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Storm 2: Der letzte Kämpfer (Comic)

Storm 2
Der letzte Kämpfer
Martin Lodewijk & Don Lawrence
(Storm: De laatste vechter, Niederlande, 1987)
Aus dem Niederländischen von James ter Beek und Nikolaus Danner
Extra: herausnehmbarer Farbdruck
Splitter, 2008, Hardcover, 64 Seiten, 15,80 EUR, ISBN 978-3-940864-48-2

Von Irene Salzmann

Storm, ein Astronaut des 21. Jahrhunderts, wird durch einen kosmischen Wirbelsturm weit in die Zukunft geschleudert. Die Erde, wie er sie kennt, existiert nicht mehr. Nicht nur sind Kontinente versunken und neue empor gestiegen, auch die Flora und Fauna ist eine andere, und die Menschheit ist in die Barbarei zurückgefallen.
Auf ihrer Wanderung fallen Storm und seine Begleiterin Rothaar in die Hände von Meister Cush, der die beiden Gefangenen zu neuen Attraktionen seines Wanderzirkus’ machen will. Storm lernt von dem Gladiator Barledoon den Umgang mit einem Schwert und anderen gängigen Waffen und betrachtet seinen Lehrer schon bald als Freund.
Umso schockierter ist Storm, als Meister Cush Barledoon skrupellos opfert, um sich das Wohlwollen der Bewohner von Soamandrakisal zu sichern. Storm rächt Barledoons Tod, indem er den Champion der Stadt im Zweikampf besiegt. Meister Cush beschwichtigt die rasende Menge, indem er ihr Storm als neuen Champion schenkt. Damit er auch gefügig ist, droht Meister Cush, Rothaar in den Schlund von ‚der-gefüttert-werden-muss’ zu stoßen. Um seine Gefährtin zu retten, begibt sich Storm zusammen mit sechs weiteren Champions zum Palais des Todes, um dort den Thron und damit Macht zu erringen. Der Weg dorthin ist jedoch gefährlich, und einer nach dem anderen kommt in den grausamen Fallen ums Leben…


Die älteren Comic-Sammler erinnern sich gewiss noch an die phantastischen Bildergeschichten der 1970er Jahre: „Trigan“ (ebenfalls von Don Lawrence), „Andrax“, „Luc Orient“, „Perry – unser Mann im All“ usw. Sie mögen aus heutiger Sicht antiquiert wirken, und doch sind sie in den Augen der Kenner Kult, da sie damals etwas Neues waren, farbenprächtige Träume schenkten, den Zeitgeist jener Ära widerspiegeln und immer noch faszinieren.
Das gilt auch für „Storm“, der im Splitter Verlag eine Neuauflage in ansprechender Aufmachung erfährt: HC-Album, hochwertiges Glanzpapier, sauberer Druck, Hintergrund-Informationen nebst Sketchen und Illustrationen des Zeichners, als Extra einen herausnehmbaren Farbdruck.
Wer schöne Zeichnungen liebt, ist sofort beeindruckt von den realistischen und von Hand gemalten Bildern, die voller Details sind. Hier findet man weder Computer-Kolorierung noch Rasterfolien. Aus diesem Grund haben die Illustrationen ein ganz eigenes Flair, sie wirken lebendiger und ziehen einen sehr viel mehr in den Bann als es die Werke der meisten zeitgenössischen Künstler vermögen, die immer weniger selber zum Stift greifen, dafür aber immer besser die Zeichenprogramme beherrschen, die die Software-Ingenieure mehr und mehr zur Perfektion bringen. Allein schon der Bilder wegen ist „Storm“ für Comic-Sammler ein Highlight.

Was die Story und die Charaktere betrifft, so muss man im Auge behalten, wie alt diese Geschichten schon sind und welche Anforderungen die Leser in den 1980er Jahren an eine SF-/Fantasy-Serie stellten.
„Storm“ beschreibt ein Endzeit-Szenario, wie man es vom „Planet der Affen“, aus „Mad Max“ oder „Zardoz“ kennt. In einer fernen Zukunft sind die Zivilisationen vergangen, nur noch Spuren der einstigen hoch entwickelten Technologie (Raumschiffe, Stationen) überdauerten an abgelegenen Orten. Die Menschheit befindet sich auf einer Entwicklungsstufe, die Vergleiche mit jenen Kulturen zulässt, die in „Conan“, „Fafhrd & Grey Mouser“, „Thongor“ u. a. Klassikern des Genres Sword & Sorcery den Hintergrund liefern.
Der Titelheld ist der furchtlose Übermensch, der sich sofort auf die neue Situation einstellt, alles im Handumdrehen lernt, was er zum Überleben wissen muss, und sich tapfer durchschlägt. Natürlich klebt an seinem Knie die leicht bekleidete Schöne, die ihn bewundert, sich jederzeit für ihn opfern würde und einfach dazu da ist, mindestens einmal pro Abenteuer gerettet zu werden.
Nimmt man es genau – so viel hat sich dann doch nicht verändert. Die zeitgenössischen Storys mögen komplexer geworden sein, statt Schwarz und Weiß gibt es Grauzonen, die Helden sind nicht mehr unfehlbar…, aber sie winden sich in der Regel doch aus allen Gefahren heraus, lösen dieselben Konflikte wie vor zwanzig, dreißig Jahren und retten ihren demanzipierten Love-Interest. Das aktuelle Frauenbild ist – nach einer Phase der aktiven, selbstbewussten und eigenständigen Protagonistinnen, wie sie beispielsweise von Jessica Salmonson, Virginia Kidd, Ursula K. Le Guin, James Tiptree Jr. etc. beschrieben wurden - tatsächlich wieder dasselbe wie damals.

„Storm“ ist ein Genre-Klassiker, der vor allem an das reifere Publikum adressiert ist und die eingefleischten Sammler erfreuen wird. Jüngere Leser, die an die grellen Superhelden oder klamaukig-krawalligen Mangas gewöhnt sind, dürften nur schwerlich den Zugang zu einer Serie wie dieser finden.

hinzugefügt: June 26th 2008
Tester: Irene Salzmann
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