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Kobler, Kurt & Kutzner, Joe & Schmid, Andy (Hrsg.): Ein Freund der Menschheit – Abschied von Walter Ernsting (Buch)

Kurt Kobler‚ Joe Kutzner & Andy Schmid/TCE (Hrsg.)
Ein Freund der Menschheit – Abschied von Walter Ernsting, Pionier der deutschen Science Fiction
Umschlaggestaltung von Christiane Lieke
Terranischer Club EdeN, 2005, Paperback, 180 Seiten, 8,00 EUR

Von Irene Salzmann

Wer deutsche SF liest, stolpert früher oder später über den Namen Walter Ernsting bzw. Clark Darlton. Der Autor wurde 1920 in Koblenz geboren und starb 2005 in Salzburg nach langer, schwerer Krankheit. Zum Gedenken an einen Mann, der nicht nur viele spannende und humorvolle Romane schrieb, sondern auch ein Visionär, geliebter Freund und Kollege war, der sich stets Zeit für seine Fans nahm und das deutsche Fandom förderte, hat der TCE einen Sonderband veröffentlicht, an dem viele Personen, die Walter Ernsting kannten, mitgewirkt haben.

Eine kurze Biografie schildert, wie Walter Ernsting als Jugendlicher und junger Mann die tragischen Folgen des Nazi-Regimes ertragen musste und nach dem Krieg in russische Gefangenschaft geriet. Als er 1950 in die Heimat zurückkehrte, arbeitete er als Dolmetscher für die britischen Besatzer. Ab 1955 übersetzte er für den Erich Pabel-Verlag in Rastatt englische und amerikanische SF für die Utopia-Reihe. In diese Zeit fällt auch die Gründung des SFCD e. V. Seinen ersten Roman konnte Walter Ernsting erst veröffentlichen, nachdem er sich das Pseudonym Clark Darlton zulegte und das Manuskript dem Verlag als Übersetzung aus dem Amerikanischen unterschob. „UFO am Nachthimmel“ wurde mit einem Preis ausgezeichnet und ebnete damit den Weg für die bisher unterschätzten deutschen Autoren. Walter Ernsting schrieb zahlreiche utopische Romane und Kinderbücher, doch sein größter Erfolg dürfte „Perry Rhodan“ gewesen sein. Über 2300 Hefte sind seit 1961 erschienen; er selbst steuerte mehr als 200 Heftromane und Taschenbücher bei, bevor er sich aus gesundheitlichen Gründen in den 90er Jahren als aktiver Autor zurückzog.
Freunde und Kollegen von Walter Ernsting erinnern sich an unvergessliche Begebenheiten mit ihm. Auch er selbst kommt in Interviews, in Zitaten, in Auszügen aus Briefen und seinen Werken zu Wort. Sogar seine populärste Schöpfung, der Mausbiber Gucky, schwelgt in Erinnerungen und nimmt Abschied von seinem geistigen Vater. Abgerundet wird durch Rezensionen zu einigen Büchern Walter Ernstings, den nicht ganz so bekannten (Jugend-) Romanen.
Doch auch ein kritischer Artikel fand Eingang in diesen Band, denn die Herausgeber bemühten sich, ein möglichst komplexes Bild von Walter Ernsting zu zeichnen. Dazu gehört, den Einfluss aufzuzeigen, den die Ideologie von Nazi-Deutschland und später die der Besatzer auf das Gedankengut der Autoren der damaligen Zeit hatte. Obwohl sich durchaus einige fragwürdige Stellen in manchen Romanen finden, so möchte man sich lieber an die positiven Visionen erinnern, die ebenfalls und in weit größerem Maß Eingang fanden, darunter der Wunsch nach einer geeinten, toleranten Menschheit, die Probleme wie Krieg, Hunger und Krankheit besiegt hat.
Aufgelockert werden die Texte durch eine Vielzahl Fotos und Grafiken, u. a. von Klaus Schimanski, Christiane Lieke und Reinhard Habeck. Als schönes Extra liegt ein farbiges Poster von Gucky bei.

Der Anlass ist ein trauriger – wäre es nicht viel schöner, beliebte Autoren zu Lebzeiten durch einen solchen Band zu ehren? Als Antwort kommt sicher ein ‚Ja’, nur macht man sich selten Gedanken darüber, denn man hat noch so viel Zeit..., und das Ende kommt stets schneller und unerwartet. Der Nachruf erleichtert es den Menschen, mit ihrer Trauer umzugehen. Für die Freunde und Fans von Walter Ernsting ist der liebevoll zusammengestellte Sonderband des TCE eine Erinnerung, die das Leben und Schaffen des Autors seriös und dem Anlass angemessen würdigt.

hinzugefügt: February 27th 2007
Tester: Irene Salzmann
Punkte:
zugehöriger Link: Terranischer Club EdeN
Hits: 2787
Sprache: german

  

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