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Hendee, Barb & J. C.: Blutsverrat - Dhampir 4 (Buch)

Barb & J. C. Hendee
Blutsverrat
Dhampir 4
(Traitor of the Blood, 2006)
Aus dem Amerikanischen von Andreas Brandhorst
Titelbild von Max Meinzold
Lyx, 2009, Paperback, 404 Seiten (plus 9 Seiten Leseprobe aus Ilona Andrews’ „Stadt der Finsternis – Die Nacht der Magie“), 13,95 EUR, ISBN 978-3-8025-8243-1

Von Irene Salzmann

Magire, eine Dahmpir, und der Halbelf Leesil haben soviel Geld verdient, indem sie einfältigen Dörflern vorspielten, Vampir und Jäger zu sein, dass sie sich in der Hafenstadt Miiska eine Taverne kaufen und das Wanderleben aufgeben konnten. Der Zufall will es, dass sie ausgerechnet in ihrer neuen Heimat auf echte Vampire stoßen, die sich von den beiden bedroht fühlen und sie angreifen (Band 1: „Halbblut“).
Nach dem Kampf sind Magire und Leesil gezwungen, erneut Vampire zu jagen, um Geld für den Aufbau der Taverne und die Steuern einzunehmen. In Bela stoßen sie auf alte und neue Feinde und finden heraus, dass sie schon seit einer Weile manipuliert werden. Außerdem wird Leesil mit seiner Vergangenheit als Assassine konfrontiert und erfährt, dass seine Mutter vielleicht noch am Leben ist und von ihrem Volk, den Elfen, gefangen gehalten wird (Band 2: „Seelendieb“).
Um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten, beschließen Magire und Leesil, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Tatsächlich gelingt es Magire, das Rätsel um ihre Herkunft und ihre Verbindung zu dem mysteriösen Massing Welstiel zu lösen – und dieses Wissen gefällt ihr gar nicht. Welstiel will Magire für seine Zwecke einspannen, was sie ablehnt, doch der Edle Untote bleibt ihr auf den Fersen zusammen mit Chane, ebenfalls ein Vampir, der Zuneigung für die junge Weise Wynn empfindet, die sich Magire und Leesil angeschlossen hat (Band 3: „Dunkelland“).


Die drei ahnen nicht, dass sie immer noch von Welstiel und Chane verfolgt werden, als sie nach Venjètz reisen – in die Stadt, in der Leesil aufgewachsen ist, von seinen Eltern zu einem Assassinen ausgebildet wurde und im Auftrag von Lord Darmouth dessen politische Gegner und Unschuldige tötete, bis er floh, dadurch Vater und Mutter ihrem Schicksal überließ. Dieser „Blutsverrat“ an seinen Angehörigen - und nicht nur an ihnen - sowie die Auftragsmorde belasten ihn seit Jahren, doch keimt nun die Hoffnung, dass den Eltern vielleicht ebenfalls die Flucht glückte.
Für Magire, Leesil und Wynn ist es schwierig, Nachforschungen anzustellen, denn die Region steht am Rande eines Krieges. Die Bevölkerung ist misstrauisch, weil Lord Darmouth seine Spitzel überall hat und die Soldaten ungestraft mit den Bürgern umspringen dürfen, wie es ihnen beliebt. Obendrein muss Leesil befürchten, dass man ihn erkennt und sein einstiger Herr ihn sogleich töten lässt. Schließlich nimmt er Kontakt zu Byrd auf, einem Wirt, der auch als Spion tätig ist und dem Leesils Eltern ein gewisses Vertrauen entgegenbrachten.
Leider kann Byrd seinen Gästen nur wenig helfen, zumal er eigene Pläne hat, die nicht auffliegen dürfen. Magire, Leesil und Wynn ahnen, dass ihr Gastgeber ihnen nicht alles verraten hat, aber einen interessanten Hinweis gibt es: Statt die Stadt zu verlassen, sind Leesils Eltern in Lord Darmouths Feste – praktisch in die Arme ihres Feindes - geflohen. Warum? Die Antwort kann vermutlich nur die Feste selber geben, doch diese ist schwer bewacht, ein heimliches Eindringen nahezu unmöglich.
Für die Gefährten wandelt sich ein Unglück in Glück, als jemand Magire als Vampirjägerin verrät und Lord Darmouth sie anheuern will, um den Unbekannten zu töten, der seit kurzem adlige Frauen angreift. Magires zweite Einladung in der Feste entpuppt sich als Falle, und Lord Darmouths Soldaten können Wynn überwältigen. Nun geht es nicht mehr allein um den Verbleib von Leesils Eltern – sie müssen das Mädchen schnell befreien, denn Lord Darmouth tötet seine Gefangenen auf grausame Weise …


Nachdem in Band 1 das Setting und die Hauptfiguren vorgestellt und mehrere Konflikte angedeutet wurden, konkretisierte der zweite Teil, dass Magire eine wichtige Aufgabe hat. Das dritte Buch enthüllte das Geheimnis um Magires Herkunft und Teile von Welstiels Plänen, in denen sie Dreh- und Angelpunkt ist. Der vorliegende Roman befasst sich nun mit der Geschichte von Leesil und seinem Elfen-Hund Chap. Welstiel folgt den Gefährten immer noch, er greift sogar hin und wieder ein, um Magire in seinem Sinn zu lenken, doch sein Anliegen rückte in den Hintergrund. Es wird offenbart, dass auch Leesil eine bedeutsame Rolle zukommt, die über die des Heldenbegleiters hinausgeht.
Jeder Roman ist in sich abgeschlossen, und man findet ohne Vorkenntnisse auch in einen späteren Teil problemlos hinein, da sich alles, was man wissen muss, der Handlung entnehmen lässt. Natürlich hat man mehr Spaß an der Geschichte, liest man die Bücher in der richtigen Reihenfolge und kann nachvollziehen, wie sich die Figuren weiterentwickeln, wie die Geschehnisse ineinander übergreifen und das Gesamtbild umfassender wird. Die eher egoistischen Einzelgänger vom Band 1 sind zu echten Kameraden, treuen Freunden und sogar Liebenden geworden, und sie sorgen sich auch um die Schicksale anderer.

„Blutsverrat“ erweist sich als sehr komplexes Buch: Es gibt mehrere Handlungsebenen in einer dem Balkan angelehnten Region, die Zahl der aktiven Protagonisten steigt, neue Beweggründe und Probleme werden eingeflochten.
Während Leesil nach Informationen über den Verbleib seiner Eltern sucht, steigert er sich in die vergangenen und gegenwärtigen Schrecknisse, an denen er nicht unschuldig ist, so sehr hinein, dass er um seine geistige Gesundheit kämpfen muss. Dadurch wird Magire in die Rolle der passiven Beschützerin gedrängt, die oft nur noch auf seine impulsiven Taten reagieren kann. Wynns Handlungsanteile sind geringer, doch bringt sie verschiedene Personen mit ihren Gefährten zusammen, die vielleicht weiterhin Einfluss auf die Geschichte nehmen werden. Welstiel und Chane bleiben die meiste Zeit im Hintergrund und sorgen immer wieder für unerwartete Wendungen.
Zwar stehen Leesils Vergangenheit und seine Hoffnungen im Vordergrund, aber auch Chaps Herkunft wird näher beleuchtet. Von jeher war klar, dass er mehr ist als nur ein (Elfen-) Hund, doch nun tragen die Autoren schon recht dick auf, indem sie ihn nahezu vermenschlichen und ihm immer mehr spezielle Talente zusprechen. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt sind die politischen Begebenheiten in Leesils Heimat, die seit seiner Flucht eskaliert sind. Lord Darmouth, der hier den Bösen verkörpert, tyrannisiert einerseits sein Volk, schützt es aber auch vor anderen skrupellosen Kriegsherrn, durch die das Land noch mehr Leid erfahren würde. Obwohl Leesils einstiger Herr den Tod verdient hätte, wird er als das kleinere Übel betrachtet, wodurch sich neue Konflikte ergeben.
Das bringt Byrd und weitere Elfen-Assassinen ins Spiel. Den Wirt interessieren lediglich die unmittelbaren Folgen seines Plans, die Elfen hingegen denken weiter und führen einen Auftrag aus, hinter dem sehr viel mehr steckt. Man darf spekulieren, dass es eine Verbindung zu Welstiels Vorhaben gibt und die Geschichten von Magire und Leesil früher oder später zusammengefügt werden, wenn der oder die eigentlichen Feinde aus dem Dunkel treten.

Auch der vierte Band der „Dhampir“-Serie ist spannend und verbindet gelungen Horror- und Dark-Fantasy-Elemente zu einer packenden Lektüre für Genre-Fans. Die sympathischen Charaktere weisen mittlerweile zwar so manche Superlative auf, zeigen sich aber weiterhin entwicklungsfähig und sind einem längst ans Herz gewachsen. Bei den Überraschungsmomenten macht es sich das Autoren-Paar diesmal etwas einfach, denn Wellstiel, Chane und Chap erscheinen manchmal schon wie Deus ex Machina. Erfahrene Leser setzen frühzeitig die kleinen Hinweise zusammen, so dass das Ende nicht ganz unerwartet kommt. Trotz dieses kleinen Mankos wird man bestens unterhalten und fiebert dem fünften Buch entgegen.

hinzugefügt: January 11th 2010
Tester: Irene Salzmann
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