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Polzin, Carsten (Hrsg.): Das Fest der Vampire (Buch)

Carsten Polzin (Hrsg.)
Das Fest der Vampire
Piper, Taschenbuch, 238 Seiten 7,00 EUR, ISBN 978-3-492-26678-9

Von Gunther Barnewald

Die von Carsten Polzin herausgegebene Originalanthologie enthält 15 Kurzgeschichten (davon 13 erstmals in Deutschland abgedruckt, nur die Stories von Pratchett und von Watson sind hierzulande bereits einmal erschienen) von 9 deutschsprachigen und 6 englischsprachigen Autoren.
Und ähnlich wie bei der letztjährigen Weihnachtsanthologie des Herausgebers (ebenfalls im Piper Verlag) kann man auch diesmal feststellen, dass einige gelungene Kurzgeschichten enthalten sind.

Allen voran John Moores witzige Story über eine Art Werhund, dessen liebste Beschäftigung das Zerkauen teurer Markenschuhe ist und der gerade (nachdem er schon mehrfach im vorgestellten und auch in anderen Dörfern zugeschlagen hatte) bei einer sehr teuren und sehr exklusiven Modeveranstaltung beginnt sein Unwesen zu treiben, was die Dorfbewohner nicht nur wegen der ruinierten Edeltreter in Verzweiflung stürzt. Diese Geschichte gehört genauso zu den Highlights des Taschenbuchs wie Tobias O. Meißners grimmige und kraftvolle Erzählung über einen bizarren Mord am Weihnachtsabend, dem eine ganze Familie und später auch noch ein Polizist und ein Photograph zum Opfer fallen.
Ebenfalls sehr lesbar ist Jonathan Barnes düstere Rachephantasie, die, nach seinem tollen Debütroman „Das Alptraumreich des Edward Moon“ ebenfalls deutlich macht, dass der Autor ein großes Erzähltalent ist.
Auch Julia Conrads kurze melancholische Story „Blüten“ über den Tod eines Weihnachtsbaums und Thomas Finns actionreiche Erzählung über einen Schrumpfzauber sind recht lesenswert.
Ian Watsons gallige Shortstory ist ehedem ein Klassiker und auch Thomas Plischkes Geschichte, die mit einem Knalleffekt endet (auch wenn der erfahrene Leser schnell merkt, in welche Richtung der Plot sich wenden wird), kann als gelungen gelten.
Hätte William King seiner atmosphärisch dichten Kurzgeschichte, die brillant die zauberhafte Weihnachtszeit des verschneiten Prags einfängt, noch ein glaubhaftes Ende verpasst, anstatt in Schönheit zu sterben und den Leser als ahnungslosen Idioten zurückzulassen (nichts gegen offene Enden, aber bitte nicht so!), dann wäre eine weitere wunderbare Geschichte hier zu verzeichnen gewesen.

Neben einigen mittelmäßigen Erzählungen (Susanne Gerdom, David Wellington und Michael Peinkofer, der sich diesmal immerhin Mühe gegeben hat und, im Gegensatz zur letztjährigen Anthologie, allzu arge Dummdreistigkeiten vermieden hat) fallen vor allem vier Werke etwas ab: Terry Pratchetts wirres „Zwanzig Pence im Umschlag und Weihnachtsgruß“ (diese Story wirkt, als habe der Autor eine „Tüte“ allzu schlechten „Shits“ geraucht), Daniela Knors langweiliges „Mittwinternacht“, Florian Straubs arg vorhersehbares „Das Ritual“ und Charlotte Kerners Geschichte, die ebenfalls etwas wirr ist und von unnötigen wissenschaftlichen Erklärungen zudem auch noch im Lesefluss und damit ihrer letzten Wirkung beraubt wird.

Insgesamt ist die vorliegende Originalanthologie aber wieder durchaus empfehlenswert und erneut schneiden die deutschen Autoren hier im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht ab.

hinzugefügt: October 28th 2008
Tester: Gunther Barnewald
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