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Nix, Garth: Rauer Donnerstag (Buch)

Garth Nix
Rauer Donnerstag
(Sir Thursday)
Aus dem australischen Englisch übersetzt von Axel Franken
Titelbild: Arndt Drechsler
Innenillustrationen von Daniel Ernle
Ehrenwirth, 2008, Hardcover, 350 Seiten, 16,95 EUR, ISBN 978-3-431-03741-8

Von Carsten Kuhr

Willkommen im großen Haus der Architektin, dem Ursprung des Universums, wie wir es kennen. Seitdem die Architektin verschwunden ist, wird das große Haus von sieben Herrschern regiert, die das Vermächtnis der Architektin unter sich aufgeteilt haben, und mit ihren magischen Schlüsseln in ihren jeweiligen Häusern regieren. Doch es gibt ein Gerücht - ein verheißener Erbe des Vermächtnisses wird die getrennten Teile des Vermächtnisses finden und zusammenführen - doch dazu muss dieser überwältigende Krieger zunächst die Schlüsselwahrer in ihren eigenen Reichen besiegen.

Wie es das Schicksal will, ist nicht etwa Herkules oder König Arthur als Erbe auserkoren, oh nein, das Schicksal schreibt seine ganz eigenen Geschichten und zumindest dieses Mal scheint es einen ganz eigensinnigen Humor zu offenbaren. Arthur Penhaligon, ein Junge von der Erde, ein Mensch, der unter Asthma leidet, der vorgesehen war zu sterben, bekommt die eigentlich unerfüllbare Aufgabe übertragen.
Als Hilfsmittel hat er den kompletten Atlas des großen Hauses, und ein paar Freunde zur Seite gestellt bekommen.

Was niemand vermutet hätte, er löst, wenn auch sehr widerwillig, seine Aufgaben gar nicht so schlecht. Zwar kennt er sich im Haus nicht aus, weiß nichts von den Gepflogenheiten, den Allianzen und Animositäten, doch so manches Mal ist es gerade sein unvoreingenommener Blick, der es ihm ermöglicht zu obsiegen.

Drei Schlüssel zum großen Haus der Architektin hat Arthur Penhaligon schon an sich gebracht. Als er zusammen mit seiner Freundin Blatt, die ihn im letzten Abenteuer unterstützt hat, zur Erde zurückkehren will, stoppt ihn Dame Primus abrupt. Ein magischer Doppelgänger, der Skelettjunge, ein Geistfresser, hat seinen Platz auf der heimischen Erde eingenommen. Sollte Arthur zurückkehren und seinem bösen Klon begegnen, könnte seine ganze Welt vernichtet werden.
Zudem erreichen beunruhigende Nachrichten Dame Primus. Die besiegten Herren Sir Montag und grimmiger Dienstag werden durch Zauberei ermordet - eigentlich sollte sich Arthur darum kümmern, doch dann erreicht ihn der Einberufungsbefehl.
Wie jeder Bewohner des großen Hauses muss er seinen einhundertjährigen Wehrdienst in der glorreichen Armee der Architektin im Kampf gegen die Nichtlinge ableisten. Die Grundausbildung droht, und auch im großen Haus ist das kein Zuckerschlecken. Nur zu bald zwingt die militärische Lage Sir Donnerstag, der Oberbefehlshaber der Armee, alle Rekruten ins Gefecht zu werfen. An der Seite seines Erzfeindes zieht Arthur in die Schlacht gegen den übermächtigen Gegner...


Anders, als in den ersten drei Teilen des siebenbändigen Zyklus geht es dieses Mal nicht vornehmlich um die Auseinandersetzung zwischen unserem Helden und dem grimmigen Herrn Donnerstag.
Garth Nix nutzt das Gebot der Stunde und führt weitere, für den Fortgang der Handlung neue, wichtige Personen und Ideen ein. Dies zeigt sich auch daran, dass der Heerführer Donnerstag erst im letzten Viertel des Buches überhaupt in Erscheinung tritt. Stattdessen taucht zum ersten mal der bereits öfter erwähnte Pfeiffer, ein leiblicher Sohn der Architektin in persona auf, die Handlung strotzt vor unerwarteten Wendungen und neue Entwicklungen deuten sich an.
Die neuen, organisierten Nichtlinge, die Schlachten auf ständig ihren Standort verlagernden Schlachtfelder, der Militärdienst im Heer der Architektin, aber auch das erstmalige Zusammenwirken der unter Arthur vereinten drei Häuser weisen den Weg. Das liest sich nicht nur spannend, das beinhaltet auch, gerade für ein Jugendbuch, und als solches wird die Serie im angloamerikanischen Sprachraum verkauft, ungewöhnlich düstere, in Details brutal realistische Beschreibungen des Kriegsgeschehens.

Stand in den ersten drei Bänden die Auseinandersetzung von Arthur mit seiner Aufgabe ganz im Zentrum der Bücher, seine durchaus nachvollziehbare Weigerung, seine Aufgabe anzunehmen, so hat sich dies mit vorliegendem Roman geändert.
Er hat mittlerweile akzeptiert, dass er als Erbe eingesetzt ist, weiß, dass er nur wenn er kooperiert seine Familie vor Unbill schützen und vielleicht gar wieder in sein altes Leben zurückkehren kann.
Davor aber hat die Architektin die Eroberung der Schlüssel und das Auffinden der versteckten Teile des Vermächtnisses gesetzt.
Statt nun also wieder mit seinem Schicksal zu hadern nimmt er seine Aufgabe erstaunlich gefasst an. Hinzu kommt, dass neue Sorgen ihn quälen. Durch den Gebrauch der Schlüssel verwandelt er sich zunehmend in einen Bürger des Hauses, eine Transformation, die wenn abgeschlossen irreversibel ist.

In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wird Blatt in ihrem Kampf gegen den Geistfresser.

Alles in allem bringt vorliegender Roman den Zyklus weit voran. Neue Figuren stellen sich vor, neue Konstellationen zeichnen sich ab. Die Handlung gewinnt an Tiefe, auch und insbesondere durch die Vertiefung der bekannten und Einführung neuer, faszinierender Charaktere.

Die Buchgestaltung zeigt einmal mehr, welchen Stellenwert der Verlag dem Buch zuweist. Die Vorsatzpapiere aus marmorierten Papier, Originalcover aus der Werkstatt eines Arndt Drechsler, Innenillustrationen von Daniel Ernle - da lacht des Buchliebhabers Herz.

hinzugefügt: March 18th 2008
Tester: Carsten Kuhr
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