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Horror 49: Memento Mori, Markus Saxer (Buch)

Horror 49
Markus Saxer
Memento Mori
Hary Production, 2006, Heft/Paperback, 64 Seiten, 5,00 EUR

Von Michael Mittelbach

Zu den guten Ankündigungen der letzten Zeit der Horror-Reihe gehörte sicherlich die Storysammlung „Memento Mori“. Diese ist jetzt erschienen - einmal als Heft und weiterhin als Download. Als Leser oder vor allem Sucher von ungewöhnlichen (ungewöhnlich gut, ungewöhnlich schlecht usw.) Geschichten habe ich mich sofort an die Texte herangemacht.

Und wurde in ein Wechselbad der Gefühle getaucht. Zumindest subjektiv betrachtet. Ehrlicherweise konnte ich mich für den ersten Roman „Die Symmetrie des Bösen“ des Autors (im VirPriv-Verlag erschienen) nicht allzu sehr erwärmen. Trotz des durchaus ansprechenden Inhaltes, aber das metaphorisch-Erhellende darin hat mir einfach gefehlt, und ich habe das Buch daher eher etwas enttäuscht zur Seite gelegt. Vorweg gesagt - mit den Kurzgeschichten verhält es sich ähnlich, aber doch anders. Letzteres vor allem deswegen, weil ich Lichtblicke gefunden haben, die mich interessieren zwischen all der Dekadenz.

Kurze Texte, die Bildern gleichen, in denen nicht ständig nur das Thema des Todes auf vielfältige Art und Weise manifestiert wird. Obwohl es auch hier meistens (eigentlich immer) präsent ist. Seien es kurze Betrachtungen sakraler Orte bzw. einem Versinken darin, sei es im Traum oder im Wachsein (z.B. „Eine Statue sein“, „Marmorengel“, „Golgatha“), die an Kafka oder Georg Trakl erinnern lassen. „Marfas Schatten“ ist wie ein kurz aufleuchtendes helles Bild, eine klare Vision, die aber schnell wieder umschattet und verdunkelt wird. Hier zeigt der Autor aber sein Können, aus einfachen, banalen, fast langweiligen Details kurze Entwürfe zu erzeugen, die man nicht so ganz einfach wieder vergisst. Sie bleiben für eine Weile haften, unangenehm oder nicht. Jedenfalls hat der Autor damit erzeugt, was er will, nämlich Interesse im Leser.
Es finden sich auch schwarze sarkastische Entwürfe wie „Ein Fremder in der Badewanne“.

Insgesamt tischt Saxer 17 kurze Texte auf, die insgesamt sehr interessant erscheinen angesichts der Menge aus phantastisch Trivialem, und die allemal einen Leseblick lohnen. Ich musste während des Lesens an verschiedene andere denken, wie Dürrenmatt, Trakl, Kafka und ein wenig Poe. Was keine Vergleiche sein sollen, dafür sind die Texte - obwohl zuweilen etwas altmodisch erscheinend - aus der heutigen Zeit, zu kurz, um mehr zu zeigen, und zu weltlich, um wirklich phantastisch zu verstören. Was auch eher dahin führt, das ein eigentlich phantastischer Gehalt kaum vorhanden ist, dieser findet sich in metaphysischer wie auch gewöhnlicher weltlicher Bedeutung. Was bedeutungsschwangerer klingt, als es ist.

Die Texte sind kurz, zuweilen pointiert, und es finden sich alltägliche Anspielungen an Jugend, Jungsein, Altsein usw. Das Mystische kehrt erst zum Schluss ein. Wenn der Leser nach ca. 65 Seiten das schmale Bändlein wieder zuschlägt.

Insgesamt durchaus empfehlenswert.

hinzugefügt: October 31st 2006
Tester: Michael Mittelbach
Punkte:
zugehöriger Link: Hary Production
Hits: 1696
Sprache: english

  

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