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Norman, John: Die Priesterkönige - Die Chroniken von Gor 3 (Buch)

John Norman
Die Priesterkönige – Die Chroniken von Gor 3
(Priest-Kings of Gor)
Titelbild: Timo Kümmel
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Phil und dem Team von Gegenerde
Basilisk, 2008, 314 Seiten, 15,00 EUR, ISBN 978-3-935706-36-7

Von Carsten Kuhr

Tarl Cabot, der ehemalige College-Professor, weilt wieder auf Gor, der Gegenerde. Seine Heimatstadt wurde von den Priesterkönigen vernichtet, deren Bewohner auf ganz Gor verteilt. Er selbst, so die Gerüchte, sei an der Zerstörung der Stadt schuld. So macht er sich auf ins Sardar-Gebirge, dem Sitz der allmächtig scheinenden Götter, um die Wahrheit herauszufinden und um Rache zu üben.
Und wirklich, kaum hat er die Balkenpalisade durchschritten und das gigantische Gangsystem tief unter dem Gebirge betreten, stößt er auf die allmächtigen Wesen. Götter? Nein, Götter sind die Großgewachsenen Insektenabkömmlinge nicht. Eine technisch hochentwickelte, uralte Spezies leitet die Geschicke der Gegenerde, eine Spezies, die ausstirbt.
Tarl Cabot, Krieger der Stadt Ko-ro-ba, wurde nur aus einem Grund erlaubt, die Heimat der Priesterkönige zu betreten. Man benötigt seine Dienste als Kämpfer - er soll einen der fünf Erstgeborenen des Nests ermorden ...


Mehr als zwanzig Jahre ist es her, dass ich eine stark verkürzte Form dieses Romans, im Heyne Taschenbuch erstmals gelesen habe. Ich verschlang damals die farbenprächtigen Abenteuer Tarl Cabots regelrecht, las manche Bücher viermal, fünfmal, so begeistert war ich. „Die Priesterkönige von Gor“, so der Titel der Heyne-Ausgabe aber war anders als die restlichen Bücher des Zyklus. Große Schlachtengemälde, packende Zweikämpfe, exotische Handlungsschauplätze, darauf, so erinnerte ich mich dunkel, wartete ich vergebens. Von all den Romanen der „Gor“-Reihe, die ich in meiner Teenagerzeit gelesen habe, ist dies der Titel, der mir am wenigsten im Gedächtnis geblieben ist. Es ging um die Aufdeckung des Geheimnisses der Macht im Hintergrund von Gor, an arg viel mehr erinnerte ich mich nicht mehr.
So machte ich mich mit Interesse, aber auch mit Spannung, an die neue Lektüre.
Dass die deutsche Erstausgabe massiv gekürzt worden war, das wusste ich bereits. Wie massiv, das zeigt sich erstmals an vorliegendem Roman. All das, was sich der Autor an kulturellem Hintergrund für seine Welt überlegt hat, all seine Exkurse zu Sitten, Gebräuchen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen wurde damals rigoros gestrichen. Mit der Heyne-Ausgabe hat vorliegendes Buch außer der Rahmenhandlung kaum mehr etwas zu tun.
Die Kürzung mag mit der damals üblichen Vorgabe bezüglich des Umfangs eines Taschenbuchs zu tun gehabt haben, sicherlich aber hat der Verlag hier auch eine Entschärfung des Inhalts im Auge gehabt. Die Bundesprüfstelle hatte ein gar strenges Auge auf die Publikationen, und so manche Aussage des Autors hätte, so sie denn damals übernommen worden wäre, sicherlich die Behörde auf den Plan gerufen.

John Norman entwirft ein erstaunlich dezidiert ausgearbeitetes Bild einer Alienkultur. Abseits der üblichen Fantasy-Plots sieht der Leser durch die Augen Cabots eine fremde Rasse, wobei das Augenmerk weniger auf den technischen Errungenschaften und mehr auf den kulturellen Unterschieden zwischen Priesterkönigen und Menschen liegt. Dieser Ansatz gibt Norman die Möglichkeit, seine pointierte Sichtweise auf das Verhalten des Menschen darzulegen. So interessant, wenn auch nicht unbedingt überzeugend, diese sind, sie stören den Lesefluss. Trotz Schleimwürmer und goldene Käfer, trotz Flugscheiben und Silberrohre, gerade in der ersten Hälfte des Buches geht es nicht so recht voran. Dazu kommt, dass der Autor sich in fast schon schulmeisterlich zu nennender Weise über seine Message auslässt. Frauen sind geborene Sklavinnen, sie finden in der Unterwerfung ihre Erfüllung. Ein paar Zitate, die dies belege mögen: „In ihrem Herzen wünscht sich jede Frau, die Ketten eines Mannes zu tragen“ (S. 201) oder auch „Die Evolution hat Frauen bevorzugt, die den Wunsch ihm (dem Mann) zu gehören, sein Eigentum zu sein“ (S. 202). Auch in seinem Vorwort geht John Norman auf die Kritik, die ihm und seinen „Gor“-Titeln aus Politik und Gesellschaft entgegenschlug ein. So beschreibt er seine Bücher wie folgt: „Hinzu kommt, dass die „Gor“-Bücher für Erwachsene beiderlei Geschlechts mit einem ausgeprägtem Sexualtrieb geschrieben wurden. (...) Es wird die Realität von Dominanz und Unterwerfung gezeigt, wie Männer und Frauen wirklich sind, und wie sie sich in einem natürlichen Umfeld verhalten würden.“.

Nun mag jeder Leser hier für sich selbst urteilen, ob und wie er die Romane liest. Blendet man die ideologischen Ergüsse des „Frauenkenners“ Norman aus, bieten die Titel spannend, teilweise rasant verfasste Abenteuer voller Kämpfe überlebensgroßer Recken gegen böse Widersacher mit einem gehörigen Schuss S/M-Erotik und einer auch gerade in Details erstaunlich vielschichtig ausgearbeiteten Welt.

hinzugefügt: August 7th 2008
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Basilisk
Hits: 2442
Sprache: catala

  

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