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Nuyen, Jenny-Mai, Nijura – Das Erbe der Elfenkrone (Buch)

Jenny-Mai Nuyen
Nijura – Das Erbe der Elfenkrone
Titelgestaltung von Hauptmann & Kompanie Werbeagentur unter Verwendung eines Gemäldes von Weber, Karte von Jenny-Mai Nuyen
cbj, 2006, Hardcover, 512 Seiten, 16,95 EUR, ISBN3-570-13058-4 bzw. 978-3-570-13058-2

Von Irene Salzmann

Die Veröffentlichung von Büchern jungendlicher Autoren ist modern geworden, seit Christopher Paolini mit „Eragon“ ein Überraschungserfolg gelang. Seither sind die Verlage auch - und vor allem - in der Fantasy auf diese Gruppe der schreibenden Zunft aufmerksam geworden. Zusätzlich zu der altersgemäßen Geschichte bieten die Verfasser derselben auch noch eine Identifikationsmöglichkeit. Sie haben etwas geschafft, von dem in diesem Alter nur viele träumen können, und sie schreiben so, wie man es gerne mag.
Vielleicht gilt dies auch für Jenny Mai-Nuyen. Sie war 16 Jahre alt, als sie „Nijura“ schrieb und an verschiedene Verlage sandte. Die 1988 geborene Tochter deutsch-vietnamesischer Eltern studiert heute Filmwissenschaften an der New York University.


Bisher lebten Menschen und Elfen mehr oder weniger friedlich nebeneinander her. Die beiden Völker gingen sich meistens aus dem Weg und behüteten ihren Lebensraum argwöhnisch, wenn auch nicht feindselig. Einzelne Besucher waren geduldet, sowohl in den Dörfern der Elfen, in den Wäldern und Mooren, als auch in den Städten und Siedlungen der Menschen.
Das alles verändert sich, als ein Mensch als Gast in das Dorf der Moorelfen kommt und Elrysiar, die Krone des Elfenkönigs, mit Gewalt und List an sich bringt. Auch wenn er nicht von ihrem Volk ist, sind die Elfen von nun an verpflichtet, ihm zu gehorchen, und das nutzt er grausam aus. Jeder, der sich gegen ihn stellt, wird hingerichtet, und seine grauen Krieger überziehen das Land mit Grausamkeit und Gewalt. Tief in den Wäldern lässt er sich einen Turm errichten, der eines Königs würdig ist, und plant die Menschen und Elfen zu unterwerfen.
Während einzig die freien Elfen, die sich nie Elrysiar verpflichtet haben, gegen die Gefahr kämpfen, ahnen die Menschen noch nichts von dem Verhängnis. In Kesselstadt geht das Leben seinen gewohnten Gang, nur in der Unterwelt gelingt es mutigen Straßenkindern unter der Führung von Scapa und Arane, den König der Diebe zu stürzen und selber die Leitung der Unterwelt zu übernehmen. Doch ihr Glück währt nicht lange, denn graue Krieger fallen in die Stadt ein, und Arane verschwindet. Scapa bleibt, mit dem Schicksal hadernd, zurück.
Derweil wächst in einem Menschendorf die junge Nill heran. Sie ist eine Ausgestoßene, ein Bastard, denn ihre Mutter war eine Elfe, ihr Vater ein Mensch, und hat bisher eine mehr oder minder bittere Kindheit mit einer lieblosen Pflegemutter hinter sich gebracht. Alles verändert sich jedoch, als das Mädchen im Wald ein Messer aus Stein findet.
Die Priesterin Celdwyn erkennt sofort, was Nill dort gefunden hat: Das Artefakt ist Elyor, die in eine Klinge verwandelte Krone der Freien Elfen. Nur mit dem Messer kann man den Träger von Elrysiar töten, dessen Absichten inzwischen auch den Menschen immer deutlicher vor Augen geführt werden. Celdwyn sorgt dafür, dass Nill aufbricht, um dem König der Moorelfen die Kinge zu überbringen, denn vielleicht kann man sich ja mit ihm gut stellen.
Nill bricht auf und stößt weiter in die Wälder vor als je zuvor. Als sie in Gefahr gerät, retten sie der Elfenprinz Kaveh und seine Gefährten und beschießen, das Mädchen weiter zu begleiten, das langsam erkennt, was sie eigentlich tun soll. Auf der Reise zum Turm, in dem der Träger Elrysiars nun wohnt, schließen sich ihnen auch noch der Dieb Scapa und dessen Freund Fesco an. Diese haben ganz besondere Pläne mit dem menschlichen Elfenkönig.
Doch niemand von ihnen ist wirklich auf das vorbereitet, was sie am Ziel erwartet...


Junge Autoren neigen dazu, die Lektüre, die sie vorher geradezu verschlungen haben, in eigene Geschichten umzusetzen, sich das heraus zu picken, was ihnen gefällt und zu einer mehr oder minder eigenen Geschichte zusammen zu setzen.
Dabei stehen bei ihnen die Handlung und das Setting im Vordergrund. Je abenteuerlicher und bunter, desto besser. Alles geschieht so, wie man es gewohnt ist, und wenn sich etwas nicht richtig fügen will, dann wird mit dem Zufall, Göttermächten oder Schicksal nachgeholfen, nicht mit der Logik.
Die Charaktere entsprechen zumeist den Archetypen, die sie kennen gelernt haben: Diebe sind skrupellos, Elfen sind naturverbundene, den Menschen im Kampf und in der Magie überlegene Wesen, Menschen zumeist ein wenig polternd, Helden wie Bösewichte tun einfach, was man von ihnen erwartet.
Die Figuren entwickeln sich so gut wie nicht – auch wenn sie viel durchmachen. Und wenn der Versuch gestartet wird, Handlungsweisen und Beweggründe zu erklären, so wirkt das meist sehr oberflächlich, oft auch noch aufgesetzt für den erfahrenen Leser.

Auch Jenny-Mai Nuyen macht da keine große Ausnahme. Sie verzichtet jedoch weitestgehend darauf, all zu niedlich und menschelnd zu werden. Statt dessen wird lieber einmal zu viel die Waffe gezückt und jemand erledigt, der im Weg steht. Die Helden haben es in der sehr geradlinigen, und nur einmal überraschenden Handlung, nicht so schwer an ihr Ziel zu kommen, mehr als einmal wird die Logik entsprechend hingebogen.
Die Charaktere bleiben sehr oberflächlich. Selbst Nill und Scapa, auf die sich die Handlung konzentriert entwickeln sich nicht weiter, andere Figuren wie der Elfenprinz Kaveh sind auf wenige Wesenszüge wie Wagemut und ritterliche Hilfsbereitschaft reduziert.

Das heißt nicht, dass „Nijura – Das Erbe der Elfenkrone“ ein schlechter Roman ist. Wenn man nicht gerade schon sehr viel Fantasy gelesen hat und mit den Handlungselementen und Archetypen mehr als vertraut ist, wird man relativ spannend unterhalten. Gerade weil die Autorin nicht den Fehler macht, in kitschige Niedlichkeit zu verfallen, bleibt das Setting angenehm realistisch, und die Geschichte ist weder zu sehr ausgewalzt, noch zu knapp erzählt. Es passiert eine Menge, es gibt keine Brüche in der Erzählung, und zumindest einmal bekommt sie eine Wendung, mit der man nicht unbedingt so gerechnet hat.

Damit erfüllt das Buch alles, was man von ihm erwartet und ist vor allem für jüngere Leser auch durch die hübsche Aufmachung eine ansprechende Lektüre.

hinzugefügt: September 23rd 2006
Tester: Irene Salzmann
Punkte:
zugehöriger Link: cbj Verlag
Hits: 3128
Sprache: german

  

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