492-29147-7, ISBN: 3-492-29147-3

Von Frank Drehmel

Wie ihre „Dungeons & Dragons“-Brüder, die Drow, zeichnen sich auch die Dunkelelfen des „Warhammer“-Universums, die Druchii, nicht gerade durch betörende Liebenswürdigkeit und ein sonniges Gemüt aus. Im Gegenteil! Ihr extremer Sozialdarwinismus, die unbeschwerte Freude am sinnlosen Morden und Foltern sowie die Unart, Menschen und andere Spezies bestenfalls als Sklaven und schlechtestenfalls als Wegzehrung zu verwenden, machen sie zu sehr einsamen Wesen, ... selbst innerhalb ihrer eigenen Rasse.

Malus Darkblade, seines Zeichens sechstes Kind des mächtigen Herrschers von Han Graef, Drachau Lurhan, ist besonders einsam. Nicht nur, dass er in der Hierarchie seiner Familie knapp über einem Wischmopp rangiert, auch sein letzter Raubzug endete dank einer geglückten Intrige seiner böswilligen Geschwister in einem Fiasko. Keine Beute und damit kein Tribut an seinen Vater bedeuten für ihn zunächst ein unterhaltsames Gefoltert-werden zur Belustigung des Hofstaates.

Malus wäre kein Druchii, würde er nicht auf Rache für diese Schmach sinnen. Und so stiehlt er seinem verkrüppelten, dafür aber um so stärker magisch begabten Bruder Urial, den er als Hauptverantwortlichen ausgemacht hat, mit tatkräftiger Unterstützung seiner alles andere als vertrauenswürdigen Schwester Nagaira ein magische Artefakt, welches den Weg zu einem unermesslichen Schatz, verborgen in einem alten Tempel inmitten der Chaos-Wüste, weisen soll. Als es brenzlig wird setzt sich Nagaira zwar hurtig ab, aber dennoch können Malus und einige seiner Vasallen - darunter auch Getreue der Schwester - entkommen. Bei Nacht und Nebel fliehen sie auf ihren riesigen Reitechsen, den Nauglir, aus Han Graef, verfolgt von monströsen untoten Häschern Urials.
Bevor die vier letzten Überlebenden der kleinen Schar schließlich den dämonischen Tempel erreichen, müssen sie sich mit Autarii, ihren in den Wäldern lebenden, Druchii-fressenden Vettern, und grenzdebilen Tiermenschen herumgeschlagen. Doch damit nicht genug: als Malus ein magisches Portal in dem alten Bauwerk öffnet, ahnt er nicht, dass ihm seine größte Prüfung noch bevorsteht.


Schade! „Der Fluch des Dämons“ hätte seiner Grundidee nach ein großartiger, atmosphärisch dichter und düsterer Roman um einen wahrhaftigen Anti-Helden werden können. Dass er dann doch nur im „Warhammer“-Mittelmaß versinkt, hat mehrere Ursachen.

Zunächst ist der Aufbau der Handlung so linear und in weiten Teilen vorhersehbar, folgt mit seiner unoriginellen Struktur von Hauptquest und Nebenquests so ausgelatschten Pfaden, dass er an ein schlechtes Rollenspiel aus Gary Gygax Altpapiersammlung erinnert.
Dann scheitern die Autoren daran, der Druchii-Kultur einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen, einen, der sie von ihren D&D-Brüdern deutlich abhebt. Natürlich kann man einige Unterschiede im Detail ausmachen (der signifikanteste ist wohl, dass die Einen auf und die Anderen unter der Erdoberfläche leben), aber unterm Strich wirken die „Warhammer“-Dunkelelfen wie ein blasser, liebloser Abklatsch der in vielen Romanen ausführlich dargestellten Drow.
Drittens weist der Roman in der zweiten Hälfte einige Längen und Wiederholungen vor allem in den Kampfbeschreibungen auf. Geht es zu Beginn der Geschichte noch ziemlich forsch voran, so nimmt spätestens mit dem Auftauchen der Tiermenschen ein stereotypes, phantasieloses Gekloppe überhand, und die trostlose Atmosphäre wird zunehmend durch brutale Metzel-Bilder erzeugt anstatt durch fesselnde Beschreibungen der Handlungsorte.

Eine veritable Enttäuschung stellt schließlich auch die Figur des Malus Darkblade dar. Nach der vollmundigen Ankündigung auf dem Backcover durfte man einen Kotzbrocken auf zwei Beinen, den fleischgewordenen Anti-Christen erwarten, jemanden der bevorzugt an kleinen Kindern, alten Mütterchen und Licht umfluteten Heroen seine sadistischen Gelüste befriedigt. Nicht, dass man dem Druchii nach der Lektüre des Buches solche Untaten nicht zutrauen würde! Da er aber ausschließlich mit Antagonisten seine Kräfte misst, die böser, gemeiner, intriganter und/oder erfolgreicher sind als er, nimmt ihm der Leser die typischen Dunkelelfen-Charakterschwächen nicht sonderlich übel. Denn inmitten vieler großer Arschlöcher erweckt das kleinste nun mal unsere Beschützerinstinkte; und so kann sich selbst dieser unsympathische Looser - und das ist wohl das herausragendste “antiheldische” Merkmal Malus Darkblades - unser aller Mitleids sicher sein. Durch den Verzicht der Autoren auf harte, klare moralische Gegensätze, einen Kampf des „Bösen“ gegen das „Gute“, wurde einmal mehr die Gelegenheit vertan, die Fantasy-Fans mit einem wahrhaft schurkischen (Anti-)Helden zu erfreuen.


Fazit: Belanglose, brutale Wahrhammer-Durchschnittskost ohne großartige, originelle Ideen und mit einem Helden, der noch einen weiten, weiten Weg zurückzulegen hat bis er vielleicht eines Tages den Kult-Status eines Drizzt Do’Urdens oder Gotrek Gurnissons erreicht. Enttäuschend!

hinzugefügt: April 25th 2006
Tester: Frank Drehmel
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