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Resnick, Mike: Die Rebellen - Wilson Cole 4 (Buch)

Mike Resnick
Die Rebellen - Wilson Cole 4
(Starship: Rebel, 2008)
Aus dem Amerikanischen von Thomas Schichtel
Bastei Lübbe, 2010, Taschenbuch, 350 Seiten, 8,99 EUR, ISBN 978-3-404-23342-7

Von Gunther Barnewald

„Die Rebellen“ ist das vierte Abenteuer um Wilson Cole und seine Mannschaft vom Raumschiff „Theodore Roosevelt“, die aus den Reihen der Armee der Republik desertiert sind und sich nun im Bereich der sogenannten Grenzwelten aufhalten.


Noch immer nehmen Cole und seine Partner Aufträge als Söldner an, als durch Verrat ausgerechnet Wilsons bester Freund und zweiter Offizier, der Molarier Forrice, in die Gewalt der Republikanischen Armee fällt. Nach üblen Folterungen und, nachdem er sich geweigert hatte, Coles Aufenthaltsort preiszugeben, wird Forrice hingerichtet.
Dies veranlasst wiederum Wilson Cole, die Täter aufzuspüren und samt ihrer Raumschiffe zu eliminieren. Leider überleben einige Besatzungsmitglieder der Feinde und gelangen zurück in die Republik. Und so rückt eine Raumflotte an, welche aus Rache, und um Wilsons Aufenthaltsort herauszupressen, die gesamte Zivilbevölkerung des Planeten auslöscht, auf dem man den Molarier gefangen hatte.
Angesichts dieses barbarischen Verhaltens und betroffen über den Tod seines besten Freundes, beschließen Cole und seine Mannschaft und seine Partner, der Republik endgültig den Krieg zu erklären. Es gelingt ihnen, neue Schiffe zu rekrutieren, denn die Republik hat sich durch ihr rustikales, menschen- und alienverachtendes Vorgehen viele Feinde gemacht.
Nachdem immer mehr Schiffe der Republik im Grenzsektor vermisst werden und offensichtlich vernichtet wurden, wird auch den Machthabern in der Republik klar, dass jemand systematisch ihre Schlagkraft in den Grenzsystemen dezimiert.
Schnell wird erkannt, dass Wilson Cole und seine Flotte hinter dem Vernichtungsfeldzug stecken, und da dessen Heimatbasis die Raumstation „Singapur“ ist, wird eine kleine Flotte ausgeschickt, um diese zu zerstören. Damit entbrennt ein gigantischer Raumkrieg auf Leben und Tod, dem sich niemand von Wilson Coles Truppe und auch er selbst nicht entziehen kann...


Was anschaulich beginnt, konterkariert der Autor mit einem heftigen Schockeffekt für den Leser, indem er eine der interessantesten und sympathischsten Charaktere der Serie, den Molarier „Four Eyes“ Forrice über die Klinge springen lässt, um dem Protagonisten genug Motivation zu liefern, endlich am Sturz der Despoten der Republik zu arbeiten.
Dort wo Cole vorher immer um das Wohl und Überleben seiner Männer besorgt war, stürzt er sich nun in einen gewaltigen und vor allem blutigen Kampf, in dem intelligente Lebewesen massenweise dahingerafft werden. Am Ende des vorliegenden Abenteuers steht somit jenes unausweichliche gigantische Gemetzel, welches alle grenzdebilen Fans militärische Space Operas voll ansprechen dürfte, jedoch die Fans eher abenteuerlicher und vor allem ausgereifter SF nicht wirklich überzeugen dürfte.

Zwar ist „Die Rebellen“ gut und flüssig lesbar, jederzeit spannend und wer mit der Serie angefangen hat, möchte sowieso wissen, wie es weitergeht. Aber der Tod von Forrice, den man wahrlich zum „Most valuable Alien“ der SF der letzten Jahre wählen sollte, ist ein harter Schlag für die Freunde der Reihe.
Noch negativer ist jedoch Wilson Coles Wandlung vom Menschenfreund und Humanisten hin zum Kriegsherrn, obwohl dieser Konflikt schon lange in der Serie angelegt war und irgendwann (leider) wohl so kommen musste. Trotzdem schade, dass Cole (und damit der Autor Mike Resnick) so wenig Raffinesse walten lässt, sich so offen mit den Feinden anlegt und damit verantwortlich ist für ein Blutbad, welches der bisherigen ethischen Grundkonzeption der Reihe eindeutig widerspricht.

Und wieder zeigt sich, dass jedes Mittel recht ist, wenn man die Bösen niederringen will und die unschuldige Mehrheit retten muss, da kein anderer dazu in der Lage ist (ein Gedanke, den jeder Terrorist und Selbstmordattentäter sicherlich gut kennt und wahrscheinlich auch so vertritt).
Aber vielleicht sind dies die Gesetze eines gewissen Genres, reiht sich der Autor damit wohl zu recht in eine Tradition ein, welche er in seinem hier abgedruckten Essay „Militärische Science Fiction“ selbst beschwört.

Also dann: Frohes Gemetzel allen Fans dieser dumpfen Strömung innerhalb des Genres, welche in den Zeit des „genialen Staatenlenkers“ George W. Bush wohl besonderen Auftrieb und Konjunktur erhalten hat.

Wem die Serie bisher zu lau war, die Folgen nicht blutrünstig genug und Coles Einstellung zu pazifistisch, der kommt hier endlich auf seine Kosten.
Wer andere Qualitäten an den Abenteuern auf der „Theodore Roosevelt“ bisher bevorzugte, wie die ausgefeilten Charaktere, interessante fremde Lebewesen oder die überzeugende Atmosphäre, wird zwar auch den ersten Teil von „Die Rebellen“ noch zu schätzen wissen, sich dann aber enttäuscht abwenden, angesichts des Massakers, welches der Autor hier veranstaltet, auch wenn er dem Leser die unappetitlichsten Details zum Glück wenigstens vorenthält.

So bleibt „Die Rebellen“ alles in allem zwar lesbar, ist jedoch eine herbe Enttäuschung für alle Leser, die etwas mehr Feinheit und Raffinement vom Autor erwartet hätten.

hinzugefügt: March 1st 2010
Tester: Gunther Barnewald
Punkte:
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