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Niven, Larry & Lerner, Edward M.: Die Flotte der Puppenspieler (Buch)

Larry Niven & Edward M. Lerner
Die Flotte der Puppenspieler
(Fleet of Worlds, 2007)
Aus dem Amerikanischen von Ulf Ritgen
Bastei-Lübbe, 2008, Taschenbuch, 430 Seiten, 8,95 EUR, ISBN 978-3-404-24373-0

Von Gunther Barnewald

Die Rasse der intelligenten, herbivorischen Herdentiere, die von den Menschen Puppenspieler (im Original Pierson Puppetteers nach ihrem Entdecker und dem Aussehen dieser Außerirdischen) genannt werden, sind den Lesern von Larry Nivens Zukunftshistorie aus dem „Bekannten Universum“ (im Original „Tales of the Known Space“) geläufig, sind sie doch, in Übereinstimmung mit ihrem Namen, die großen Strippenzieher unter den intelligenten Rassen.
Da die Puppenspieler extrem ängstlich und auf ihre Sicherheit bedacht sind (kein Wunder bei ihrer Herkunft), hatten sie schnell entdeckt, dass die Rasse der aggressiven, intelligenten Raubkatzen, der Kzinti, eine große Gefahr für die eigene Herde darstellen würde. So hatten sie beschlossen, eine andere Rasse gegen die Kzinti zu instrumentalisieren und diese gegeneinander zu leiten, was dann auch zu mehreren Kriegen zwischen Menschen und den Kzin führte und die Aggression der intelligenten Raubkatzen erheblich dämpfte.


Der vorliegende Roman erzählt jedoch von Menschen, die in der Obhut der Puppenspieler aufgewachsen sind, sogar auf einer Welt dieser Herbivoren leben. Angeblich hatten die Außerirdischen dereinst ein treibendes Raumschiffwrack mit menschlichen Tiefkühlschläfern geborgen und sich entschlossen, die Menschen und ihre Nachkommen bei sich aufzunehmen.

Im Jahr 2650 nach christlicher Zeitrechnung helfen die Menschen den Puppenspielern ihre zukünftige galaktische Reisestrecke zu erforschen, denn die Entdeckung einer gewaltigen Explosion im galaktischen Zentrum, deren Energiewelle in Tausenden von Jahren auch die Randbereiche der Milchstraße treffen und dann alles Leben gefährden wird, veranlasst die Puppenspieler, ihre eigene und mehrere terrageformte Welten aus den Bahnen ihrer Sonnen zu reißen, sie autark im Weltraum zu machen und mit gewaltigen Antrieben auszustatten. Dann beginnt die Flucht der übervorsichtigen Aliens.
Da die Puppenspieler größtenteils zu ängstlich sind, um sich auch nur kleinsten Gefahren selbst zu stellen, schicken sie Menschen aus, ihre Reiseroute zu erforschen. Kirsten, Omar und Eric heißen die drei, die unter Begleitung von Nessus, einem Puppenspieler, der wegen seiner Abenteuerlust und relativen Stresstoleranz bei seinen Rassenkollegen als verrückt gilt, den geplanten Weg der wandernden Planeten erforschen und dabei auf eine intelligente Rasse von Unterwasserbewohnern stoßen, die sich scheinbar rasant zu entwickeln scheinen. Sind sie somit eine Gefahr für die überängstlichen Puppenspieler? Muss man sie deshalb aus dem Weg räumen?
Als die drei Menschen von den Überlegungen der Puppenspieler erfahren, werden sie misstrauisch ihren einstigen Rettern gegenüber. Hat man das Raumschiff mit den Tiefkühlschläfern wirklich verlassen und treibend vorgefunden? Haben sich die Überlebenden wirklich einfach so den Puppenspielern angeschlossen? Und was ist mit den ursprünglichen Menschen und ihrer Heimat, der Erde, deren galaktische Position anscheinend niemand zu kennen scheint?
Kirsten stößt, nachdem die Crew zu den wandernden Welten der Puppenspieler zurückgekehrt ist, auf immer mehr Hinweise, die sie an der offiziellen Version zweifeln lässt. Schließlich entdeckt sie sogar die „Long Pass“, jenes Raumschiff, welches die menschlichen Siedler dereinst durch das All beförderte und von den Puppenspielern angeblich treibend aufgefunden wurde. Und sie entdeckt Informationen, die ihr eigenes Leben, das ihrer Kollegen und sogar aller bei den Puppenspielern lebenden Menschen massiv gefährden...


Auch wenn der Leser durch den Prolog, der auf der „Long Pass“ im Jahre 2197 spielt, bereits ahnt, dass die scheinbar friedliche Koexistenz der Aliens und der bei ihnen lebenden Menschen auf Lug und Trug aufgebaut zu sein scheint, so macht es doch Spaß, dem langsamen Entblättern des Rätsels im Roman zu folgen. Fast erinnert das Buch an den alten Glanz des Autors Larry Niven, der mit seinen „Geschichten aus dem Ringweltuniversum“ (so die frühere deutsche Übersetzung der „Tales of the Known Space“) durchgängig seine Leserschaft zu fesseln wusste. Neben den vier Romanen, die auf der Ringwelt spielen, gehören auch noch einige andere Werke des Autors zu dieser Serie.
Mittlerweile schreiben auch andere Autoren Geschichten, die in Nivens Zukunftswelt spielen (so die Kurzgeschichten, Novellen und Romane, die in mehr als 10 Bänden unter der Überschrift „Die Kzin-Kriege“ bei Bastei veröffentlicht worden sind).
So verwundert es nicht, dass der unbekannte Edward M. Lerner dem ursprünglichen Erfinder zur Seite stand beim vorliegenden Roman, denn entweder kann oder will Niven selbst sich nicht mehr allein um seine Schöpfung kümmern.
Trotzdem kann man das vorliegende Buch als gelungen bezeichnen, auch wenn die Charaktere viel zu flach bleiben. Hier lag früher durchaus eine Stärke des Autors Larry Niven, der fast als einziger naturwissenschaftlich-technisch geprägter SF-Autor auch in der Lage war, glaubhafte, lebendige und vor allem mehrdimensionale gezeichnete Protagonisten zu entwerfen.
Ansätze hierzu finden sich auch in „Die Flotte der Puppenspieler“, sie werden jedoch leider nicht ausgearbeitet. Dies lässt vermuten, dass Niven möglicherweise ein detailliertes Exposé der vorliegenden Geschichte an seinen Co-Autor ablieferte, der dann die (leider etwas ungenügende) Ausarbeitung fertigte.

Die guten Ideen, die spannende Handlung, das gut erdachte Mysterium und die fesselnde Atmosphäre überdecken diese Schwäche jedoch mühelos, so dass mit dem vorliegenden Buch eine weitere sehr lesbare und vor allem lesenswerte Geschichte aus dem „Known Space“ vorliegt, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man spannende Abenteuer-SF mag.

hinzugefügt: August 11th 2008
Tester: Gunther Barnewald
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