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Pürner, Stefan: Geklont (Buch)

Stefan Pürner
Geklont
Celero Verlag, 2006, Taschenbuch, 156 Seiten, 8,90 EUR, ISBN 3-9808998-2-9

Von Helmuth W. Mommers

Dieser Klein(?)verlag, bisher im Verbund mit den Verlagen Constans und Reichel auf Sachbücher über Tiere, Umwelt, etc. spezialisiert, dokumentiert unter der Ägide von Marco Reichel seine Liebe zur SF durch die Herausgabe von bisher 5 Büchern, darunter erstmals eine Kurzgeschichtensammlung.

Wie der Titel sagt, dreht sich hier, zumindest bei den ersten 8 Erzählungen, alles um das Thema „Klonen“, das verspricht einiges, nämlich eine facettenreiche Auseinandersetzung mit einem Problem, das, wie der Autor untertitelt, „Sie früher oder später erleben werden“.

Über das Klonen ist schon viel geschrieben worden, der geneigte Leser erwartet sicher nichts aufregend Neues, sondern eher Tiefgründiges, Nuancenreiches, zumindest genüsslich Unterhaltsames. Kommt er hier auf seine Kosten?

Die Themenwahl ist soweit interessant bis viel versprechend: Was, wenn Jesus Christus als Klon auferstünde? Wenn es die geliebte Frau gleich mehrfach gäbe? Wenn jemand erführe, nur ein Abklatsch eines anderen zu sein? Wenn das Gericht einen von vielen Klonen der Tat zu überführen hätte? Wenn eine Rocksängerin geklont wiederauferstünde? Wenn ein Klon sein Erbrecht geltend machte? Wenn ein Klon-Embryo zur Streitsache würde?

Wie steht es mit der Ausführung? - Eher düster, wo man sich am meisten verspricht, z.B. bei der Jesus-Geschichte. Sie ist oberflächlich und fragmentarisch abgehandelt, ihr Potenzial wurde verspielt. Dazu ist sie – symptomatisch für die meisten Erzählungen - stilistisch zumeist simpel, ziemlich farblos, manchmal aber so holprig, dass es nervt. Wortwiederholungen innerhalb eines Satzes und die Angewohnheit des Autors, Gedanken ein paar Zeilen weiter wiederzukäuen.
--- Außerdem meinen selbst die meisten von denen, die meinen, man könnte die Frage so angehen, dass er dann dennoch als Unionsbürger anzusehen wäre. „Es wäre wohl nicht das erste Mal, dass das Interesse unserer Institution – so wie es von der Inquisition verstanden wird – das Interesse überwiegen würde, herauszufinden, ob jemand Unbequemes oder Merkwürdiges tatsächlich von IHM gesandt wurde.“---

Runder ist die Sache, sobald der Autor, von Beruf Rechtsanwalt, in seiner Story „Plädoyer“ eben ein solches hält.

---Was man aber auch darauf zurückführen kann, dass der Täter inzwischen gemerkt hat, was wir zwischenzeitlich alles als Beweis auswerten können. Und dementsprechend die entsprechenden Spuren nicht mehr hinterlässt.---

Dito bei „Freitagnachmittag...“, beides eigentliche Ex- und Diskurse ins Rechtssystem, was seines Reizes nicht entbehrt – interessant zwar, auch unterhaltsam, aber nichts besonderes.

---Die Staatsanwaltschaft hat wohl auch damit Recht, dass man es durchaus so sehen kann, dass es eigentlich schwer einsehbar ist, warum es hierfür keine härtere Strafe gibt.---

Und schließlich „Der Vergleich“, wieder ein Gerichtsfall, in welchem der Autor sowohl stilistisch souverän als auch inhaltlich und atmosphärisch authentisch wirkt, kein großer Wurf, aber eine durchaus gelungene Erzählung, wie überhaupt die Behandlung juristischer Probleme rund um das Klonen die eigentliche Bereicherung des Themas darstellt.

Nur kurz und schlaglichtartig blitzt erzählerisches Talent auf, nämlich auf den letzten 2 Seiten einer ansonsten trockenen, nur Eingeweihten der Rockmusik und –szene (zu denen der Autor sich zählt) zugänglichen Story, „Pearl Babe“. Eine weitere rund um die Musikszene aufgebaute Geschichte ist „Die Santana-Festplatte“, in welcher der digitale „Klon“ eines weltberühmten Musikers zum weiteren Komponieren angehalten werden soll.

---Er griff zum Telefon und gab seiner Sekretärin die Aufgabe, die anstehenden Aufgaben, die notwendig waren, ihn so bald als möglich nach Europa zu bringen, auf andere zu verteilen.---

Genug des grausamen Spiels. Es ist einfach ärgerlich und wird leider nicht durch tolle Einfälle aufgewogen. Das Lektorat hat hier eindeutig versagt: Es hätte zwar den Stil des Autors nicht umkrempeln, aber doch wenigsten ausmisten können.

„Der Baum des gewesenen Lebens“ dagegen ist eine von vier Erzählungen zum Schluss des Bandes, die das Hauptthema um Gentechnik und Transplantation erweitert und sowohl sprachlich wie atmosphärisch heraus sticht. Dazu gesellt sich eine überraschende Auflösung. Sehr hübsch.


Dieser Kurzgeschichtenband ist ein weiteres schlagendes Beispiel dafür, dass auch dieser Autor – ähnlich wie in letzter Zeit Sven Svenson, Rainer Innreiter und Iris Bergmann – gut daran getan hätte, die Erzählungen erst dem Filter eines kritischeren Herausgebers von SF-Magazinen oder –Anthologien zu überantworten, statt zu meinen, sie müssten gleich in einem eigenen Buch, einem Sammelband gewürdigt werden. Besser wären einige in der Schublade geblieben. Und andere wohlfeiler ausgefallen.

hinzugefügt: November 9th 2006
Tester: Helmuth W. Mommers
Punkte:
zugehöriger Link: Celero Verlag
Hits: 2560
Sprache: german

  

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