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Andrax 1: Experiment des Grauens (Comic)

Andrax 1
Experiment des Grauens
Peter Wiechmann & Jordi Bernet
Cross Cult, 2007, Hardcover, 144 Seiten, 18,00 EUR, ISBN 978-3-936480-75-7

Von Christel Scheja

In den 1960er und 1970er Jahren versuchten Verlage, auch in Deutschland einen Comicmarkt aufzubauen, wie ihn die Benelux-Länder und Frankreich besaßen. Allerdings scheiterten die ambitionierten Versuche an der auch heute immer noch deutlich sichtbaren deutschen Einstellung, dass Comics ‚Kinderkram’ seien.
„Fix und Fox“ mochte zwar als deutsche Antwort auf „Micky Maus“ anerkannt werden, so wie Funnys und Cartoons im Allgemeinen mehr akzeptiert wurden, grafisch gestaltete Abenteuergeschichten hatten es dagegen wesentlich schwerer. Auch wenn sie unter den Erwachsenen eine kleine, aber treue Fangemeinde fanden, so waren die Verkaufszahlen doch nicht so überragend – und Magazine wie „Primo“ oder „Zack“ wurden zumeist als erstes umgestaltet und eingestellt, wenn der Profit nicht stimmte.

„Andrax“ ist eine Fantasy-Serie, die 1973 startete und in beiden oben genannten Magazinen lief. Sie war erstaunlicherweise kein Lizenzprodukt aus Spanien oder Frankreich, sondern eine Eigenproduktion unter deutscher Regie. Die Texte schrieb der Deutsche Peter Wiechmann, die Zeichnungen übernahm der spanische Künstler Jordi Bernet.
Der Comic bediente sich eines Themas, das gerade in den Science-Fiction-Filmen dieser Zeit immer wieder aufgegriffen wurde. Wie in „Planet der Affen“ verschlug es einen Mann unserer Zeit in eine ferne Zukunft, die ganz anders aussah, als gedacht.


Der Zehnkämpfer Michael Rush ist auf der Höhe seines Ruhms und seiner Leistungsfähigkeit, als er 1976 an den Olympischen Spielen in Montreal teilnimmt. Als er seine Goldmedaille feiern will, wird er jedoch entführt und in ein geheimes Labor verschleppt. Ein verrückter Wissenschaftler hält ihn für stark und ausdauernd genug, das Experiment zu überleben, dem er ihn jetzt aussetzt.
Michael Rush wird in einen Tiefschlaf mit zweifelhaftem Ausgang versetzt. Er erwacht erst zweitausend Jahre später in einer Welt, die sich stark verändert und nichts mehr mit dem zu tun hat, was er kennt. Zudem wird ihm schmerzhaft klar gemacht, dass in dieser neuen Zeit nur ein Gesetz gilt. Bloß der körperlich Starke kann überleben und alle Gefahren bestehen, die ihm auf der neuen und wilden Erde begegnen. Und oft genug ist nicht nur ein gestählter Körper wichtig sondern auch ein aufmerksamer und listiger Geist.


„Andrax“ ist sehr deutlich als Kind seiner Zeit zu erkennen. Erzählweise und Darstellung ist anders als in modernen Comics, die statt auf heroisch-humanistische Taten eher auf zynische Inhalte setzen, die Geschichte viel schlichter gehalten. Andrax ist trotz seiner Herkunft ein barbarischer Held, der außer einem Schwert, Lendenschurz und Stiefeln keinen Besitz mit sich herumträgt und auf der Suche nach einer Möglichkeit, in seine Zeit zurückzukehren, viele Abenteuer erlebt.
Dabei bekommt er es mit gefährlichen Kreaturen und Dinosauriern, durch Strahlung oder die Umgebung degenerierten Menschen, Fehlern der Vergangenheit und sogar Außerirdischen zu tun. An seine Seite gesellt sich schon früh der körperlich starke, aber ansonsten eher simple Holernes und wird schon bald zu seinem besten Freund. Natürlich sind die Abenteuer sehr einfach gestrickt, die Figuren eindimensional, und alles folgt sehr klassischen Handlungsmustern, dennoch können die Geschichten einen gewissen Charme nicht verleugnen.
Sie bieten einen interessanten Gegensatz zu dem, was heute in der Comic-Szene Standard ist. Ältere Leser, die mit „Zack“ und „Primo“ aufgewachsen sind, dürfen damit in alten Erinnerungen schwelgen, während jüngere eine Welt entdecken, die für sie vielleicht schon wieder neu und innovativ ist.
Da man die Farbe aus den ursprünglich farbigen Comics entfernt und nur die schwarzweißen Outlines belassen hat, muss man sich zwar erst einmal umgewöhnen, genießt aber schon bald die feine Strichführung von Bernet.

„Andrax“ ist eines der kleinen Schätzchen, die Verlage wie Cross Cult in Zusammenarbeit mit den längst erloschenen Verlagen und Herausgebern aus der Vergessenheit gehoben haben.
Schon der erste der insgesamt fünf Bände zeigt, was man im Folgenden erwarten kann, selbst wenn es in erster Linie Retro-Charme ist, wodurch das Album auch für jüngere Comic-Fans zumindest einen Blick wert sein dürfte.

hinzugefügt: November 18th 2008
Tester: Christel Scheja
Punkte:
zugehöriger Link: Cross Cult
Hits: 1299
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