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Bachmann, Tobias: Das Spiel der Ornamente (Buch)

Tobias Bachmann
Das Spiel der Ornamente
Titelbild: Timo Kümmel
Eloy, 2007, Paperback, 172 Seiten, 12,00 EUR

Von Carsten Kuhr

Sonntagmorgen in der Westvorstadt. Wie jeden Sonntag begeben sich die Gläubigen zum Gottesdienst in die Klosterkirche, die weniger Gläubigen schlafen aus. Doch der allsonntägliche Gottesdienstbesuch wird jäh durch den Schrei eines Messdieners gestört. Der Pfarrer der kleinen Gemeinde liegt blutüberströmt in der Zelle des der Kirche angegliederten Klosters. Alle Hinweise deuten auf einen Ritualmord hin.

Kurz danach werden weitere ebenso bestialisch zugerichtete Leichen gefunden - vorbei ist es mit dem besinnlich-gemütlichen Wochenende für Inspektor Marrak und seinen kauzigen Assistenten Schäfer. Im Zuge seiner Ermittlungen stößt Marrak immer wieder auf kleine Quarzsteine.
Die Spur führt ins Kloster. Bei einem Gespräch mit dem Prior berichtet dieser von einer mysteriösen Kammer aus Quarzkristall, über die die Mönche seit Jahrhunderten wachen. Kann das sein, ein uralter Fluch, der einmal aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, nun seinen unheiligen Kreuzzug durch eine der Satellitenstädte der nahe deutschen Metropole zieht? Während riesenhafte Katzen mit Quarzaugen regelrecht zur Jagd auf die Menschen rufen, breiten sich die kristallinen Strukturen immer weiter aus.

Zusammen mit der nymphomanen Biologiestudentin Elven und der Revolverblatt-Journalist Freimann dringen die beiden Polizisten immer tiefer in das Geheimnis der Verbrechen ein. Während sich die Bundeswehr darauf vorbereitet, mit Billigung der Alliierten die Stadt aus Quarz, zu der sich Westvorstadt entwickelt hat, dem Boden gleich zu machen, dringen sie in die Gewölbe des Klosters ein, und treffen auf eine alte Glaubensgemeinschaft in neuem Kleid....


Tobias Bachmann ist dem Leser phantastischer Stoffe insbesondere durch sein im Atlantis Verlag erschienene Kurzgeschichtensammlung „Novalis’ Traum“, sowie dem gemeinsam mit Markus K. Korb verfassten Episodenroman „Das Arkham-Sanatorium“ ein Begriff. Schon in diesen Werken zeigte er, dass er auf phantastisch-morbide Art und Weise zu unterhalten weiß.

In seinem, laut Verlagswerbung, ambitioniertesten Werk, verbindet er geschickt Elemente des Kriminalromans mit einer phantastischen Handlung.
Überzeugend, wie es ihm hierbei gelingt aus einer Situation, die gänzlich in der Realität zu fußen scheint, langsam, fast unmerklich eine Atmosphäre des Irrealen aufzubauen. Anders, als viele seiner Kollegen, versucht er erst gar nicht, die phantastischen Vorgänge, das Grauen, rational zu erklären, sondern schildert uns nur die Auswirkungen der kristallinen Invasion.
Mit seinen Figuren sind ihm markante, allerdings auch ein wenig überzeichnete Charaktere gelungen. Zu sehr entsprechen diese den gängigen Klischees, fast bin ich geneigt, diese als Persiflage zu werten.

Die Anrufung der dunklen Gottheit vor dem entweihten Quarzaltar und die finale Rettung fast aller wichtigen Figuren stört die morbide Ausstrahlung des Textes ein wenig. Hier und in der Folge im Finale hätte ich mir gewünscht, dass der Autor den Mut besessen hätte, auch Sympathieträger folgerichtig dem wuchernden Quarz oder der Bombe zu opfern.

Insgesamt gesehen ein Werk das atmosphärisch dicht zu fesseln weiß, und Appetit auf mehr aus Bachmann’scher Feder macht.

hinzugefügt: April 9th 2008
Tester: Carsten Kuhr
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