Im Gespräch mit: Werner Fuchs
Datum: Thursday, 14.January. @ 23:46:03 CET
Thema: Interview


Werner Fuchs ist eine bekannte Größe im deutschen Verlagsgeschäft. Vor Jahren betreute er für Knaur die dortige SF- und Fantasy-Reihe, in der herausragende Werke von Autoren wie Zimmer-Bradley, David Eddings oder George R. R. Martin erschienen. Als einer der ersten propagierte er Fantasy-Rollenspiele in Deutschland, initiierte zusammen mit Hans-Joachim Alpers und Ulrich Kiesow das erfolgreichste deutsche Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ (DSA) und startete einen Vertrieb, der zu den größten Anbietern auf dem Markt gehört. Nach der Umstrukturierung von FanPro erscheinen zwischenzeitlich mehr Bücher denn je im kleinen, umtriebigen Verlag. Neben der Fortführung der Reihen um „Das Schwarze Auge“, „BattleTech“ und „Shadowrun“ erschloss man sich insbesondere mit den Taschenbüchern zu Atlan neue Märkte. Unser Mitarbeiter Carsten Kuhr sprach mit dem Verlagsinhaber.


Hallo Werner. Ihr, Du und der Verlag, den Du zusammen mit Hajo Alpers und Ulrich Kiesow aufgebaut habt, feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. 25 Jahre „Das Schwarze Auge“, das heißt auch 25 Jahre Arbeit, Kampf mit Abgabeterminen, die Suche nach Talenten. nach neuen Autoren, nach anderen Vermarktungskonzepten. Rückblickend: war es das Wert, machst Du Deinen Job noch gerne?

Erstmal eine winzige Berichtigung. FanPro hatte bereits 2008 Geburtstag, ist also ein Jahr älter als DSA. Wir gründeten den Verlag im Sommer 1983, d. h. Hajo Alpers und ich. Uli Kiesow, mein Partner beim Fantastic Shop, kam erst 1988 zu FanPro, nachdem wir die beiden Firmen zusammengelegt hatten.
Wie in jedem anderen Beruf hat man auch als Verleger Höhen und Tiefen zu bewältigen, aber schließlich habe ich mir meinen Job selbst ausgesucht. Wert war es das allemal, und es macht auch immer noch großen Spaß. Allerdings bin ich trotz DSA kein Multimillionär geworden - was manche Leute gar nicht glauben können.

Über die Jahre habt ihr viele neue Autoren aufgebaut. So manche, ich denke hier an Markus Heitz, Bernhard Hennen, Thomas Finn oder Karl-Heinz Witzko, sind zwischenzeitlich zu veritablen Bestsellerautoren arriviert. Ist das auch eine Genugtuung für Dich, diese Talente gefördert zu haben?

Ja, die genannten Autoren haben am Anfang ihrer Karriere alle für DSA geschrieben und Markus Heitz für „Shadowrun“. Eine Genugtuung - ein bisschen vielleicht. Wir haben mit FanPro, aber auch mit den Serien bei Heyne, eine Plattform für neue deutsche Autoren zur Verfügung gestellt. Beide Seiten haben profitiert, und ein nicht unerheblicher Prozentsatz der von uns „ausgehobenen“ Autoren sind dann in anderen Verlagen zu kleineren oder größeren Stars geworden. Dass dies nicht bei uns passierte ist bedauerlich, liegt aber in der Natur der Sache. FanPro ist zu sehr Nischenverlag um ganz große Hits zu landen.

Vor gut einem Jahr wurde dann der Fantastic Shop geschlossen, Rechte, insbesondere im Rollenspielbereich, zum Teil verkauft. Lange war es zumindest in Fankreisen nicht klar, ob und wenn ja, wie es weitergehen würde. Wie kam es zu der, soweit ich das weiß, auch nicht ganz freiwilligen Zäsur?

FanPros Probleme seit Mitte der Neunziger Jahre lagen einerseits in der Firmenstruktur und andererseits in der Zusammenarbeit mit seinen amerikanischen Partnern. Wir waren nicht nur Verlag sondern auch Spiele-Importeur und -distributor. 1995 arbeiteten mehr als 50 Leute bei FanPro. „Magic - The Gathering“ war damals der große Umsatzbringer, dieses Sammelkartenspiel blies aber auch die Firma in punkto Angestellte auf. Und dann gab es die Kehrseite der Medaille: „Magic“ zog so viel Geld aus dem Markt, dass es praktisch 80% aller anderen Produkte verdrängte. Die Spieleläden investierten fast nur noch in „Magic“, um das schnelle Geld zu machen-- Rollenspielprodukte führten fortan ein tristes Dasein in ihren Regalen.
Hätten wir 1997 nicht „Das Schwarze Auge“ von Schmidt Spiel + Freizeit übernehmen können, hätte es für uns noch viel früher mau ausgesehen. Vor „Magic“ hatte FanPro 15.000 Produkte im Angebot, nachdem wie den Vertrieb daran verloren, waren es vielleicht noch 1.500. Jetzt waren wir in erster Linie Verlag, hatten das erfolgreichste Rollenspiel im Land, aber eine viel zu große Belegschaft. Die mussten wir sukzessive abbauen und - da dies in Deutschland bekanntlich nicht von heute auf morgen geht - uns nach neuen Vertriebsmöglichkeiten umsehen. Die Click-Produkte unseres US-Partners WizKids kamen in der ersten Hälfte dieser Dekade gerade recht. Das Geschäft lief einige Jahre ganz gut, aber nach dem Verkauf von WizKids an Topps brach es ein.
2006 hatten wir zwar „nur“ noch ein Dutzend Leute, aber auch „nur“ noch DSA. „Shadowun“ war nach der 4. Edition defizitär geworden, „BattleTech“ hatte außer bei den Romanen noch nie Geld gebracht.
Um DSA zu retten, verkauften wir 2007 die Produktionsrechte an Ulisses - Hajo und mir gehört nach wie vor die Marke, und inhaltlich liegen die Rechte bei uns beiden und den Erben von Uli Kiesow. Dass 2008 der F-Shop ebenfalls an Ulisses ging, war nur eine logische Folge. Wer DSA produziert - und das ist verdammt teuer - muss damit einen erheblichen Anteil Direktverkäufe fahren, sonst rentiert es sich kaum.

Hieß es damals Quo Vadis, FanPro, so könnte man nun von einem Phönix aus der Asche sprechen. Nie zuvor sind in solcher Regelmäßigkeit und in diesem Ausmaß Bücher erschienen. Woran liegt es, dass nach der Neuausrichtung und Restrukturierung der Wagen wieder rund läuft?

Nun, als Ausweg aus obigem Dilemma beschlossen wir, FanPro als Buchverlag weiterzuführen. Wir konzentrieren und auf Taschenbuchserien, haben aber auch Paperbacks und Hardcover im Programm. Wenn man auch nur den kleinsten Erfolg haben will, muss man die Bücher mit einer gewissen Regelmäßigkeit herausbringen.

Das Programm ruht auf drei tragenden und einer liebhabermäßigen Säule. Zu den Romanen um „Das Schwarze Auge“ und „Shadowrun“ gesellten sich, zunächst für etwas ältere Fans, die einen Werner Fuchs aus „SF-Times“-Zeiten kannten, gewöhnungsbedürftig „Atlan“-Bücher.
Fangen wir vorne an. DSA ist ursprünglich ein Rollenspiel, das Hajo Alpers, Ulrich Kiesow und Du konzipiert, entwickelt und dann vermarktet habt. Schon kurz danach wurden neben den Regelwerken auch Romane aufgelegt. Mittlerweile sind so weit über einhundert spannende Abenteuer aus Aventurien erschienen, die sich eines regen Zuspruchs von Seiten der Leserschaft erfreuen. Ich nehme jetzt einmal an, dass ihr die Edition fortsetzen werdet. Wieviele Bände sind im Jahr geplant, inwieweit gebt ihr den Autoren hier Vorgaben an die Hand, was Inhalt oder Umfang anbetrifft?


DSA ist unsere eigene Marke und damit für FanPro natürlich enorm wichtig. Momentan haben wir mindesten einen Titel fest pro Monat. Mit mindestens meine ich, es können auch mehr sein - ab März 2010 publizieren wir wieder 5 Novellen, die auf den monatlichen Titel draufkommen. Wir planen vom Verlag konzipierte DSA-Subserien, und so könnten wir Ende 2010 stabile 2 DSA-Titel pro Monat haben. Die Inhalte der Romane werden mit den Autoren abgesprochen, der Verlag lässt ihnen plotmäßig aber relativ freie Hand. Ein DSA-Fachlektorat kommt vor dem eigentlichen Lektorat, damit es keine Ungereimtheiten im „Universum“ gibt. Auch beim Umfang redet der Verlag ein Wörtchen mit. Ganze Bogen - 320, 352, 384 Seiten etwa - sind wichtig. Der Druck ist dann billiger.

Auch „Shadowrun“ erweist sich als Dauerbrenner. Wie sieht es hier aus?

„Shadowrun“ liegt, genau wie „BattleTech“, im Dornröschenschlaf. Wenn beide nicht bald wachgeküsst werden, sehe ich nur noch geringe Chancen für Romane dieser Serien im hiesigen Markt. FanPro bemüht sich aber um beide Rechte sowie um die restlichen Romane von „MechWarrior: Dark Age”, die Heyne nicht mehr veröffentlicht hat.

Ist es, aufgrund des Fantasy-Booms der letzten Jahre, zu vermuten, leichter Autoren für DSA zu finden, als für SF?

Definitiv, das liegt aber auch daran, dass sich die meisten DSA-Schreiber aus der DSA-Szene rekrutieren lassen.

Atlan, ich sprach es einleitend an, der unsterbliche Arkonide, hat bildlich gesprochen den Raumhafen gewechselt, und ist, was die Fortschreibung seiner Abenteuer anbelangt, zu euch gewechselt. Wie kam es zu dem Deal und inwieweit habt ihr, hast Du, Einwirkung auf die Titelauswahl beziehungsweise die Autoren?

Wie die meisten Leser ja wissen, ist die Szene der SF/Fantasy-Schaffenden in Deutschland ja wie eine große Familie. Man kennt sich, man trifft sich auf Messen, Cons und manchmal sogar Punk-Konzerten. Klaus N. Frick von VPM und ich sind seit Jahrzehnten beste Kollegen. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, dass FanPro „Atlan“ im Taschenbuch fortsetzt, falls VPM die Heftserie einstellt. Aber sicher doch, hab ich gesagt, wenn Heyne „Perry Rhodan“-Taschenbücher macht, dann steht FanPro Atlan gut zu Gesicht. Und - um auf die oben von Dir erwähnten „SF-Times“-Zeiten zurückzukommen - ich habe nie ein Problem mit „Perry Rhodan“ oder „Atlan“ gehabt. In der SFT habe ich sogar über Space-Opera-Serien geschrieben, und das ohne allzu große Häme. FanPro publiziert Unterhaltungsliteratur - gute und nicht ganz so gute. Die Unterschiede sind von Roman zu Roman zu sehen. Per se ist DSA (oder „Shadowrun“, „BattleTech“) keinen Deut besser als „Atlan“. George R. R. Martin und Jack Vance dagegen schon. Titelauswahl und Autoren sind Sache der Redaktion bei VPM. Dort wird auch das Titelbild in Auftrag gegeben. Bei FanPro wird der Satz erstellt, der Umschlag designt und ein abschließendes Fahnenlektorat gemacht.

Nach ein paar Versuchsballons scheint „Atlan“ bei euch sicher im Sattel zu sitzen. Ihr habt erst kürzlich mit „Atlan X“ Hans Kneifel dazu bewegen können, eine Trilogie um weitere Atlan-Jugendabenteuer beizusteuern. Wie sieht es hier aus, mit wie vielen Taschenbüchern können die Freunde des Weißhaarigen bei Euch rechnen, gibt es hier eine Aufteilung in Jugendabenteuer während seines Aufenthalts auf der Erde, wird es weitere Einzelromane wie den gefeierten „Rico“ von Arndt Ellmer geben, oder sind Kurzzyklen mit je 6 Romanen das Maß der Dinge?

Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich bei „Atlan X“ um historisch phantastische Romane, also um Jugendabenteuer von Gonozal. Wir wollen mit der Serie weitermachen, sobald neue Manuskripte vorliegen. Hans Kneifel kann nicht alles allein schreiben, er hat sich nach Hilfe umgeschaut und wohl auch gefunden. Wir gehen davon aus, dass es in 2010 noch drei Titel gibt. Bei „Atlan Spac“e (in house reden wir von „Atlan Space“ und „Atlan Time“) haben wir keine genaue Vorgehensweise, was Zyklen anbelangt. Das hängt auch von der sonstigen Arbeitsbe- oder -auslastung der Autoren und der Redaktion ab. Ich bin sehr dafür, Einzelromane einzustreuen. Zyklen mit mehr als sechs Bänden halte ich momentan für unwahrscheinlich. Je länger die Zyklen sind, desto aufwändiger das Drumherum. An dieser Stelle die Information, dass FanPro von Edel die „Atlan“-Blaubände übernimmt und ab April 2010 publiziert.

Nun werdet ihr auch eine weitere der ehedem Pabel’schen Heftreihen zu neuem Glanz verhelfen. Die Rede ist von „Mythor“. In der Weltbild-Edition wurden einige Romane ausgelassen, die ihr nun in fünf Bänden als Taschenbuch-Neuauflage herausgeben werdet. Ist eine, wie auch immer geartete, Fortsetzung der ursprünglichen Reihe denkbar?

Denkbar ja, aber wir werden erst abwarten müssen, wie sich die fünf Bände verkaufen.

Ich sprach es zu Beginn an, Dein Herz hing und hängt an den Werken von George R. R. Martin. Seit Jahren erscheint bei FanPro nicht nur eine Liebhaberausgabe von seinem monumentalen Fantasy-Zyklus „Das Lied von Feuer und Eis“, sondern auch seine Einzelromane in liebevoll gestalteten und überarbeiteten Hardcoverausgaben. Wie sieht es hier aus, „Tuf Voyaging“ fehlt ja in der Edition noch?

Während wir die „Eis und Feuer“-Hardcover relativ schnell ausverkaufen, gehen Martins Einzelromane schlechter. Keiner ist im grünen Bereich -- da sieht man mal wieder, dass kaum Transfer stattfindet und wie unflexibel der Fantasy-Leser ist. Es wäre ja nicht nur „Tuf Voyaging“ möglich, sondern auch der Monumentalklopper „GRRM“ oder „Armageddon Rock“, das FanPro schon 1986 publizierte. Fakt ist aber, alle diese Titel, so schön sie auch sind, versprechen keine Gewinnaussicht. Daher müssen wir uns mit besser verkäuflichen Titeln ein finanzielles „Ränzlein“ anfressen, bevor wir wieder etwas Waghalsiges unternehmen können. Das gilt leider auch für Jack Vance.

Über die Jahre erschienen bei FanPro auch immer wieder Einzelromane deutschsprachiger Autoren. Ist hier an eine Weiterführung gedacht?

Wenn uns was Tolles über den Weg läuft. Aber im Prinzip gilt auch hier die Antwort zur letzten Frage. Es muss sich rentieren. FanPro ist im Vergleich zu früher sehr klein, und wir haben nicht den Cash Flow um gewagte Experimente anzustellen. Noch nicht...

Vielen Dank für das Gespräch. Dir und Deinem Verlag wünschen wir für die Zukunft alles Gute.





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