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Hohlbein, Wolfgang: Das Totenschiff - Thor Garson 2 (Buch)

Wolfgang Hohlbein
Das Totenschiff
Thor Garson 2
Ueberreuter Verlag, 2007, Hardcover, 430 Seiten, 14,95 EUR, ISBN 978-3-8000-5352-0

Von Carsten Kuhr

Wir schreiben das Jahr 1939. Als das amerikanische Forschungsschiff Poseidon am Rande der Arktis einen SOS-Spruch auffängt, ahnt Kapitän Morton noch nicht, dass sich sein Leben von Grund auf ändern wird.
Obwohl ihn eine innere Stimme warnt, macht er sich auf die Suche nach dem Schiffbrüchigen und wird auf einem riesigen, treibenden Eisberg fündig. Als er aber den Havarierten an Bord nehmen will, passiert Unerklärliches. Die Männer seiner Besatzung giften sich an, offene Kämpfe brechen aus, das Aggressionspotential steigt. Tief im Innern des Eisbergs glaubt Morton seinen Augen nicht trauen zu können. Ein riesiges Wikinger-Schiff liegt im Ewigen Eis konserviert, ein Mann in Kettenhemd und Streitaxt greift ihn und seine Matrosen an. Erst später stellt sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Krieger um den letzten Überlebenden einer Expedition des Deutschen Reiches handelt, dem es gelungen ist, fünf Monate auf der im eisigen Meer treibenden Eisinsel zu überleben.

Ein paar Monate später wird in den USA eine Forschungsexpedition ausgerüstet. Mit an Bord Kapitän Morton, zwei dänische Wikinger-Fachleute, zwei Vertreter aus Hitler-Deutschland sowie, als archäologischer Spezialist, Thor Garson, dessen Eltern vor Jahren auf Flucht vor den Nazis in die USA emigrierten.

Mit einem riesigen Zeppelin der US-Marine macht sich die Expedition auf die Suche nach dem zwischen der Arktis und Grönland treibenden »Odinsland«, wie sie den Eisberg getauft haben. Bereits auf der Fahrt wird deutlich, dass der Auftrag des Zeppelins sich nicht im Auffinden und Erforschen des Eisbergs und dessen Fracht beschränkt. Bomben an Bord des Luftschiffs, Anschläge auf Teilnehmer schrecken die Besatzung und Passagiere auf, jeder an Bord scheint seine Geheimnisse zu haben. Trotz aller Widrigkeiten entdeckt die Crew Odinsland, nur um dort von einem gewaltigen Wirbelsturm aufs Eis gezwungen zu werden. Als ein deutsches U-Boot auftaucht und die Überlebenden unter Beschuss nimmt wird deutlich, dass Hitler hier mehr vermutet, als eine archäologische Sensation – er ist auf der Suche nach den Waffen der Nordischen Götter ...


Bereits Anfang der 90er Jahre erschien der Roman im Goldmann Verlag erstmals. Damals lizensierte Goldmann als erster und einziger Verlag die Rechte, unter dem Markennamen »Indiana Jones« neue Abenteuer um den Mann mit Hut und Peitsche verfassen und veröffentlichen zu dürfen. Acht Romane erschienen damals, die knapp zehn Jahre später bei Goldmann nochmals aufgelegt wurden.

Auf der Suche nach neuem Lesestoff für Hohlbein-Fans stieß der Ueberreuter Verlag auf die Romane, durfte diese jedoch nicht unter dem geschützten Markennamen veröffentlichen. Nach sorgfältiger Überarbeitung der Werke – unter anderem mussten fast alle Peitschenszenen umgeschrieben werden – werden diese nun unter dem Serientitel »Thor Garson« neu aufgelegt.

Die Grundidee ist, wie bei allen acht Romanen die vor gut zwanzig Jahren veröffentlicht wurden, interessant. Den Leser erwartet eine Mischung aus historischen Fakten und Vermutungen, die mit übernatürlichen Sequenzen verbunden wurden.
Geschickt verbindet der Autor die Faszination, die von dem wilden Seefahrervolk ausgeht, mit dessen germanischen Götterpantheon, mixt die Romantik der riesigen Zeppeline, die majestätisch in den Lüften fahren, hinzu, und reichert das Gemisch mit gar bösen Schurken, verbohrten Nazis, attraktiven aber tatkräftigen Damen und jeder Menge Geheimnissen an.

Wie gesagt, die Ausgangslage verspricht viel faszinierendes Lesefutter. Bei all der gebotenen Action aber ist die Handlung ganz eindeutig zu dialoglastig.
Neben den erwarteten Schwächen, insbesondere den oft zu stereotyp agierenden und gezeichneten Personen, der »Krauts«, wie man die einhundertfünfzig-prozentigen Nazianhänger im anglo-amerikanischen Sprachraum gerne tituliert, dauert die Fahrt des Zeppelins zum eigentlichen Handlungsort zu lange, so dass für die Erforschung des Rätsels um das Wikingerschiff letztlich zu wenig Raum bleibt. Was hätte man aus diesem Topic nicht machen können – die Suche nach dem Grund für den Einschluss des Schiffes im Ewigen Eis, der rätselhafte Verbleib der Wikinger-Siedler Grönlands, die Verflechtung der nordischen Götter mit den Geschehnissen auf dem Eisberg, all dies wird im D-Zugtempo abgehandelt. Nicht, dass es zu wenig spannende Kämpfe und Auseinandersetzungen geben würde, aber hier wurde Potential verschenkt.

Das Gebotene liest sich, sieht man einmal von den etwas holprigen Dialogen ab, durchaus rasant, erinnert mich vom Aufbau und Ausführung an die alten Abenteuer-Leihbücher eines P. A. Müller alias Freder van Holk und bietet neben einer ein wenig zu vorhersehbaren Handlung kurzweilige Unterhaltung voller exotischer Schauplätze, mit überlebensgroßen Helden, schönen Maiden in Not und einem Mix an Selbstironie.

hinzugefügt: December 17th 2007
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Ueberreuter Verlag
Hits: 1639
Sprache: german

  

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