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Biermeyer, Thomas: Der Namenlose Wächter (Buch)

Thomas Biermeyer
Der Namenlose Wächter
Illustrationen: D. Wikart, C. Jaszczuk, P. Rudolf und H. Göbber
Arrival Verlag, 2006, 312 Seiten, 13,90 EUR, ISBN 3-936997-65-X

Von Carsten Kuhr

Charlie, 20 Jahre jung, hat Probleme. Seine Mutter hat ihn verlassen, sein Vater ist Alkoholiker, der wiederholt versucht hat, sich das Leben zu nehmen. So versinkt der Träumer mit dem Faible für Fantasy-Geschichten mehr und mehr in Trübsal. Als er eines Tages wieder einmal zu seinem Lieblingsplatz, einem Weiher tief im Wald aufbricht, überschreitet er unmerklich eine Grenze. Er stößt auf drei getötete Soldaten mit einer High-Tech-Ausrüstung, die seinesgleichen sucht. Es gelingt ihm, deren Panzer in Gang zu setzen, und damit den Wald zu verlassen. Nach mehreren Tagen erreicht er eine äußerlich heruntergekommene Burg in den Bergen. Im Inneren findet er zum ersten Mal in seinem Leben eine Heimat. In der mittelalterlichen Bruderschaft begegnet er Menschen, die ihn so akzeptieren wie er ist, die ihn in ihre Mitte aufnehmen und ihn ausbilden. Zunächst lernt er ihre Sprache, dann meistert er das Ly ´um, eine Geisteskraft mit der die Adepten scheinbar magische Dinge verrichten können. Doch nur zu bald wird das Idyll gestört. Um etwas zur Gemeinschaft beizutragen lässt sich Charlie zum Assassinen ausbilden. Das Ly ´um ermöglicht es ihm nicht nur, sich Flügel wachsen zu lassen und sich in die Lüfte zu erheben, er vermag auch in die Dimension der Schatten einzutreten und mit seinen Schattenarmen zu töten. Dann wird die Bruderschaft überfallen. Gestaltlose Schatten suchen sie, wie auch die anderen Bewohner Chomahs heim, ermorden die meisten Menschen im Schlaf. Die wenigen Überlebenden finden, wenn auch oft widerwillig zusammen und bilden eine brüchige Allianz gegen die Bedrohung. Charlie, der als Namenloser Wächter bekannt ist, macht sich auf, weitere Mitstreiter im Kampf gegen die Bedrohung zu rekrutieren. Seine Wege führen ihn ins ewige Eis zu der Armee aus Stein ebenso wie in den schwül-heißen Urwald und zu den Drachenkämpfern der Feurigen Horde. Dabei macht sich unser Held nicht immer nur Freunde. Verrat droht, eine unglückliche Liebe wartet auf ihn und im Kampf wird er zum Berserker. Doch immer wieder auch blitzen im Kampf Erinnerungen an sein alten Leben auf – was ist Realität was Traum, und wie hängt beides miteinander zusammen?


Ein neuer Autor stellt sich vor. Thomas Biermeyer legt einen Roman vor, der sich zunächst nicht von den unzähligen Fantasy-Epen heutiger Zeit zu unterscheiden scheint.
Ein geschundener Mann unserer Erde wird in eine andere mittelalterliche Welt versetzt, und übernimmt dort die Rolle des Retters vor einem drohenden Übel.

Fluchtliteratur, so nennt man dies wohl treffend. Dabei ist aber anzumerken, dass es sich der Autor nicht ganz so einfach macht, wie es sich anhört.
Er entwirft durchaus eigenständige Völker mit differenzierten Wesenszügen, präsentiert uns mit seinem Protagonisten das Bild einer zerrissenen Persönlichkeit, die eben gerade einmal nicht so stromlinienförmig angelegt ist. Ist er schizophren, bildet sich alles nur ein, oder erlebt er sein Abenteuer wirklich, das ist eine Frage, die der Autor glücklicherweise offen lässt. Stattdessen setzt er auf eine teilweise rasante Mischung aus packenden, manchmal fast schon überlastend wirkenden Kampfschilderungen und eine vom Motiv her lange rätselhafte Bedrohung der Völker Chomahs.

Leider bleibt er insbesondere bei der Darstellung der unterschiedlichen Völker, die sein Wächter um Unterstützung aufsucht noch zu ungenau. Hier wird so manches angedeutet, das es verdient hätte, etwas breiter vorgestellt zu werden. Auch die Welt selbst bleibt weitestgehend dem Üblichen verhaftet. Bei einem vorgegebenen Umfang von rund 300 sehr klein gesetzten Seiten - die wohl mit abenteuerlichen Erlebnissen gefüllt wurden- hätte ich mir hier ein wenig differenzierteres Bild gewünscht.

Gut gefallen hat mir, dass Biermeyer seine Magie, das Ly´um nicht krampfhaft zu erklären sucht, sondern einfach als gegeben hinstellt, als ein Werkzeug, das sowohl die Bruderschaft als auch die Schatten nutzen.

Die äußere Aufmachung, insbesondere die teilweise tollen, zum Inhalt extra angefertigten Illustrationen, ein sauberer, allerdings optikerfreundlich kleiner Druck und stabile Verarbeitung des Paperbacks, das mir vom Format her ein wenig zu tief geraten ist lassen keine Kritik aufkommen. Gelegentliche Satzfehler sind sicherlich zu verzeihen.

Insgesamt las sich das Buch flüssig und ohne große Brüche in einem Rutsch durch, obwohl so manches Mal zu saloppe Redewendungen die nicht ganz passend waren Eingang in den Text fanden. Dennoch zeigt das Buch uns einen Autor, der Potential hat, der zu erzählen und dabei zu unterhalten weiß, ohne allzu sehr in Klischees abzurutschen.

hinzugefügt: September 8th 2006
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
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Hits: 2436
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