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Hodgson, William Hope: Carnacki, der Geisterfinder (Buch)

William Hope Hodgson
Carnacki, der Geisterfinder
Aus dem Englischen übersetzt von Martin Clauß
BoD, Paperback, 198 Seiten, 16,00 EUR, ISBN 978-3-8370-0055-9

Von Carsten Kuhr

William Hope Hodgson, mit diesem Namen verbindet der deutsche Leser im Wesentlichen zwei Titel. „Das Haus an der Grenze“ („The House on the Borderland“ – 1908, dt. Insel in der legendären Bibliothek des Hauses Usher, sowie als Suhrkamp TB; eine überarbeitete Neuauflage erschien im Festa Verlag) sowie „Das Nacht-Land“ („The Night-Land“ – 1912, dt. Bastei-Lübbe) gehören in den Bücherschrank eines jeden Liebhabers klassischer Phantastik.

Weitestgehend unbekannt dagegen, dass der Autor auch als Vorläufer moderner Romanhelden publiziert hat.
Was heute „John Sinclair“ oder „Dorian Hunter“ sind, das gab es Anfang des 20. Jahrhunderts bereits einmal. Zu Lebzeiten Hodgsons erschienen fünf der insgesamt neun Geschichten um den „Geisterfinder“ in dem britischen Monatsmagazin „The Idler“ bevor selbiges 1911 eingestellt wurde. Die vier restlichen Geschichten wurden erst posthum in Buchform publiziert.

In seinem profundem Vorwort berichtet uns der Herausgeber und Übersetzer Martin Clauß über die Geschichte der „übersinnlichen Detektive“. Neben Hodgson hatten sich auch Sheridan leFanu mit seinem Dr. Martin Hesselius und Algernon Blackwood mit Dr. John Silence an entsprechenden Epigonen versucht. Der modernste, und heute noch lesbarste der drei ist und bleibt aber Thomas Carnacki, der 1910 erstmals auftauchte.


Carnacki ist ein aufgeklärter Ermittler. Nichts überlässt er dem Zufall, immer sucht er zunächst nach einer rationalen Erklärung für die zu untersuchenden Vorkommnisse. So hat er seine Blitzlichtkamera immer im Gepäck, benutzt ein elektrisches Pentakel (Pentagramm) und entlarvt so manches Mal Scharlatane und Betrüger als Verursacher unerklärlicher Ereignisse.

Clauß weist aber bereits im Vorwort auf die Schwächen des Geisterjägers hin. Immer ist er allein unterwegs, ihn unterstützende Personen – den Dr. Watson – sucht man vergebens. Wenn es ihm genehm ist, ruft er seine Freunde, echt unterkühlt britisch zum Dinner, und gibt anschließend seine Moritaten zur Kenntnis.

Trotz all der Zeit die seit Erstveröffentlichung vergangen ist lesen sich die neun Stories aber noch frisch und spannend. Meist geht es darum, Geistererscheinungen auszuforschen, nur einmal, in „Das Schwein“ wird die Handlung auf eine größere Ebene gehoben, erblicken wir die ultimative Bedrohung durch eine größere Macht (die Großen Alten werden hier vorweggenommen) aus einer anderen Dimension.

Ansonsten wird Carnicki in einsam gelegene Schlösser und Herrensitze gerufen, in denen es spukt. Er baut seine Untersuchungsgeräte auf, forscht nach rationalen Spuren, bevor er sich selbst dem Bedrohlichen stellt.
Da spielen alte Ringe, die als Tor in eine dunkle Dimension führen, eine Rolle, das tropft Blut von der Decke und Hunde werden getötet, da pfeift es in einem leeren Zimmer, belästigt ein übler Geruch Carnickis Mutter, verselbständigt sich ein alter Dolch, wird ein Windjammer von Schatten heimgesucht oder taucht plötzlich ein zweites Exemplar eines Buches auf, das nachweislich nur einmal gedruckt wurde.


Auch wenn sich der Aufbau der Geschichten wiederholt, ihre Faszination haben sie nicht verloren. Besonders die so oft beschworene „Gruselatmosphäre“ kommt hier zum Tragen. Mit leichter Hand schafft Hodgson das, was so viele Autoren krampfhaft versuchen – seinen Lesern ein kaltes Schauern den Rücken hinunterkribbeln zu lassen, sie weit weg von ihrer technisierten Welt in alte, knarrende Gemäuer zu entführen und den Alltag vergessen zu lassen. Insoweit sind diese Erzählungen eine Entdeckung, die nicht nur ein Schlaglicht auf die Wurzeln der modernen Dämonenjäger wirft, sondern die für sich stehen und bestehen können.

hinzugefügt: September 18th 2007
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: BoD
Hits: 2003
Sprache: german

  

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