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Palmatier, Joshua: Die Regentin (Buch)

Joshua Palmatier
Die Regentin
(The Cracked Throne)
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Michael Krug
Titelillustration von Frank Fiedler
Bastei-Lübbe, 2010, Paperback mit Klappenbroschur, 494 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-7857-6018-5

Von Carsten Kuhr

Aufgewachsen im Ghetto der Küstenstadt Amenkor hat Varis das Kunststück geschafft nicht nur zu überleben, sondern auch aus den Slums herauszukommen. Zugegeben, sie hatte Hilfe, ein Gardist der Regentin hat ihr unfreiwillig seinen Dolch überlassen, und mit seinem roten Lebenssaft
bewiesen, dass selbst ein kleingewachsenes Mädchen einen ausgewachsenen Krieger zu Fall bringen kann.
Später hat sie als Spionin für einen der Attentäter der Regentin gearbeitet, dann als Leibwächterin für einen der Handelsherren, bevor sie selbst zur Assassinin ausgebildet wurde. Der Auftrag, der dann ihr ganzes Leben umkrempeln sollte lautete schlicht, die offensichtlich wahnsinnig gewordene Regentin zu meucheln.

Dass sie überhaupt bis in den streng bewachten Palast kam hat sie nur dem „Fluss“, ihrer magischen Kraft; zu verdanken. Dort aber erwartet sie eine raffinierte Falle. Im Thronsaal dankt die bisherige Regentin ab, und überlässt Varis nicht nur die Bürde der Herrschaft über eine Stadt, der eine Hungersnot droht, sondern auch die Aufgabe, die im Thron gefangene Macht ihrer Vorgänger im Zaum zu halten.

Um wegen der Hungersnot einen Aufstand in den Slums zu vermeiden, versucht Varis, die verelendeten Bewohner in ihre Notstandsmaßnahmen miteinzubeziehen. Doch ihre Vision eines brennenden, untergehenden Amenkors mit einem Hafenbecken voller Blut und Leichen, lässt sie nicht los.
Wer nur hat die Macht und den Willen den mächtigen Küstenstaat anzugreifen, und aus welchem Grund?

Während sie verzweifelt versucht, den Frieden in der Metropole zu wahren, ihre Pflichten wahrzunehmen und sich die dafür notwenigen Fähigen anzueignen, entsendet sie eine Expedition, nach dem unbekannten Feind Ausschau zu halten - und wirklich trifft das Schiff auf die Feinde. Doch diese blassblauen Krieger werden von Frauen angeführt, die wie Varis den Fluss beherrschen. Ihrem Angriff hat die Hafenstadt kaum etwas entgegenzusetzen ...


Was Joshua Palmatier da vorlegt, das kann man in die Reigen der großen High-Fantasy-Sagen einordnen. Abseits der sich an Tolkien orientierenden Questen geht es, wie so oft im modernen Fantasy-Roman, um die Erkundung und Abwehr einer großen Bedrohung.
Unsere Erzählerin kann dabei sowohl auf ihre eigenen, sie aus der Masse der Menschen hervorhebenden besonderen Fähigkeiten zurückgreifen, findet daneben aber auch die Unterstützung der Menschen um sie herum. Ob man die Kräfte, die der Autor ihr angedeihen lässt, nun Magie, Zauber oder den Fluss nennt bleibt gleich, es handelt sich schlicht um eine besondere Gabe, die sie bemächtigt, entscheidend in den Konflikt einzugreifen.

Im ersten Band begegneten wir einem jungen Mädchen. Geprägt von der Not und Bedrohung mit und in der sie aufgewachsen ist, ergab sich ein überzeugendes Bild einer aggressiven jungen Frau, die das Schicksal geprägt hat, die tötet um zu Überleben, die sich aber auch tief in sich selbst ihr Ich und ihre eigene Moral erhalten hat.

Im vorliegenden zweiten Teil führt der Autor nicht nur die Handlung selbst erstaunlich stringent und actionreich fort, sondern entwickelt auch den Charakter weiter. Varis reift immer mehr zur Persönlichkeit. Mit jeder schmerzhaften Niederlage, jedem Verrat aber auch dem Gefühl, das Richtige zu tun, und der Anerkennung, die ihr gerade die einfachen Leute entgegenbringen, entwickelt sie sich fort, hin zu einer charismatischen Anführerin.
Das hat ein wenig etwas von dem Flair einer Jeanne D'Arc, da findet der Leser zwei Seelen im Körper der jungen Frau. Zum einen die fordernde, aktive Herrscherin, die immer mehr in ihre Rolle hineinwächst, aber auch das junge Mädchen, das sich nach Halt und Zuneigung, nach Sicherheit und Leitung sehnt. Dass sie all dies nicht bekommt, macht ihr Dasein nicht einfacher, prägt sie, lässt sie aber eher stärker werden, als dass sie verzweifelt.

Spannend gestaltet sich die Offenbarung der Bedrohung. Vor gut 1500 Jahren griffen die blauen Meeresungeheuer bereits einmal an, nun sind sie, mit neuen Kräften und Fertigkeiten, erneut davor, die Küste zu überrennen. Der Konflikt der sich andeutet bleibt, insbesondere was die Motivation des Angriffs anbelangt, zunächst noch diffus, später dann wird er logisch aufgelöst.

In der gewohnt guten Übersetzung von Michael Krug erwartet den Leser ein bunter Reigen spannender Abenteuer, düstere Geheimnisse und vielschichtiger Personen - Fantasy-Herz, was willst du mehr?

hinzugefügt: January 28th 2010
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Bastei-Lübbe
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