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Kegel, Bernhard: Der Rote (Buch)

Bernhard Kegel
Der Rote
marebuchverlag, 2007, Hardcover, 542 Seiten, 22,90 EUR, ISBN 978-3-86648-067-4

Von Carsten Kuhr

Kaikoura, Neuseeland. Hierher, an einem der nördlichsten Zipfel des dauerhaft besiedelten Landes, kommen Touristen aus allen Herren Länder um sich an einem einmaligen Naturschauspiel zu erfreuen. Die örtliche Fremdenverkehrsindustrie bietet in Abstimmung mit den Wissenschaftlern Walbeobachtungstouren an. Auf kleinen, unsinkbaren Katamaranen geht es hinaus aufs Meer, um die größten Säugetiere unseres Planeten in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

Hermann Pauli hat soeben sein Forschungssemester in Australien abgeschlossen. Als dozierender Professor für Kalamare an der Uni Kiel hat der Mittfünfziger nach dem Krebstod seiner Frau fast seinen Lebenswillen verloren. Dennoch will er sich den faszinierenden Anblick der Artgenossen Moby Dicks nicht entgehen lassen. Auf See aber erwartet ihn, wie die ganze Region, ein Seebeben. Ein Tsunami überrollt die Küste, zerstört nicht nur die Bauwerke der Menschen, sondern auch das Leben auf und unter See.

Als Pauli zu seinem an einer Küstenbucht gelegenen verwüsteten Zeltplatz zurückkehrt, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen. Am Stand häufen sich Kalamare und anderes Tiefseeleben, darunter viele unbekannte Arten. Fieberhaft versucht er mit primitivsten Mitteln, den Artenreichtum zu klassifizieren und die Überbleibsel zu konservieren.

Die Tragödie trifft neben der Touristenindustrie auch die Wissenschaftler des Walinstituts schwer. Ihre Schutzbefohlenen verlassen ihre angestammte Region, da das Seebeben ihre Futtertröge geleert hat.
Barbara MacPherson die an ihrer Doktorarbeit über Pottwale arbeitet, steht plötzlich ohne Forschungsobjekt da. Dann aber taucht aus den Tiefen des Meeres ein Riesenkalmar, der Rote, auf. Vor den Augen der Katastrophentouristen und der Presse erbeutet dieser mit seinen gigantischen Fangarmen einen jungen Delphin. Kurz danach wird ein Taucher vermisst. Der Schuldige ist für den Bürgermeister und die Presse schnell gefunden - der Rote soll weg, möglichst schnell und medienwirksam, komme was wolle. Einzig Pauli und MacPherson wollen den Roten in Freiheit studieren, versuchen, das Tier zu retten. Doch wird ihnen dies angesichts der geschlossenen Front ihrer Gegner gelingen?


Was auf den ersten Blick ein wenig wie ein Roman aussieht, der sich an dem Erfolgsrezept von Schätzings „Der Schwarm“ orientiert, das entpuppt sich im Verlauf der Handlung immer mehr als flammendes Fanal für die bedrohte Meeresfauna.

Bernhard Kegel hat einen spannenden, stellenweise ergreifenden Wissenschaftsthriller geschrieben, der nicht nur portraitiert, wie die Forscher mit ihren kargen Budgets ihrer schwierigen oftmals gefährlichen Arbeit nachgehen, sondern auch, was diese antreibt. Es geht um persönliche Profilierung, darum, der Erste zu sein, der eine neue Erkenntnis publiziert, aber auch um die Faszination des Fremdartigen, des Neuen, der Liebe zur Natur in all ihren Ausprägungen und Schöpfungen. Dabei spricht er deutlich an, dass die boomende Gentechnologie mit ihren Start-Up-Unternehmen immer mehr Wissenschaftler bindet, dass Forscher die ganzheitlich untersuchen und werten, die Zusammenhänge suchen und sehen, immer weniger werden. Alles ordnet sich dem Kommerz unter, wahre Forschung um ihrer selbst willen, um das Verständnis für die Natur voranzubringen, ist sehr selten geworden.

Es geht aber auch darum, aufzuzeigen, mit welcher Ignoranz der Mensch die scheinbar unerschöpflichen Ressourcen der Natur angreift, wie er in natürliche, äonenalte Kreisläufe eingreift und damit Veränderungen initiiert, deren Auswirkung nicht absehbar sind. Dabei lässt er aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse in seinen Text einfließen, ohne die Unterhaltung darüber zu vergessen. In einer auch für Laien verständlichen Sprache bereitet er die sonst so trockenen Daten auf, unterfüttert mit diesen seine jederzeit spannende und überraschende Handlung. Anders als Schätzing erliegt er nicht der Versuchung, den Boden der verifizierbaren Tatsachen zu verlassen, sondern legt einen Thriller vor, der nicht nur spannend unterhält, sondern der etwas beschreibt, was genau so durchaus vorstellbar wäre.

hinzugefügt: April 1st 2008
Tester: Carsten Kuhr
Punkte:
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