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Baker, Kage: Die Feuer der Inquisition - Zeitstürme 1 (Buch)

Kage Baker
Die Feuer der Inquisition
Zeitstürme 1
(In the Garden of Iden, 1997)
Aus dem Amerikanischen von Elvira Bittner
Heyne Verlag, 2007, Taschenbuch, 496 Seiten, 8,95 EUR, ISBN 978-3-453-52350-0

Von Gunther Barnewald

Das vorliegende Buch ist eine Neuauflage des Heyne Taschenbuchs 01/13757 der Allgemeinen Reihe aus dem Jahre 2003, damals erschienen unter dem Titel „Im Land der Unsterblichkeit“.

Im 24. Jahrhundert hat man nicht nur die Zeitreise erfunden, es ist auch möglich, einzelnen Menschen die Unsterblichkeit zu schenken. Diese Erfindungen liegen jedoch in den Händen einer mysteriösen Firma namens Dr. Zeus, die streng über deren Einsatz wacht.
Dr. Zeus scheint sich zum Ziel gesetzt zu haben, verschollene Pflanzen, Tierarten, Kunstwerke und ähnliches aus der Vergangenheit zu retten und scheinbar zufällig im 24 Jahrhundert wieder auftauchen zu lassen. So werden in „abgelegenen Tälern“ immer wieder seltene Tier- und Pflanzenarten gefunden, die man längst für ausgestorben hielt. Auf „alten Dachböden“ werden immer wieder wertvolle Kunstwerke aufgespürt.
Niemand ahnt, dass Dr. Zeus hinter all dem steckt, denn die Firma rekrutiert dank der Zeitreise auch in fernster Vergangenheit kleine Kinder, die man „modern“ erzieht und zu Unsterblichen macht. Auf diese Weise hat die Firma nicht nur viele Mitarbeiter, sondern auch viele geheime unterirdische Basen in verschiedenen Zeitaltern, die modern ausgestattet sind. Zum Glück ist es völlig unmöglich, die überlieferte Geschichte zu ändern. Nur Dinge, die nicht mehr im Gedächtnis der Menschen sind, lassen sich mit Hilfe von Reisen in die Vergangenheit verändern. Eine Reise in die Zukunft erweist sich als gänzlich ausgeschlossen. Dr. Zeus gelingt es trotzdem problemlos über seine Agenten ungeheure finanzielle Reichtümer anzuhäufen, die wiederum in die Geheimorganisation und deren Mitarbeiter investiert werden. Diesen gelingt es unter anderem, den Dodo vom Aussterben zu bewahren und alle Werke der antiken Bibliothek von Alexandria zu kopieren, bevor diese niederbrennt.
Im Laufe der Jahrhunderte wächst so eine Organisation von Unsterblichen heran, die durch die Jahrhunderte wandern und immer wieder im Auftrag von Dr. Zeus Dinge vor der endgültigen Vernichtung retten.

Die junge Spanierin Mendoza wird um das Jahr 1534 herum geboren, wird von Agenten der Firma ihren Eltern als kleines Mädchen abgekauft, gerät jedoch, bevor sie in Sicherheit gebracht werden kann, in die Fänge der Inquisition. Nach traumatischen Erlebnissen wird sie von Agenten Dr. Zeus’ befreit, physiologisch umgewandelt (u. a. durch mechanische Implantate) und modern ausgebildet und erzogen. Mendoza erfährt alles über die Geschichte und entscheidet sich für eine Ausbildung zur Botanikerin.
Im Jahre 1553 ist ihre Ausbildung abgeschlossen und Mendoza wird, zusammen mit anderen Agenten, nach England geschickt, um dort Pflanzen zu konservieren und so deren Aussterben zu verhindern. Die Agenten reisen nach Kent und erreichen dort 1554 den großen botanischen Garten des Landedelmannes Walter Iden, wo Mendoza arbeiten soll.
Doch das England dieser Zeit ist extrem unruhig, unter der kurzen Regierung von Königin Mary versucht eine blutige Gegenreformation das Land wieder unter die katholische Knute zu zwingen und zu allem Unglück verliebt sich die unerfahrene Mendoza auch noch in einen Sterblichen, so dass Komplikationen nicht ausbleiben können.....


Kage Bakers Werk besticht durch eine ausgefeilte und interessante Hintergrundkonstruktion. Um so enttäuschender ist deshalb die triviale Handlung und die von der Autorin in den Mittelpunkt gestellte Liebesgeschichte zwischen der Protagonistin und Nicholas Harpole. Obwohl die Autorin flott schreibt und die Protagonisten glaubhaft entwickelt, nimmt die Lovestory dem Ganzen leider den Schwung. Trotz humorvoller Einlagen und Vermeidung eines Happy Ends enttäuscht „Die Feuer der Inquisition“ den Leser eher.
Verglichen z. B. mit den Romanen der genialen Connie Willis, die in zwei Romanen und einer Kurzgeschichte eine durchaus ähnliche Geschichte erzählt, ist Baker weder auf dem Gebiet historischer Details noch bezüglich einer stimmigen Atmosphäre wirklich überzeugend.
Wenn das Buch trotzdem lesbar bleibt, dann ist dies dem guten und flüssigen Stil der Autorin zu verdanken.
Insgesamt ist es schade, dass die Autorin ein solch interessantes und gut ausgearbeitetes Thema leichtfertig verschenkt, wären doch an der Ausgangsposition der Geschichte viele ansprechende Handlungsführungen möglich gewesen. Wer gründetet z. B. Dr. Zeus und steckt hinter der mächtigen Organisation? Hat man außer dem Konservieren noch andere Ziele? Wie kann ein Mensch, der Tausende von Jahren durch die Welt wandert, dies psychisch überstehen? Ist eine geistige Entwicklung und Flexibilität dann noch möglich? Wie wirkt es sich auf soziale Bindungen aus, wenn einer unsterblich ist und alle anderen sterben müssen? All dies und vieles mehr hätte sicherlich einen interessanteren Handlungsrahmen abgegeben, als die triviale Liebesgeschichte, welche die Autorin hier entwickelt.

Bei dem guten Ansatz der Geschichte stimmen die verschenkten Möglichkeiten besonders traurig. Zumindest der Lapsus des Heyne Verlages, der Mendoza zur „Zeitreisenden aus dem 24. Jahrhundert“ macht, wurde in dieser überarbeiteten Neuausgabe aus dem Klappentext eliminiert.

Insgesamt ist „In the Garden of Iden“ ein zwar lesbares, aber nicht gerade umwerfendes Buch, welches aus seinem Potential leider viel zu wenig macht. Auf die angekündigten Fortsetzungen darf man aber trotzdem gespannt sein, denn zumindest der von der Autorin entwickelte reizvolle Hintergrund der Handlung bietet Potential für ansprechende Fortsetzungen, wenn die Autorin es schafft, weitere schwülstige Liebesgeschichten außen vor zu lassen.

hinzugefügt: November 1st 2007
Tester: Gunther Barnewald
Punkte:
zugehöriger Link: Heyne Verlag
Hits: 2044
Sprache: german

  

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