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Pratchett, Terry: Der Winterschmied (Buch)

Terry Pratchett
Der Winterschmied
(Wintersmith)
Aus dem Englischen übersetzt von Andreas Brandhorst
Titelillustration Bill Mayer
Manhattan Verlag, 2007, Hardcover, 382 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-442- 54619-0

Von Carsten Kuhr

Zum dritten Mal nach „Ein Hut voller Sterne“ und „Kleine, freie Männer“ richtet Pratchett sein Augenmerk auf Tiffany Weh.
Die mittlerweile dreizehnjährige Hexe hat ja schon so einiges erlebt. Sie hat den Sohn des Grafen aus der gnadenlosen Griff der Elfenkönigin gerettet, hat Flussungeheuer mit ihrer Bratpfanne vertrieben und war Zauberin der kleinen blauen Männer.

Mittlerweile hat Tiffany ihre Ausbildung zur Hexe ausgerechnet bei Frau Verrat begonnen. Statt aber, wie die dörfliche Gerüchteküche hartnäckig verlauten lässt, mit ihrem Hexenzirkel ohne Schlüpfer ums Hexenfeuer zu tanzen ist Saubermachen, das Versorgen der Kranken und Gebrechlichen, Streitigkeiten schlichten und wohl am Wichtigsten das Zuhören der Sorgen der Dorfbevölkerung angesagt. Als Frau Verrat sie eines Abends mit auf eine Lichtung nimmt, um zusammen mit ihr einen Moristanz zu beobachten, fangen ihre Füße wie von selbst an zu wippen. Bevor sie es sich versieht, hat sie sich in den Tanz eingereiht und erregt den Gefallen des Winterschmieds. Dieser, die urwüchsige Elementarkraft hinter dem Winter, macht ihr den Hof, und Tiffany selbst entwickelt gottähnliche Fähigkeiten. Wo sie geht und steht sprießt mitten im Dezember die Natur, ihr magisches Füllhorn produziert Körner und Hühner en gros. Doch die Aufmerksamkeit hat auch ihre Schattenseiten. Zunächst fallen Schneeflocken, die ihr Portrait (komplett mit spitzen Hut versteht sich) abbilden, später versenken Eisberge mit ihrem Antlitz Schiffe. Winter selbst macht ihr den Hof. Doch wie wird man einen ungebetenen, aber voll elementarer Kraft überquellenden Verehrer wieder los, zumal der Galan sich wirklich Mühe gibt. Er schafft sich aus Staub, Eisen und Wasser einen Körper, lernt das bewusste Denken, das Sprechen und wagt sich gar an kalte Menschenwürstchen. Doch die der Welt drohende Eiszeit und Roland, ihr Ritter von der nicht so traurigen Gestalt sorgen dafür, dass Tiffany mit beiden Beinen fest auf dem Kalkboden ihrer Heimat bleibt, und Winter die kalte Schulter zeigt. Jetzt gilt es nur noch Sommer aus den Tiefen der Unterwelt zu entführen - ein Klacks für die Größten und Roland, ihren Kämpen ...


Terry Pratchetts von Andreas Brandhorst immer wieder kongenial ins Deutsche übertragene Romane sind bekannt dafür, immer einen doppelten Boden zu haben. Vordergründig erwartet den Leser eine lustige Geschichte voller absonderlicher Figuren und Schauplätze. Versteckt hinter dieser Kulisse wartet der Autor dann immer wieder mit durchaus tiefsinnigen Gedanken und Überlegungen auf, die, so der Leser sich darauf einlässt zum mit- und nachdenken anregen.
Mittlerweile hat er bereits vier „Scheibenwelt“-Romane für jüngere Leser verfasst. Er bedient sich hier Motiven, die er aus gängigen Märchen entlehnt hat, wandelt diese geschickt und setzt sie in einen der Scheibenwelt angepassten Kontext.
Tiffany kommt in diesem Buch an eine Grenze. In der Metapher des Pferdeanhängers, den sie wegwerfen muss, kann man die Loslösung von der unbeschwerten Jugendzeit erkennen, das Akzeptieren, dass Verlust, dass Abschied nehmen zum Leben gehören, dass schwierige und schmerzhafte Trennungen oftmals notwenig sind, und uns reifer zurücklassen. Sie muss erst schmerzhaft lernen, dass man eben nicht immer alles richtig machen kann, dass man auch für seine Taten stehen muss, zweifelt oft an sich, nur um dann zu erkennen, dass sie aktiv werden muss, um sich und die Situation zu retten.

Neben Tiffany, die das Buch beherrscht entwickelt sich aber auch Roland weiter. Auch er muss sich ändern, muss mit Schwierigkeiten umgehen lernen, sich durchsetzen. Sein im Sterben liegender Vater, die zwei ihn lenken, ja beherrschen wollenden Tanten, die Tradition die ihn binden soll, alles Versuche ihn klein und abhängig zu halten. Zwar auf eine ganz andere Art als Tiffany emanzipiert auf Roland sich, sprengt die ihm gesetzten Grenzen und entwickelt eine eigene Persönlichkeit.
Der Winterschmied selbst hält allen jungen, unsicheren Burschen die das erste Mal einem Mädchen den Hof machen einen gnadenlosen Spiegel vor Augen. Das Imponiergehabe, das nur die Ratlosigkeit übertünchen soll, die zunächst plumpe Anmache, das Herumstolzieren das unwillkürlich an einen Gockel erinnert der sich aufplustert, wir alle kennen dies aus eigener Erfahrung.

„Der Winterschmied“ ist ein komplexes, ein lustiges, ein nachdenkliches und ein sehr spannendes Buch - gibt es für einen Roman ein größeres Kompliment?

hinzugefügt: March 14th 2007
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
zugehöriger Link: Manhattan Verlag
Hits: 1968
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