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Bova, Ben: Saturn (Buch)

Ben Bova
Saturn
(saturn)
Übersetzung: Martin Gilbert
Titelbild: Thomas Thiemeyer
Heyne, Taschenbuch, 524 Seiten, 8,95 EUR

Von Erik Schreiber

Auf der Erde herrscht die Religion. Das Christentum und der Islam teilen sich die Welt. Darüber hinaus wird jedes kritische Denken der Menschen unterbunden und verfolgt. Zehntausend Menschen, Techniker mit ihren Familien und Wissenschaftler, Freigeister und Denker. handverlesen von den Erdregierungen befinden sich unter diesen Menschen jedoch auch Kriminelle, religiös Andersdenkende und Unangepasste. In einem gigantischen Raumschiff, der ‚Goddard’, einer kleine Zweiterde gleich, begeben sie sich auf die lange Reise zum Saturn. Damit stoßen sie in Bereiche vor, die der Mensch vorher noch nicht erkundete. Aber sie sind nicht alleine. In ihrer Gemeinschaft schlichen sich Fanatiker ein, die alles daran setzten, das Schiff zu vernichten, die letzten freien Menschen zu töten. Die eingeschlichenen religiösen Fundamentalisten sind den anderen an Bord jedoch vorerst nicht aufgefallen. Daher sind sie vollkommen überrascht, als es zu Zwischenfällen kommt. Dabei haben diese wenigen Erd-Flüchtlinge nur den Wunsch, allein zu leben, um nicht als unbequeme Querdenker zu gelten und dementsprechend benachteiligte Menschen zu sein. Während die Fanatiker verschiedentlich versuchen auf dieser modernen Arche Noah eine Regierungsform aufzubauen, wie sie auf der Erde bestehen, oder aber gleich ganz zerstören, denken die Herren der Erde darüber nach, wie sie aus diesem Projekt eine Sozialstudie machen können. Die Frage, die sich die Herren stellen sind einfach zu stellen, aber nicht einfach zu beantworten. Welche Eigenheiten der Menschen werden sich entwickeln? Welche Interessengemeinschaften werden entstehen? Wie werden die Menschen zusammenleben und ihre Probleme lösen?

Da fällt gerade der eitle Malcolm Eberly auf. Er wird aus dem Wiener Knast entlassen um als verdeckter Widerstandskämpfer und Saboteur zu arbeiten. Als ein Handlanger der ‚neuen Moralität’ soll er die fünfte Kolonne darstellen. Ziel des Kriminellen soll sein, die Macht aus den Händen des wissenschaftlichen Führers, Professor Wilmot, zu reißen. Die große Masse Menschen soll, als Ziel der Herrschenden der Moralität, als Versuchskaninchen dienen. Malcolm selbst verfolgt andere Ziele. Dabei bewegt er sich auf sehr glattem Parkett. Seine Mitkämpfer, wie der Fanatiker Oberst Kananga oder die Verbindungsfrau zur Moralität, Morgenthau, wissen bislang nichts davon. Dann gibt es noch die junge Frau namens Susan, genannt Holly, Lane, die eine Verehrerin von Eberly ist. Ihre Schwester Pancho hat jedoch bedenken. Sie kann zwei Bekannte bitten, ein Auge auf die Schwester zu werfen und sie aus dem Hintergrund zu behüten. Aber wer auch immer mit ‚Sonderaufgaben’ in der Erzählung betreut ist, er, oder sie, erkennt bald, dass es im Hintergrund große Machtkämpfe gibt. Der eigentliche Leiter der Expedition ist Professor Wilmont, der jedoch gegenüber allem, was ihn nicht persönlich interessiert, ablehnend gegenübersteht.

Ben Bova schrieb einen spannenden Roman um eine zur Zeit brisantes politisches Thema. Seine Personen sind gut dargestellte Handlungsträger, die nicht unbedingt einem Klischee entsprechen. Es ist eine politische Science Fiction, die ich in dieser Art nicht von amerikanischen Autoren gewohnt bin. Mit seinem neuen Roman aus dem Sonnensystem schreibt Ben Bova sich in das Herz des „intellektuellen Science Fiction Fan“. Der Entwurf für seine Erzählungen sind alle sehr ähnlich. Man nehme eine Handvoll Menschen, es können auch ein paar mehr sein, und bringe sie in eine Lage, aus der sie nicht entkommen können.

Ben Bova wurde 1932 in Philadelphia geboren. In Amerika zählt er zu den bekanntesten Autoren und mit seinen „Sonnensystem-Romanen“ macht er sich einen guten Namen im guten alten Deutschland. Sein Studium als Journalist und die Arbeit als Redakteur wissenschaftlicher Zeitschriften befähigt ihn nicht nur spannende Romane zu schreiben, sondern sie auch mit wissenschaftlichen Kenntnissen erfolgreich aufzuwerten. Aber es ist nicht nur die politische SF, die mich an diesem Roman fesselt. Der Roman bietet gute Unterhaltung und mit dem Auffinden einer neuen Gattung Lebewesen wird es sogar richtig spannend.

hinzugefügt: November 2nd 2004
Tester: Erik Schreiber
Punkte:
zugehöriger Link: Heyne
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