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Lukianenko, Sergej: Wächter des Tages (Buch)

Sergej Lukianenko
Wächter des Tages
Aus dem Russischen übersetzt von Christiane Pöhlmann
Titelillustration: Dirk Schultz
Heyne, 2006, Paperback, 526 Seiten, 13,00 EUR, ISBN 3-453-53200-7

Von Carsten Kuhr

Die Geschichte der Magier, Hexen, Vampire und Gestaltwandler - kurz der Anderen - geht in ihre zweite Runde. Zunächst begleiten wir eine Hexe auf ihrem Erholungsurlaub ans schwarze Meer. In einem Jugendcamp soll sie ihre verbrauchten Kräfte mittels der Alpträume der Jugendlichen wieder auffrischen. Doch dann verliebt sie sich in einen Jugendleiter, der sich als Lichter Magier entpuppt, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Liebe zwischen einem Lichten und einer Dunklen, das kann nur tragisch enden. Ein magisches Duell zwischen den Beiden endet mit zwei Toten und einem Lichten, der sich dem Tribunal der Inquisitoren stellen muss.
Im zweiten Teil sucht ein Dunkler Magier Moskau heim. Mit jedem Angriff auf ihn wächst seine Stärke, bis er die Anführer der Nacht- und der Tagwache an Kraft und Potential weit hinter sich lässt. Dass die Kralle des Fafnir, das einzige verbliebene magische Überbleibsel des dunklen Drachenmagiers geraubt und nach Moskau gebracht wird, verstärkt den Druck auf beide Parteien. Doch noch wissen beide Seiten nicht, warum der Unbekannte überhaupt aufgetaucht ist, und auf welcher Seite er letztlich steht.
Im dritten, abschließenden Segment werden die Rätsel aufgelöst, und die Teile zu einem sinnvollen Ganzen zusammengeführt. Geht es wirklich nur darum, den von Sigurd, dem Germanischen Siegfried ins Zwielicht verbannten Drachen Fafnir zu reanimieren und die Welt der Armageddon preiszugeben? In Prag treffen die Beteiligten zum letzten Mal aufeinander...


Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle zunächst erwähnt, dass entgegen dem Cover, das als Autor allein Sergej Lukianenko ausweist, ein gewisser Wladimir Wassiljew einen Teil des Romans verfasst hat.
Der erste Band der erfolgreichsten russischen Fantasy-Trilogie hatte mich fasziniert. Lukianenko bot uns einen Einblick in das Leben in der russischen Hauptstadt, verband treffende Charakterzeichnungen mit einer etwas anderen, ungewohnten phantastischen Handlung. Er ermöglichte uns so einen Einblick in das Leben der Moskauwiter, und schuf zudem einen eigenständigen Serienkosmos.

Davon ist in vorliegendem Band nicht viel übrig geblieben. Zunächst scheint die gebotene Handlung mit dem ersten Teil auch nicht viel zu tun zu haben. Die Liebesgeschichte der beiden ungleichen Magier an der Schwarzmeerküste ist nett aufbereitet, ohne dass wir hier aber mit den Eigenheiten der Wachen sonderlich in Berührung kommen. Erst im zweiten Drittel des Roman verlagert sich die Handlung wieder nach Moskau. Allerdings gehen die Autoren auch hier einen anderen Weg. So dient kein Angehöriger der Wache als Erzähler, sondern ein mysteriöser Ukrainer kommt, aus zunächst nicht offenbarten Gründen in die russische Metropole. Da dieser aber selbst von seinen eigenen Kräften nichts weiß, und auch seine Motivation rätselhaft bleibt irrt dieser, und mit ihm der Leser ein wenig orientierungslos in der Handlung umher. Es fehlt einfach die reizvolle Innenansicht der Wachen mit ihrem internen Rivalitäten und ihrer durchaus faszinierenden Struktur.
Überhaupt nimmt das Übersinnliche weit weniger Raum ein, als im Auftaktband. Zwar kommen auch diesmal Werwölfe, Vampire & Co vor, doch die Aufmerksamkeit liegt nicht länger bei diesen. Stattdessen steht die Suche nach der Aufklärung des Geheimnisvollen Ukrainers, der Motivation der beiden handelnden Anführer der Wachen im Zentrum. Beide, Lichter wie Dunkler verfolgen ihre Pläne, schieben ihre Untergebenen wie Schachfiguren auf einem Brett hin und her, starten Ablenkungsmanöver, opfern Bauern und Läufer um ihre Fernziele zu erreichen. Leider aber bleibt das grosse Bild, wie sich die Puzzleteile letztlich zu einem sinnvollen Ganzen fügen zu lange unklar. Erst auf den letzten Seiten zeichnet sich hier eine nachvollziehbare Struktur ab, wobei das Finale etwas arg schwülstig und aufgesetzt wirkt.
Insgesamt gesehen fehlte dem Roman die Intimität und Intensität des ersten Teiles so dass die Lektüre leider nie die Faszination das Debütbandes erreichen konnte.

hinzugefügt: March 22nd 2006
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Heyne Verlag
Hits: 2983
Sprache:

  

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