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Astraea Testament: Good Witch of the West Vol. 1 (DVD)

Astraea Testament: Good Witch of the West Vol. 1
Astraea Testament 1 – 6
J 2006

Von Christel Scheja

„Astraea Testament: Good Witch of the West” wurde als 13-teilige Serie für das japanische Fernsehen produziert und im Jahr 2006 im Verlauf von drei Monaten ausgestrahlt. Die Geschichte ist überraschenderweise in sich geschlossen und wartet einmal nicht mit einem offenen Ende auf. Dem Anime zugrunde liegt der im Jahr 1997 in Fortsetzungen erschienene Fantasy-Roman von Noriko Ogiwara. Haruhiko Momokawa, die die Illustrationen zur Geschichte beisteuerte, setzte diese später auch als Manga um. Dieser ist bisher im Westen nur in der Lizenzausgabe des amerikanischen Tokyopop-Verlags erhältlich.
Die Serie ist waschechte Fantasy. Sie bedient sich zwar einiger märchenhafter Elemente, erschafft aber eine eigenständige Fantasy-Welt voller Intrigen und Gefahren.


Firiel Dee, die Tochter des eigenwilligen Astronomen und Wissenschaftlers Gideon Dee, lebt im kleinen Örtchen Sellafield, am Rande des Landes Gral. Da ihr exzentrischer Vater nicht viel mit dem Mädchen anfangen kann, hat er sie in Pflege zu dem Bauernehepaar gegeben, das ihn in seinem Turm mit Nahrung, Kleidung und anderen Dingen versorgt. Und so wächst Firiel zwar sehr bescheiden, aber auch liebevoll behütet auf.
Kaum jemand von den Adligen verirrt sich in die abgelegene Gebirgsregion. Und so ist es für das junge Mädchen und ihre Freundin Marie umso aufregender, am Geburtstag der Königin einen für alle offenen Ball am Hofe der Adelsfamilie Roland zu besuchen und sich dort unter die Oberschicht mischen zu dürfen.
Sie ahnt allerdings nicht, dass dieser Tag ihr Leben vollkommen auf den Kopf stellen wird, denn vor ihrer Abreise hat ihr der Vater durch seinen Assistenten Roix noch ein Schmuckstück übergeben lassen, das nun ungeahnte Neugier bei Adel und Eusis Roland erregt, erkennen diese in ihm doch einen Königinnen-Prüfstein wieder. Und so erfährt Firiel, dass ihre Mutter von hoher Geburt war. Nicht nur eine Tante der beiden Adligen, sondern auch die Nachfahrin einer Königin. Und das macht Firiel nun auch noch zu einer Anwärterin auf den Thron.
Doch ehe sie das wirklich verdauen kann, überfallen Unbekannte den Turm ihres Vaters und entführen Roix. Gideon Dee hat sich rechtzeitig auf eine Forschungsreise in den Süden begeben und entrinnt so dem Zugriff der Häscher.
Nun ist Firiel auf die Hilfe des Geschwisterpaares Roland angewiesen und wird, ohne es wirklich abschätzen zu können, in ein Netz von Intrigen und Machtkämpfen mit hinein gezogen. Denn längst bestimmt nicht mehr nur der Wille der Göttin Astraea über die nächste absolute Herrin des Landes, sondern auch die mächtigen Adelsfamilien geben ihren Willen kund. Und nicht alle Mitglieder dieser gesellschaftlichen Klasse sind so edel und aufrichtig wie Adel Roland, die Firiel eher als Freundin denn als Rivalin sieht, oder ihr Bruder Eusis, der, ohne zu zögern, Roix aus der Gewalt der Unbekannten befreit. Das bekommt die Tochter des Astronomen auch zu spüren, als sie die Akademie Toras besucht, um die passende Erziehung für eine Anwärterin auf den Thron zu erhalten.


„Astraea Testament: Good Witch of the West” wirkt auf den ersten Blick wie eine niedliche Kinderserie, die durch ihr Design den Flair und die Inhalte alter westlicher Märchenfilme einfangen will. Dekor und Kleidung sind ein wildes Gemisch aus Barock, Rokoko und Biedermeier, so wie man es auch gerne in den entsprechenden Operetten benutzt. Opulente, mit Rüschen und Schleifen besetzte, Kleider wechseln sich mit prachtvollen Uniformen ab, und man geht vor allem auf den Bällen sehr höfisch und geziert miteinander um.
Doch das täuscht. Die Serie besitzt zwar viele märchenhafte Elemente, ist aber nicht ganz so harmlos und verspielt, wie man zunächst vermutet. Denn hinter den Kulissen wird mit harten Bandagen um die Macht gekämpft. Nicht nur die Adelsfamilien führen Duelle mit Degen und Diplomatie, um ihren Einfluss im Reich nicht zu verlieren, auch ein Geheimbund, der das Zeichen des Schlangenstabes führt und ketzerische Gedanken hegt, ist bereit, für sein Ziel über Leichen zu gehen. Ihm geht es um nichts weniger, als die alte - von der Göttin Astraea geschaffene - Ordnung zu zerstören, die der Herrscherin bisher absolute Macht gewährt hat. Anders als in den übrigen Reichen bewahrt Gral seine Unabhängigkeit durch geschickte Diplomatie, Verführungskünste und nicht zuletzt durch ein wenig göttliche Magie.
Das zerbrechliche Gleichgewicht der Kräfte fordert aber auch Opfer. Wissenschaft und Technik sind verpönt, ihre Befürworter und die meisten Wissenschaftler werden als Ketzer betrachtet.
Deshalb ist auch Firiel Dee nicht ganz so naiv, wie man zunächst denkt. Sie ist in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass man ihren Vater durchaus einmal als Frevler verhaften könnte. Denn obwohl sie nicht direkt von ihm ausgebildet wurde, hat sie einiges mitbekommen und stellt immer wieder Dinge in Frage, die ihr seltsam erscheinen. Nicht immer kann sie die alten Traditionen und Regeln ungefragt akzeptieren, was sie regelmäßig in Schwierigkeiten bringt.
Und genau das sind die Elemente, die die Serie auch für ältere Zuschauer interessant machen. Zwar ist die Handlung selbst insgesamt relativ einfach gestrickt und verläuft überschaubar, aber man merkt doch immer wieder, dass der Hintergrund nicht nur künstlerisch sondern auch inhaltlich ausgearbeitet wurde. Jede der Episoden birgt Informationen, die das Bild erweitern und das Gesamtbild plastischer machen, aber auch die Neugierde wecken auf das, was wirklich hinter allem steckt. Gerade hier gibt es manch eine Überraschung.
Natürlich kann man auch einfach nur das bunte Treiben der Protagonisten genießen, das ungeniert aus „Der Zauberer von Oz” und anderen westlichen märchenhaften Geschichten zitiert, aber auch vor japanischen Serien nicht halt macht. Manche Tradition oder Regel in der Akademie Toras ist durchaus an die leidenschaftlichen Treueschwüre aus „Utena - La Filette revolutionaire” angelehnt.
Letztendlich bietet jede Folge eine gesunde Mischung aus Abenteuer, Humor und der Fortführung der Geschichte. Allein die Action kommt gerade in den ersten Folgen etwas zu kurz, ist aber dennoch punktuell vorhanden. Schon in der ersten Hälfte weiß die Serie durch abwechslungsreiche Ideen, sympathische Helden, die immer wieder einmal für eine Überraschung gut sind, und natürlich auch den spannenden Hintergrund zu gefallen.

Von der Animation her ist „Astraea Testament: Good Witch of the West” auf der Höhe der Zeit. Die Hintergründe sind detailreich, die Figuren bewegen sich fließend, und alles passt zueinander. Die Farben sind leuchtend und harmonisch. Nur beim Ton verzichtet man auf den Raumklang. Die Synchronisation kann sich hören lassen.
Die ersten sechs Folgen der Serie erscheinen in einer ansprechend gestalteten Edition. Die Pappbox wirkt wie ein alter Foliant und lässt sich auch so aufklappen. die beiden DVDs befinden sich dort auf zwei durchsichtigen Displays, die mit Bildern hinterlegt sind. Einzig die Einbindung des Booklets als Buchinneres will nicht so klappen, wie gedacht - die Pappe ist etwas zu dünn, um es lange zu halten, so dass es einem oft schon beim ersten Öffnen entgegen fällt. Aber das ist leicht zu verschmerzen, denn der Inhalt des Booklets informiert umfassend über die Serie und ist mit sehr vielen schönen Bildern, zu denen auch Konzept-Zeichnungen gehören, ausgestattet.

Normalerweise führen Fantasy-Animes eher ein Schattendasein auf dem deutschen Markt, da sie entweder zu sehr auf kindliche oder mehr auf erwachsene Zuschauer ausgerichtet sind. „Astraea Testament: Good Witch of the West” erweist sich als löbliche Ausnahme.
Die Serie ist All Age-Fantasy, die nicht nur jungen Mädchen durch sein hübsches Dekor und die romantischen Charaktere gefallen dürfte, sondern auch für alte Hasen spannende Unterhaltung mit einem ungewohnt interessanten Hintergrund und vielen kleinen Anspielungen bietet.

DVD-Facts:
1,78:1 (anamorph / 16:9)
Ton: deutsch Dolby Digital Stereo 2.0, japanisch Dolby Digital Stereo 2.0, französisch Dolby Digital Stereo 2.0
Untertitel: deutsch, französisch, niederländisch, polnisch

DVD-Extras:
Booklet, Galerie

hinzugefügt: May 20th 2008
Tester: Christel Scheja
Punkte:
zugehöriger Link: Anime Video
Hits: 1521
Sprache: german

  

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