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Baker, Kage: Die Ufer der Neuen Welt - Zeitstürme 2 (Buch)

Kage Baker
Die Ufer der Neuen Welt
Zeitstürme 2
(Sky Coyote, 1999)
Deutsche Übersetzung von Elvira Bittner
Heyne, 2008, Taschenbuch, 446 Seiten, 9,95 EUR, ISBN 978-3-453-52351-7

Von Gunther Barnewald

Diesmal verschlägt es die Unsterblichen Joseph, aus dessen Blickwinkel diesmal die Geschichte erzählt wird, und seine Botanikerkollegin Mendoza zu einem Stamm amerikanischer Indianer des Jahres 1700, die vor der Vernichtung durch die Spanier bewahrt werden sollen.
Joseph, verkleidet als Coyotengott, hat den Auftrag, den Stamm wegzulocken und an einen neuen Ort in Sicherheit zu bringen. Doch wird seine Mission erfolgreich sein, oder wird er scheitern? Und was ist mit der nahezu allmächtigen Organisation Dr. Zeus, die aus dem 24. Jahrhundert heraus die Fäden zieht, und die nicht nur einige sterbliche Geldgeber zur Beobachtung schickt, sondern auch aufmüpfige Mitarbeiter verschwinden lässt. Oder wie lässt sich sonst das spurlose Verschwinden eins Mitarbeiters der Umsiedlung der Indianer erklären?


Was spannend klingt und unterhaltsam sein könnte, ist es leider im zweiten Band der Serie noch viel weniger, als im Auftaktroman.
Zumindest offensichtlich der Beschreibung der Autorin, denn die mit Muschelgeld handelnden Eingeborenen werden als Inkarnation früher Börsianer und Kapitalisten dargestellt, deren Gehabe und Mentalität sich in nichts vom modernen Geschäftsmann zu unterscheiden scheint.
Noch schlimmer ist die Wortwahl der Autorin (oder hat sich die Übersetzerin hier einen bösen Scherz erlaubt?): Neben dem „Kanumacher-Verband“ gibt es hier eine Begrüßung „im Namen der Einwohner als auch der Vereine zur Förderung der Gemeininteressen von Humashup“ (so der Name der „Gemeinde“), einen „ersten Funktionär der Humashup-Loge“, einen „Sprecher der Vereinigten Steatitarbeiter“, einen „Intertribalen Handelsrat“, „erfolgreiche unabhängige Unternehmer“ und ähnlichen Schwachsinn mehr.
Für eine Parodie ist die ganze Geschichte jedoch viel zu wenig satirisch und zudem brachial unlustig geraten, so dass sich der entsetzte Leser nur verwundert die Augen reiben kann.

Also, was ist das Ganze? Ein trockener Witz? Die Fortsetzung US-amerikanischen Kapitalismusfetischismus mit anderen Mitteln? Ist die Autorin durchgeknallt? Oder lacht sich die Übersetzerin schlapp über die völlig unpassenden modernen Ausdrücke, die sie in diese Übersetzung ohne Wissen des Lektors und Verlags einschmuggeln konnte? (Wobei ich ihr nicht zu nahe treten möchte, verrichtete sie doch womöglich nur ihre .. ähm .. unmögliche Arbeit, etwas zu übersetzen, was einfach völlig neben jeder Logikspur ist!).
Alles nur ein gigantischer Scherz? Oder doch eine „Farce“, eine „Humoreske“? So trocken, dass es staubt und keiner es merkt? Fragen über Fragen.

Eines ist jedoch offensichtlich: Eine auch nur schemenhafte historische Glaubwürdigkeit hat die an den Haaren herbeigezogene Geschichte nicht, weil dies durch die Wortwahl einfach völlig unmöglich gemacht wird.
Zudem ist das Buch diesmal auch erbärmlich erzählt, Spannung oder Faszination sucht man vergebens.
Der ganze krude Unsinn ist einfach dermaßen unsäglich, dass er höchstens noch als Trash durchgeht. Was mag sich die Autorin hier gedacht haben?

Wer einen interessanten historischen oder auch nur annähernd genießbaren SF-Roman erwartet, sollte sich eines Besseren belehren lassen. Wer gut unterhalten werden will, sollte lieber zu anderen Autoren greifen, und wer Spannung mag, sollte lieber Gras beim Wachsen zusehen, denn dies ist allemal packender als das vorliegende Elaborat.

Was denken sich Verlag und Herausgeber, wenn sie einen solchen Quark veröffentlichen?
Fragen sie mich etwas Leichters (etwa wer Gott erschaffen hat oder was oder ob überhaupt noch etwas nach dem Sterben auf uns wartet; solche Kleinigkeiten sind sicherlich einfacher zu ergründen, als die Veröffentlichung eines solchen Murkses).
Auch die wunderbaren indianischen Mythen, welche die Autorin zwischenzeitlich einstreut, retten hier nichts mehr.
Also: Finger weg von diesem Unfug, der an Debilität fast an die ultra-blöde Zeitreiseserie um Justin Time des deutschen Autors Peter Schwindt heranreicht (wenn dieser auch sicherlich als Dilettant im Genre der SF ewig unübertroffen bleiben wird und sich rühmen kann, mit dem ersten Band der Serie den dämlichsten SF-Roman aller Zeiten verbrochen zu haben!). Aber Kage Baker gelingt es fast, ihm den Rang abzulaufen, was wirklich etwas heißen will.

(P. S.: Den einen Punkt in der Bewertung gibt es für die indianischen Mythen!).

hinzugefügt: February 14th 2008
Tester: Gunther Barnewald
Punkte:
zugehöriger Link: Heyne
Hits: 2268
Sprache: german

  

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