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Isau, Ralf: Die Dunklen (Buch)

Ralf Isau
Die Dunklen
Piper Verlag, 2007, Hardcover, 588 Seiten, 19,90 EUR, ISBN 978-3-492-70139-6

Von Carsten Kuhr

Sarah d`Albis gehört zu den Menschen, die scheinbar auf der Sonnenseite des Lebens wandeln. Als gefeierte Konzertpianistin füllt sie die Theater und Konzerthallen auf der ganzen Welt, ihr wohlgefülltes Bankkonto lässt ein Leben ohne jegliche finanzielle Sorgen zu.

Mehr noch, die Natur hat sie mit der Gabe der Synästhesie bedacht, sie ist dazu imstande Geräusche, Töne ja ganze Musikstücke als Farben zu sehen. Eine Gabe, die sie, die als Waise bei Pflegeeltern heranwuchs, mit einem ihrer Vorfahren gemeinsam hat – niemand anderer als der berühmte Ungar Franz Lisz, ein genialer Bonvivant, ein Mann der Frauen und des savoir vivre, soll einer Ihrer Vorväter sein.

Als sie in Weimar der Premiere eines wiederentdeckten Stückes ihres vermeintlichen Ur-Urgroßvaters beiwohnt, fügen sich die Klänge vor ihren Augen zu einer geheimnisvollen Botschaft aus der Vergangenheit.

Kann aber eine Botschaft aus dem Jahr 1866, in der es um eine mysteriöse Purpurpartitur geht, mit der die Welt verändert werden kann, nach all dieser Zeit überhaupt noch interessant sein? Einen Mordanschlag später, von Stalkern und Geheimbünden verfolgt, ist auch Sarah klar, dass es Menschen gibt, die, um die Partitur in ihren Besitz zu bekommen, töten würden. Zusammen mit einem russischen Professor flieht sie in die Heimat Hans Christian Andersens und beginnt dort mit der Suche nach weiteren, in Musikstücken verborgenen Nachrichten ihres Ahnen. Verfolgt von den „Dunklen“, einer Bruderschaft, die mittels in Musik verborgener Botschaften die Macht an sich reißen will, beginnt eine Schnitzeljagd durch ganz Europa, immer auf den Spuren Lizts. Verrat und Verfolgung warten auf sie, sie wird verletzt, findet aber auch Freunde und Unterstützer. Immer deutlicher wird, dass die „Dunklen“ anlässlich der Trauerfeier um Papst Johannes Paul II einen heimtückischen Anschlag planen, ein Attentat, das nur Sarah mit der Melodie der Macht verhindern kann ...


Ein neuer Isau in den Regalen der Buchhandlungen, das ist für mich immer ein besonderes Ereignis. Stilistisch ansprechend, inhaltlich faszinierend und sehr gut recherchiert boten und bieten seine Bücher immer nicht nur spannendes, kurzweiliges Lesevergnügen, sondern auch Ideen und Ansätze über die ein Nachzudenken wert war.

Dies ist vorliegend nicht anders.

Wie immer geht es bei Isau darum, sich mit Werten auseinanderzusetzen. Im Kleid eines phantastischen Thrillers verpackt, fordert Isau seine Leser auf, nicht einfach jedem Trend nachzulaufen, sich beeinflussen zu lassen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Dabei streift er en passent die Zustände in den früheren GUS-Staaten, die kulturelle Dominanz von McDonald’s & Co ebenso, wie den aktiven Einsatz eines jeden für Freiheit und Demokratie. Nun denken Sie aber bitte nicht, dass Ihnen das Buch mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen würde. Weit gefehlt, werden Sie doch gleich zu Beginn in ein faszinierendes, dichtes Geflecht von Wahrheiten, Erfindungen, Verschwörungskomplotten und Geheimbünde gezogen.

Wie bei Ralf Isau üblich erwarten uns aber keine Helden von der Stange. Er schildert immer Protagonisten, die menschlich sind, die eben darum Fehler machen, müde, verzweifelt sind, und sich dann aus durchaus nachvollziehbaren Gründen ihrem Schicksal stellen. Sarah zeigt ihre verletzlichen Seiten, sie strauchelt, sie traut den falschen Personen, sie fällt, steht aber, bildlich gesprochen, wieder auf.

Die Idee, in Liedern unbewusste Botschaften zu verstecken ist nicht neu. Wer immer in großen Einkaufszentren Aufzug fährt, wer Shopping-Malls besucht, der wird von der Hintergrundmusik eingelullt, soll beeinflusst werden, mehr als eigentlich gewollt oder benötigt einzukaufen. Isau hat diese Idee lediglich weitergestrickt, sie mit Zufällen, mit geschichtlich verbürgten Ereignissen und mit Imaginationen erfüllt, und zu einer Geschichte verwoben, die alle Anlagen eines Thriller-Bestseller in sich vereint. Dabei kommt der Autor ohne große Leichenberge oder Schießereien aus. Stattdessen schafft er durch seine atmosphärisch dichte Schilderung und sprachliche Finessen Spannung, bannt seine Leser mit intelligenten Rätseln an die Seiten.

Wie schreibt der Autor auf Seite 564 so treffend: „Glauben Sie mir, ein Sakrileg hinzuschmieren ist für manche kein Hexenwerk“, ein „Die Dunklen“ zu verfassen mit glaubhaften Personen, mit logisch aufeinander aufbauenden Rätseln und den entsprechenden Lösungen, und dies sprachlich noch so gelungen, das ist ein Hexenwerk!

hinzugefügt: October 20th 2007
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Piper Verlag
Hits: 4242
Sprache: german

  

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