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Nunold, Beatrice: Der Große Wald (Buch)

Beatrice Nunold
Der Große Wald
Titelfoto von Uwe Könemann-Nunold
Schardt, 2008, Paperback, 160 Seiten, 12,80 EUR, ISBN 978-3-89841-366-4

Von Christel Scheja

Sind Phantastik und Philosophie unvereinbar oder sich sogar ähnlicher als man denkt? Schließlich widmet man sich in beiden Bereichen oft fiktiven Gedankengebilden, die man mit möglichst vielen Aussagen fundamentieren möchte. Während man dem Horror und der Science Fiction durchaus Ansätze zubilligt, wird das der Fantasy oft noch abgesprochen.
Beatrice Nunold scheint da anderer Ansicht zu sein. Nach einigen Ausflügen in die Lyrik und die Zukunft hat sie sich in „Der Große Wald” nun der Fantasy zugewandt und erzählt eine abenteuerliche Geschichte vor einem vielschichtigen Hintergrund.


Die Professorinnen Rahel Sternenhain und Althea Wiesengrün sind nach Tybolmüde gekommen, um an der dortigen Universität Unterricht zu geben und eigenen Studien nachzugehen. Doch schon am ersten Tag werden sie mit einem Mord konfrontiert. Eigentlich wollten sie sich nur mit dem Antiquar Salomon Friedenreich unterhalten - nun finden sie ihn erstochen in einem seiner Räume. Und die Bluttat ist gerade erst begangen worden.
Kriminalistischer Eifer erwacht in den beiden Frauen, die nicht auf den Kopf gefallen sind und schon gar nicht in den Wolken schweben. Sie stürzen sich in die Arbeit und versuchen heraus zu finden, warum der Mann getötet wurde, und wer ein Motiv dafür haben könnte.
Doch zunächst verlaufen alle Spuren im Sande.
Weitere Hinweise kann erst das Straßenkind Fee geben, das sie schon bei ihrer Ankunft kennen gelernt haben. Seit der Mordnacht wird das junge Mädchen von Alpträumen gequält, die sie immer mehr in einen Fieberrausch versetzen und später sogar in einer alten Sprache sprechen lassen.
Während sich die beiden Frauen intensiv um die Kleine kümmern, geschieht noch ein zweiter Mord. Der Professor und Zwerg Steinhart Eisenhauer wird tot vorgefunden. Doch diesmal gibt es deutlichere Hinweise.
Könnte es sein, dass Fee eine größere Rolle zufällt, als sie bisher dachten? Hat sie mehr als nur den Schatten des Mörders gesehen - und sind vielleicht sogar ihre intensiven Träume die Lösung des Rätsels? So wie auch ein geheimnisvolles Buch, das irgendwo in der Bibliothek lagert und für einige Personen so bedeutsam sein muss, das sie sogar bereit sind, dafür über Leichen zu gehen?


Beatrice Nunold gelingt der Spagat, eine unterhaltsame Geschichte mit hintergründigen philosophischen Aussagen und augenzwinkernder Satire auf den Universitätsbetrieb zu verbinden. Sie nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und verleiht gerade den beiden Professorinnen und Fee genug Profil, um sie sympathisch und lebendig erscheinen zu lassen. Zwar benutzen sie für ihre Ermittlungen in den Mordfällen sehr ungewöhnliche Methoden, um den Motiven und möglichen Tätern auf den Grund zu gehen, aber sie erklärt sie auch weitestgehend, so dass man die Theorien zumindest in großen Teilen auch ohne entsprechende Vorbildung und mit ein bisschen Nachdenken verstehen kann. Aber auch wenn man das nicht unbedingt will, kann man die Geschichte genießen, da sie bis zum Ende hin spannend erzählt wird und die Konflikte interessant auflöst. Dabei spielt Gewalt nur eine untergeordnete Rolle; viel bedeutsamer ist die Macht der Worte.
Archetypische Figuren stehen für bestimmte Strömungen in der Philosophie. Man merkt das nicht nur an den sprechenden Namen, sondern auch an deren wohl durchdachtem Verhalten, das für erfahrene Leser leicht zu deuten ist. Für den unerfahrenen Leser sind sie trotzdem nicht fremd und fern, da die Autorin sorgsam darauf achtet, ihnen auch recht menschliche Züge zu verleihen.

„Der Große Wald” ist ein spannendes Werk auf zwei Ebenen. Man kann das Buch einfach nur so als phantastischen Kriminalroman lesen, aber sich auch von den hintergründigen Andeutungen und frecher Satire einfangen lassen. Das dürfte vor allem etwas anspruchsvolleren Fantasy-Lesern gefallen, die nicht nur sinnfreie Action und vordergründige Kulissen vorziehen.

hinzugefügt: May 20th 2008
Tester: Christel Scheja
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