Welcome to Phantastik-News
 
 

  Inhalt

· Home
· Archiv
· Impressum
· Kino- & DVD-Vorschau
· News melden
· Newsletter abonnieren
· Rezensionen
· Suche
· Zum Forum!
 

  Newsletter

Newsletter-Abo
 

 
 

Plaschka, Oliver: Die Magier von Montparnasse (Buch)

Oliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse
Klett-Cotta, 2010, Hardcover, 428 Seiten, 21,90 EUR, ISBN 978-3- 608-93874-6

Von Carsten Kuhr

Paris, die Stadt an der Seine, der Eiffelturm, Sacre Coer und Montparnasse, das Künstlerviertel schlechthin, bilden die Kulisse des zweiten Romans aus der Feder von Oliver Plaschka.


Der Autor entführt uns ins Jahr 1926. Der erste Weltkrieg ist überstanden, der zweite noch weit entfernt. Die Bohème, Künstler und solche die es werden wollen, zieht es auf den Spuren Hemingways in die französische Hauptstadt. Hier, in den Armen der verbotenen Genüsse der Grünen Fee, des Absinth, wird diskutiert, wird gelebt und geliebt.
In einem der vielen Theater tritt der große Ravi als Magier auf. Als sich eines Abends während der Vorstellung eine verborgene Tür nicht öffnet und er und seine liebreizende Assistentin in ihren gläsernen Särgen durch die feinen Massen des auf sie einströmenden Sandes zu ersticken drohen, greift Ravi zu einem ungewöhnlichen, riskanten Trick - er beschwört echte Magie.
Wohlwissend, dass dies verboten ist, dass er damit die Aufmerksamkeit der „Gesellschaft“ erregt, geht er, um ihr Leben zu retten, das Wagnis ein.Mehr noch, seine Assistentin Blanche beißt in die verbotene Frucht, den Apfel, der vielleicht aus dem Garten der Erkenntnis stammt, und fällt in einen magischen Schlummer.
Noch in der gleichen Nacht bekommt ihr kleines Hotel mitten in Montparnasse neue, seltsame Gäste. Abgesandte des geheimnisumwitterten Direktorats oder frei handelnde Magier, das ist noch nicht klar. Aber übersinnlich begabte Wesen sind sie allemal. Und noch etwas geschieht, Unerhörtes, Undenkbares - der neue Tag bricht nicht an, jeder Tag beginnt ein ums andere Mal insgesamt sieben Mal an derselben Stelle von Neuem.
Aus Sicht der Handelnden - der Barkeeper ist hier ebenso wichtig wie das Zimmermädchen, das gleichzeitig bedient, ein uralter Magier, eine Katze, und ein frustrierter Autor auf der Suche nach Rat - berichtet der Autor uns von den im wahrsten Sinne des Wortes magischen Geschehnissen dieser Tage


Oliver Plaschka deb tierte 2008 im Verlag Feder & Schwert mit seinem preisgekrönten Roman „Fairwater“. Schon damals deutete sich an, dass er abseits ausgetretener Pfade in einer sehr bewusst eingesetzten Sprache einen etwas anderen Plot präsentieren kann.
Vorliegendes Werk beweist, dass er seinen Weg konsequent weitergeht. Das Panoptikum an Figuren, das er auftreten lässt, ist beeindruckend - Magier, Engel, Dämonen, Gnome, Dichter und Säufer, sie alle agieren auf der eigentlich ständig gleichen, und doch so unterschiedlichen Bühne des Hotels von Alphonse.

Lange bleibt unklar um was es eigentlich geht. Sicherlich, die Untersuchung und Aburteilung der Anwendung von Magie durch die Société, doch wie passt dies zur angehaltenen Zeit, wer ist für die Zeitschleife überhaupt verantwortlich, und welchem Zweck dient sie? Fragen, die sich ebenso aufdrängen wie die Suche nach Tätern und Motiven, nach Schicksalen und der Liebe.

Man kann den Roman kurz aber treffend als ein Buch über das Leben und die Liebe charakterisieren. Gleichzeitig aber erhält der Leser einen fundierten Einblick in das Leben der Pariser Bohème der 20er Jahre, wird mit Verschwörungstheorien ebenso konfrontiert, wie mit Geheimgesellschaften, mit Göttern und ihren Abgesandten ebenso wie mit deren Widerparts. Dies alles, geschickt und sprachlich in einem sehr bewusst eingesetzten, so manches Mal auf alt getrimmten Stil, kann sich der Leser der Faszination des Werkes kaum entziehen. Die Schicksale, die vor unseren Augen Gestalt annehmen, sie faszinieren uns, wir wollen erfahren, ob und wie sich ihr Leben zum Guten wendet, aber natürlich auch, was hinter allem steht.

Dass das Finale mit einer handfesten Überraschung aufwartet, unsere Personen mehr oder minder glücklich in ihre jeweilige Zukunft schauen als der letzte Vorhang fällt beweist, dass der talentierte Autor sein Ziel erreicht hat - den Leser anspruchsvoll und abseits des Gewohnten faszinierend zu unterhalten.

hinzugefügt: February 9th 2010
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Klett Cotta
Hits: 2159
Sprache:

  

[ Zurück zur Übersicht der Testberichte | Kommentar schreiben ]