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Bishop, Kirsten J.: Stadt des Wahnsinns (Buch)

Kirsten J. Bishop
Stadt des Wahnsinns
(The Etched City, 2003)
Aus dem Englischen von Birgit Reß-Bohusch
Piper Verlag, 2007, Taschenbuch, 414 Seiten, 8,95 EUR, ISBN 978-3-492-291583

Von Gunther Barnewald

Die Ärztin Raule und der Söldner Gwynn reisen, auf der Flucht vor Verfolgern, durch die Wüste. Dereinst hatten sie an einer Revolution teilgenommen, die jedoch missglückt war. Als Konsequenz daraus verfolgt man sie nun und trachtet ihnen nach dem Leben. Den beiden gelingt es jedoch, ihre Verfolger in einen Hinterhalt zu locken und zu töten.
Einige Zeit später gelangen die beiden in die Stadt Ashamoil, gelegen in einem fruchtbaren Tal, durch welches der Fluss Skamander fließt. Ashamoil ist ein verfaultes subtropisches Paradies. Die Reichen leben hoch an den Berghängen, während die Armen in Flussnähe dahinvegetieren. Die Stadt wimmelt von Sklaven und ist fest in der Hand des Verbrechens und der Korruption.
Während Raule sich einen Job in einer heruntergekommen örtlichen Klinik sucht und beginnt, deformierte Föten zu sammeln, gelingt es Gwynn als Killer und Leibwächter für einen örtlichen Paten anzuheuern. Während sich die Ärztin dem täglichen Elend und Entsetzen gegenüber sieht, führt der Söldner ein ebenso gefährliches wie luxuriöses Leben, lernt die Machtstrukturen und Perversionen der Stadt kennen und wird selbst ein Teil davon, wobei er mehrfach um sein Überleben oder das seines Paten und von dessen grausamer Organisation kämpfen muss...


Was interessant und spannend beginnt, verflacht leider nach der ersten Hälfte des Buchs immer mehr. Dies ist um so bedauerlicher, da die erzählte Geschichte wahrlich Potenzial gehabt hätte. Eine stilistisch begabtere Autorin hätte aus dem vorgegeben Sujet zweifellos einen wunderbaren und fesselnden Dark-Fantasy-Roman machen können, mit etwas mehr Phantasie wäre zumindest noch ein ansprechendes Werk heraus zu destillieren gewesen. Leider verfügt die Autorin weder über das eine, noch das andere in ausreichendem Maße.

So tauchen zwar immer wieder schlaglichtartig verwunschene Gestalten und verfluchte Seelen auf, doch vermag die Autorin diese weder in die Atmosphäre/Handlung einzubinden, noch im Inneren des Lesers eine Repräsentanz dieser Gestalten zu wecken, da sie zu undeutlich bleiben. Zu wenig Mühe gibt sich die Autorin hier (oder vielleicht ist sie hiervon auch einfach nur überfordert), so dass der Leser gleichgültig bleibt. Der berühmte „Sense of Wonder“, der den Rezipienten zu verzaubern vermag, fehlt dem vorliegenden Buch erschreckenderweise leider völlig.
Stattdessen bilden verwaschene Drogenerlebnisse des Protagonisten immer wieder den Handlungsfaden, was ob deren Inkohärenz einfach schief gehen muss. Denn Ashamoil mit seiner Korruption, seinen mafiösen Strukturen, der Grausamkeit und Sklaverei ist ein viel zu mächtiges Bild und hätte eine begabtere Schöpferin verdient gehabt, um das Elend und das Drama menschlicher Existenz deutlich zu machen.
So konzentriert sich die Autorin viel zu wenig auf Raules Erlebnisse in Ashamoil, macht statt dessen Gwynn und seine Sicht der Dinge zum Zentrum der Handlung. Dieser ist jedoch völlig unkritisch und viel zu tief in die örtliche Korruption verstrickt, um einen verständigen Blick auf Wunder oder Zauberhaftes werfen zu können oder wenigstens die üblichen Grausamkeiten so weit zu beleuchten, dass sie beim Leser ein emotionales Echo hervorrufen könnten.

Deshalb fehlt der Geschichte die bedrückend-düstere Atmosphäre, wie man sie z. B. in Darrell Schweitzers Meisterwerk „Wir sind Legende „finden kann, ebenso wie die wunderbaren Einfälle eines Dino Buzzati oder eines Ray Bradbury schmerzlich vermisst werden.

Kirsten J. Bishop hat in ihrem Debüt versucht hoch anzusetzen und ist um so tiefer abgestürzt. „Stadt des Wahnsinns“ ist eine eklatante Enttäuschung, da der Roman das große Potential der Geschichte verrät. Und so geht der Handlung konsequenterweise viel zu früh die Luft aus und der Leser muss sich durch die letzten Seiten quälen, nur um mit der enttäuschenden Erkenntnis bestraft zu werden, dass das im Klappentext versprochene „monströse Geheimnis“ leider nirgendwo lauert, oder zumindest nicht in diesem auf ganzer Linie enttäuschenden Buch.

hinzugefügt: May 29th 2007
Tester: Gunther Barnewald
Punkte:
zugehöriger Link: Piper Verlag
Hits: 2181
Sprache:

  

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