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Bizenghast 1 (Comic)

Bizenghast 1
M. Alice LeGrow
Aus dem Amerikanischen von Aranka Schindler
Tokyopop, 2008, Taschenbuch, 174 Seiten, 6,50 EUR, ISBN 978-3-86719-151-7

Von Irene Salzmann

Dinah ist 8 Jahre alt, als sie ihre Eltern bei einem Autounfall verliert und zu ihrer Tante Jane nach Bizenghast gebracht wird. Seit das Mädchen in dem abgelegenen Ort lebt, leidet es unter Anfällen, und der Arzt diagnostiziert Schizophrenie, denn er glaubt nicht an die Geister, die Dinah zu sehen behauptet. Der Einzige, der zu ihr hält, ist der gleichaltrige Vincent, der sie eines Nachts einfach auf seinem Rad zu einem Ausflug mitnimmt.
Die beiden Kinder stoßen im Wald auf ein heruntergekommenes Mausoleum. Weil Dinah eine alte Inschrift vorliest und einen Schlüssel berührt, geht sie unabsichtlich einen Vertrag ein, der sie verpflichtet, jede Nacht ins Mausoleum zurückzukehren, die darin schlafenden Geister zu wecken und sie ihrer Bestimmung zuzuführen – anderenfalls muss Dinah sterben. Nach einigen schaurigen Abenteuern erfahren die Kinder, dass es möglich ist, den Vertrag abzulösen. Sogleich ist Vinzent bereit, sich an Dinahs statt mit den dunklen Mächten einzulassen…


„Bizenghast“ ist ein US-Manga, der vor allem die weiblichen Fans des Gothic-Genres ansprechen dürfte. Eher dunkle Bilder, die typische Motive zeigen (Kleidung im Gothic-Lolita-Look, Bauwerke im Stil der Hochgotik, Gargoyles, Engel), und melancholische Charaktere (traurige Augen, kränkelnd, egozentrisch, isoliert) erzeugen eine beklemmende Atmosphäre.
Die Protagonisten wahren eine gewisse Distanz zum Leser und auch zueinander. Selbst wenn Dinah und Vincent allein sind, scheint etwas zwischen ihnen zu stehen, was nicht ausgesprochen wird. Dinah betrachtet den Jungen als ihren einzigen zuverlässigen Freund, und Vincent wiederum lügt über ihren wahren Zustand, um zu verhindern, dass der Arzt das Mädchen in eine Klinik bringt und Vincent somit seine Bezugsperson nimmt.
Zwar bietet Vincent später an, für Dinah den Vertrag zu erfüllen, da sie krank ist und ihr der Kontrakt auch nur aufgezwungen wurde, weil Vincent sie ins Mausoleum führte, aber könnte es weitere Motive geben, die ihn dazu bewegen - außer Freundschaft und dem Wunsch nach Wiedergutmachung? Es fällt ihm überdies erstaunlich leicht, Gewalt anzuwenden, wenn dies erforderlich ist.
Die Handlung ist in mehrere Episoden unterteilt. Seit der Vertrag zustande kam, flieht Dinah immer wieder aus ihrem goldenen Käfig in der realen Welt ins Mausoleum und damit ins Reich der Geister, das aber auch nur eine Art Gefängnis für sie darstellt, weil der Kontrakt sie bindet. Viele bizarre Kreaturen warten in den Kammern darauf, von ihr befreit zu werden. Die rätselhaften Aufgaben bergen so manche Gefahr, doch Vincent steht Dinah stets treu zur Seite.
Noch wird der tiefere Sinn des Ganzen nicht enthüllt, doch zweifellos geht es um mehr als die Befreiung der Geister und die Erfüllung des Vertrags. In den USA sind bereits vier Bände erschienen, die Serie ist noch nicht abgeschlossen – erschöpfende Antworten darf man daher nicht so bald erwarten.

Die Qualität der Illustrationen schwankt sehr. Man findet aufwändig gezeichnete, meist ganzseitige Bilder, die in einem völlig anderen Stil gehalten sind, als die viel schlichter gestalteten kleinen Panels, bei denen überwiegend mit Rasterfolie gearbeitet wurde und in denen Details allenfalls angedeutet werden (kein ausgeführter Hintergrund, aufs Notwendige reduzierte Kleidung, keine Finger etc.). Man hat beinahe den Eindruck, als wären eine Illustratorin und eine Comic-Zeichnerin am Werk.
Das Cover weiß zu überraschen: Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich das Cello als Kleid – ein Trick, wie man ihn auch von M. C. Escher kennt. Daraus kann man folgern, dass nicht alles, was man in dem Manga liest oder sieht, so ist, wie es auf den ersten Blick hin scheint. Das mag auch für die Handlung und die Charaktere gelten.
Die Bilder entführen in eine surreale Welt, die voller Gegensätze und kryptischer Anspielungen ist, die man nicht gleich zu deuten vermag. So erinnert beispielsweise das stilisierte Katzenwesen an die Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“. Auf Seite 21 erkennt man Nightcrawler von den „X-Men“ als winzigen Gargoyle auf dem Dach eines Gebäudes.

Man sollte viel Liebe zum Detail mitbringen, die Themen und den Stil mögen – dann kann man eine Menge in dem Manga entdecken und seiner Phantasie hinsichtlich der Interpretationsmöglichkeiten freien Lauf lassen.

hinzugefügt: February 16th 2008
Tester: Irene Salzmann
Punkte:
zugehöriger Link: Tokyopop
Hits: 1833
Sprache:

  

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