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Battlestar Galactica: Das Virus, Steven Harper (Buch)

Battlestar Galactica
Das Virus
Steven Harper
(Battlestar Galactica: Unity)
Übersetzung: Claudia Kern
Panini, 2007, Taschenbuch, 300 Seiten, 9,95 EUR, ISBN 978-3-8332-1643-5

Von Frank Drehmel

Als die Überlebenden des Vernichtungskrieges in den Trümmern eines zylonischen Basissterns eine Rettungskapsel entdecken, ist die Verwirrung zunächst groß, da sich an Bord dieses Objektes der begnadete Sänger Peter Attis sowie eine Wächterin, die Version des Zylonen-Modells Nummer 8, befinden.
Zweifel an Attis’ menschlicher Identität können dank Gajus Baltars und insbesondere Kara Thraces Fürsprache schnell zerstreut werden, denn die kleine Kara zählte früher - wie andere weibliche Crew-Mitglieder auch - zu den größten Fans des Sängers und weiß daher mit einer Masse überflüssiger Details aus dessen Leben aufzuwarten.
Der Führung der Galactica kommt Attis’ Auftauchen im Grunde sogar recht, kann der Entertainer doch mit einem Live-Konzert für etwas Stimmung im trüben Flüchtlingsalltag sorgen.
Dieses ist um so nötiger, als der Bestand an Strahlungsmedikamenten sowie Antibiotika innerhalb der Flotte zur Neige geht und man daher gezwungen ist, trotz der allgegenwärtigen Bedrohung durch die Zylonen Station zu machen, um auf einem Planeten durch Ernten spezieller Algen für Nachschub zu sorgen.
Dass sich die „Toaster” erstaunlich ruhig verhalten, gibt aber nur wenig Anlass zur Freude, denn schon bald tauchen erste Krankheitsfälle in den Reihen der Menschen auf. Die Patienten beginnen zu fantasieren, können sich nicht mehr artikulieren, verlieren die Kontrolle über ihre Körperfunktionen, fallen ins Koma und sterben schließlich.
Schnell haben Dr. Cottle und Gaius Baltar Peter Attis als Überträger einer Seuche ausgemacht, die augenscheinlich von den Zylonen kreiert wurde. Immerhin liegt im Blute des Sängers die Heilung. Das Problem ist nur, dass Attis zwischenzeitlich zum Messias einer Sekte avancierte und mit Hilfe der aus ihrem Gefängnis ausgebrochenen Sharon Valerii von Bord der Galactica entführt wurde. Damit beginnt ein Wettlauf gegen das Virus und gegen die Maschinenwesen, die jederzeit auftauchen könnten.


Ich kann es nicht oft genug sagen: die BSG-TV-Show empfinde ich so erbaulich wie einen Furunkel am Arsch.
Im Gegensatz zur Show stellten die BSG-Romane immerhin eine erfreuliche oder wenigstens keine schlechte Leseerfahrung dar; bisher jedenfalls, denn mit „Das Virus” ist auch der belletristische Spin Off der Serie - bedauerlicherweise - ein deutliches Stück in Richtung „Regio Glutealis” gerückt.
Dass dieser Roman, dessen Handlung Mitte der zweiten Show-Staffel spielt, ohne Grundkenntnisse des Hintergrundes kaum genießbar ist, soll bei der Beurteilung keine Berücksichtigung finden, denn wer Franchise-Bücher liest, muss vorher wissen, worauf er sich einlässt.
Die eigentlichen Mängel liegen ganz woanders. An erster Stelle stehen die eindimensionalen, klischeehaften Charaktere, die - und hier verschenkt der Autor den Vorteil des Buches gegenüber dem Film - im Vergleich zur Serie nur eine minimale Vertiefung erfahren. Insbesondere Kara Thrace, die sich ständig ans nicht vorhandene Gemächt zu greifen scheint und Macho-Sprüche klopft, geht selbst jemandem, der keine Probleme mit starken Frauen hat, regelrecht auf die Eier.
Zweitens ist die Geschichte alles andere als originell, d.h. innovative oder gar interessante Ansätze sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es eine drögen, nicht nur für BSG-Fans vorhersehbaren Mix aus Storyelementen, deren Bärte jeden Amischen vor Neid erblassen ließen. Erschwerend kommt hinzu, dass Harper seine Ideen staubtrocken und bar jeglichen Humors präsentiert, sich diese Ernsthaftigkeit aber in der soapig-platten Story selbst nicht widerspiegelt. Moralische Dilemmata, die sich aus dem Setting und der besonderen Situation der Flotte der Flüchtlinge ergeben, werden allenfalls angedeutet, in der Regel jedoch darf sich der Leser diese allein im stillen Kämmerlein zusammenbasteln.
Drittens und schlussendlich erweist sich Harper auch stilistisch als veritabler Dünnbrettbohrer. Ich bin mir bewusst, dass in Schriftstellerworkshops und Anleitungen für Möchtegern-Autoren regelmäßig die These „In der Kürze liegt die Würze” mit geradezu missionarischem Eifer propagiert wird; aber staccatoartig aneinandergereihte Mini-Sätze sowie Dialoge, bei denen man sich angesichts des verwendeten Wortschatzes und der - freundlich ausgedrückt - übersichtlichen Syntax fragt, ob da nicht doch Grundschüler am Radebrechen seien, lassen keine Lesefreude aufkommen.

Fazit: Eine vorhersehbare, religiös verquaste, einfallslose, humorlose und schlecht geschriebene Story. Fans der TV-Show werden wahrscheinlich selbst in dieser Dunkelheit einen hellen Schein erkennen.

hinzugefügt: April 26th 2008
Tester: Frank Drehmel
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