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Horowitz, Anthony: Höllenpforte - Die fünf Tore 4 (Buch)

Anthony Horowitz
Höllenpforte
Die fünf Tore 4
(Necropolis)
Aus dem Englischen übersetzt von Simone Wiemken
Titelillustration von Angelo Hornak
Loewe, 2009, Hardcover, 416 Seiten, 16,90 EUR, ISBN 978-3-7855-5883-7

Von Carsten Kuhr

Vor zehntausend Jahren mussten die 5 auserwählten Torhüter bereits einmal eingreifen. Das Böse hatte die Erde in ihrem erbarmungslosen Griff, nur den Torwächtern war es damals zu verdanken, dass »die Alten« in eine andere Dimension verbannt werden konnten. Doch seitdem sind viele Jahrhunderte vergangen, die Alten haben neue Anhänger um sich geschart, die Tore sind brüchig geworden. So suchen sich die reinkarnierten Torwächter erneut zu vereinen, um sich der Bedrohung entgegenzustellen.
Doch ganz so einfach wie vor Urzeiten ist es diesmal nicht. Der internationale Konzern Nightrise gehört zu den Anhängern der Großen Alten, ein Konzern, der über unbegrenzte Mittel verfügt, der Präsidenten macht und seinen Einfluss auf fast jede staatliche Stelle der Welt ausgedehnt hat.

In den ersten beiden Bänden standen der Engländer Matt und Pedro, ein Inka-Nachkomme, im Mittelpunkt der Handlung, danach richtete sich der Blick auf die beiden telepathisch begabten Indianer-Zwillinge Jamie und Scott.
In viertem Teil des auf fünf Bände projektierten Zyklus sind unsere vier Torwächter immer noch auf der Suche nach ihrem fünften Mitglied. Ein Mädchen, wie die anderen auch 15 Jahre alt, muss es sein, eine Jugendliche, die eine ganz besondere Gabe ihr Eigen nennt.

Scar wächst in begüterten Verhältnissen in London auf. Seit einiger Zeit hat sie das Gefühl, dass sie beobachtet, ja verfolgt wird. Ein unbekannter Verehrer, oder vielleicht ein Sexualstraftäter?
Als sie zusammen mit ihrer Klasse eine Kirche besichtigt, findet sie eine unscheinbare Tür – ein Tor, das sie in ein Kloster mitten in Sibirien versetzt. Hier offenbaren ihre Häscher, dass sie eine der fünf Torwächter sein soll, dass die auf die Erde zurückgekommenen Alten ihr ewige Pein geschworen haben. Verrückt, oder?
Ihr gelingt die Flucht zurück nach London. Kaum dort angekommen, fordert ihr Vater, der sich beruflich in Hongkong aufhält, von ihr, dass sie schnellstmöglich in die südchinesische Metropole kommt. Statt ihrem Dad aber warten dort Abgesandte von Nightrise in Diensten der Großen Alten auf sie. Als Köder soll sie die anderen Torwächter in die von den Alten übernommene Küstenstadt locken, ein Unterfangen, das, wenn es gelingt, den Untergang der Menschheit zu Folge hätte - und für die Torwächter ewige Marter bereithielte.
Doch haben die Alten die Rechnung ohne die Verbündeten der Torwächter gemacht, und dann entdeckt Scar auch noch, dass sie das Wetter beeinflussen kann. Ein, nein nicht ein, der Taifun schlechthin rast auf Hongkong zu, ein Wirbelsturm, der alles, was sich ihm in den Weg stellt niedermacht ...


Erneut wechselt der Autor in diesem Buch die Perspektive. Nachdem zunächst Matt die Serie dominiert hat, rückt nun das einzige Mädchen in der Runde der Torwächter ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Fast ein Drittel des Buches vergeht, bevor Scar von ihrer Rolle erfährt und die Großen Alten in Erscheinung treten. Dieses gute Fundament, auf dem Horowitz seine Figur fußen lässt, macht sich in der Folgezeit bezahlt. Zwar wirkt gerade der Beginn des Romans ein wenig langatmig, Erinnerungen an den Auftaktband des Zyklus werden wach, doch dann zeigt sich, wie ein Rädchen ins andere greift.

Mit Gespür gerade für Kleinigkeiten präsentiert der Autor uns eine Erzählerin, die zunächst von ihrem Schicksal und den Ereignissen hilflos gebeutelt wird, die erst nach und nach und mühsam akzeptiert, was um sie herum vorgeht. Eigentlich will sie nur ihr ganz normales Leben weiterführen, lehnt ihre Rolle im Spiel um die Zukunft der Menschheit ab, will sich lieber hinter ihrem Vater verkriechen.
Dann trifft sie auf Verrat, auf Unterdrückung und stellt sich letztlich ihrem Schicksal. Gerade die Verleugnung ihrer Verquickung in die absonderlichen Ereignisse ist dabei sehr überzeugend und nachvollziehbar dargestellt. Hinzu kommt, dass mit Hongkong und Macao zwei exotische Schauplätze gewählt wurden, die mit viel Lokalkolorit versehen den Leser an die Seiten bannen. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, fängt der Autor den Flair der beiden Städte ein – ich habe beide bereist und kann dies beurteilen – verbindet diese mit Triaden, altchinesischer Folklore und den architektonischen Besonderheiten der Millionenstadt zu einem faszinierenden Ganzen.

Dabei scheut sich der Autor nicht, in seinen Jugendbüchern Gewalt darzustellen und deutlich Gesellschaftskritik zu äußern. Es wird gekämpft und geblutet, gesprengt und getötet und dies alles, ohne dass sich die Beteiligten allzu große Gedanken über die Gewalt machen. So rammt Scar, um aus dem Klostergefängnis in der Tundra-Einöde zu fliehen, einem ihrer Gefängniswächter einen Eiszapfen in den Hals, ohne später hiervon groß berührt zu werden. Das liest sich zwar rasant und spannend, ist aber in sich nicht ganz glaubwürdig.

Mit zunehmender Dauer der Serie werden die Charaktere immer differenzierter, die Handlung selbst immer vielschichtiger. Dabei ist auffällig, dass die Alten und ihre übernatürlichen Helfer diesmal kaum vorkommen. Unsere Helden haben es mit Menschen zu tun – niederträchtigen Egoisten, Verbrechern, die um einiger Silberlinge alles, was ihnen eigentlich wert und teuer sein sollte, verraten. Eingeschobene Kapitel aus Sicht von Matt berichten vom weiteren Geschehen der restlichen Wächter, bevor diese im Tempel von Hongkong erstmals alle fünf zusammentreffen. Dass der Autor und/oder das Schicksal es ihnen nicht so einfach macht, dass sie vor dem großen Finale im Abschlussband, der für nächstes Jahr in Vorbereitung ist, noch einmal auf der ganzen Welt getrennt werden, ist ein Stilmittel, das Horowitz befähigen wird, nochmals alle exotischen Schauplätze aufzusuchen und alle Register seiner actionreichen Handlung zu ziehen.

hinzugefügt: January 21st 2009
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Loewe
Hits: 1413
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