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Pratchett, Terry: Eine Insel (Buch)

Terry Pratchett
Eine Insel
(Nation, 2008)
Aus dem Englischen von Peder Brehnkmann
Titel- und Innenillustrationen von Johnny Duddle
Manhattan, 2009, Hardcover, 446 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-442-54655-8

Von Christel Scheja

Obwohl er durch seine humorvollen Romane von der „Scheibenwelt“ berühmt geworden ist, hat sich der 1948 geborene britische Autor Terry Pratchett nicht nur dieser bereits mehr als dreißig Werke umfassenden Reihe verschrieben. Hin und wieder verfasst er auch Romane, die für sich alleine stehen können, um spontane Ideen umzusetzen, die nicht ganz auf die „Scheibenwelt“ passen. „Eine Insel“ ist ein solcher Roman, den Random House gleichzeitig in einer Erwachsenen- und einer Kinderbuch-Ausgabe präsentiert.


Irgendwo in der Inselwelt des pelagischen Ozeans: Der junge Mau hat mehr als einen Monat auf einem winzigen Atoll verbracht, um zum Mann zu werden. Als die Zeit vorüber ist, kehrt er nach Hause zurück, nur um mit Entsetzen festzustellen, dass sein Dorf zerstört ist und alle Menschen – Männer und Frauen, Kinder und Alte - verschwunden sind. Die Spuren deuten darauf hin, dass der Zorn der Natur – eine Riesenwelle - sie hinweggefegt hat.
So ist Mau nun alleine und muss sehen, wie er weiterlebt. Gleichzeitig bestürmen ihn die Stimmen der Ahnen, die alte Ordnung wieder herzustellen. Denn so lange er lebt, existiert auch seine Nation weiter. Gleichzeitig hat der Tsunami auch ein Schiff der fremden weißen Reisenden und Eroberer angeschwemmt. Dort scheint auch noch jemand zu leben: ein Geistermädchen mit blasser Haut.
Tatsächlich hat Daphne als einzige den Schiffbruch der ‚Sweet Judy’ überlebt, die sie zu ihrem Vater bringen sollte, der irgendwo in einer der abgeschiedenen Kolonien des britischen Empire lebt. Auch wenn das Mädchen in den letzten Jahren von der Großmutter wie eine junge Dame erzogen wurde, hat sie doch nicht ihr Interesse an der Wissenschaft und ihre Freude am Abenteuer vergessen. Und so verzagt sie nicht und macht weiter. Sie sucht den Kontakt zu Mau.
Gemeinsam fangen die beiden an, sich einzurichten. Schon bald bekommen sie Unterstützung durch andere Überlebende des Sturms und der Welle. Die Not schweißt sie zusammen, so unterschiedlich sie auch sind. Vor allem Daphne und Mau halten die Gruppe zusammen und sind auch bereit, für sie zu kämpfen, als weitere Schiffbrüchige auftauchen, die allerdings keine netten Absichten haben. Und das ist nur eine der Bewährungsproben, denen sie sich stellen müssen.


Terry Pratchett legt sich in „Eine Insel“ nicht unbedingt fest, ob der Roman nun eine Hommage an „Robinson Crusoe“ und andere Südseeabenteuer sein soll, die im beginnenden 19. Jahrhundert spielen, oder richtige Fantasy. Zwar macht er sehr deutlich, dass die Geschichte auf einer alternativen Erde spielt und bringt neben den Geistern der Ahnen auch noch die Überreste einer uralten Zivilisation mit ein, aber alles in allem verlässt er sonst nicht die Gefilde des klassischen Abenteuerromans.
Es braucht eine ganze Weile, ehe die beiden jungen Helden sich einander öffnen und die kulturellen Unterschiede vergessen. Daphne mag zwar schon durch ihr früheres Leben und ihre Intelligenz eine Außenseiterin sein, aber sie ist doch ganz ihrer europäischen Denkweise verhaftet und lernt erst nach und nach, Mau und die anderen Eingeboren zu verstehen und ihre einfache aber kluge Lebensweise zu schätzen.
Auch die Abenteuer entsprechen gängigen Handlungsmustern. Natürlich gibt es die üblichen Probleme mit der Natur, den einen oder anderen Menschen fressenden Eingeborenen und nicht zuletzt schurkischen Piraten. Letztendlich siegen die Helden aber immer wieder mit gesundem Menschenverstand. Erstaunlich ist nur das Ende, denn dort bricht Pratchett mit den Erwartungen, die man während der Lektüre entwickelt hat.
All das ist in einem etwas altertümlichen Stil gehalten, der die Atmosphäre, sich in einem alternativen 19. Jahrhundert zu befinden, noch verstärkt. Zwar erzählt Pratchett vieles mit einem Augenzwinkern, aber wirklich lustig und abgedreht ist die Geschichte nicht sondern eher ruhig. Spannung entsteht durch die kleinen Abenteuer; einen großen Höhepunkt gibt es nicht.

„Eine Insel“ richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an Erwachsene, denn wo die Jüngeren vor allem das klassische Abenteuer schätzen werden, können die erfahrenen Leser die eine oder andere Andeutung und Anspielung zwischen den Zeilen lesen. Nur die Fantasy-Elemente bleiben eher verhalten und kommen bloß sehr selten zum Tragen. Ähnlich sieht es mit dem Humor aus. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man dem Roman eine Chance geben will.

hinzugefügt: February 22nd 2010
Tester: Christel Scheja
Punkte:
zugehöriger Link: Manhattan
Hits: 1868
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