Boxoffice USA: "Star Trek" gelingt spektakuläre Wiederauferstehung!
Datum: Sunday, 10.May. @ 20:23:21 CEST
Thema: Kino


Bei kaum einem Sommer-Film war man in Hollywood so gespannt auf das Startergebnis, wie auf "Star Trek", denn es war schwierig abzuschätzen, wie dieser Reboot, diese Neuerfindung der Franchise durch J.J.Abrams, bei heutigen Zuschauern ankommen würde. Das Publikum hat gesprochen, die Zahlen dieses Wochenendes sind völlig eindeutig: Die größte PR-Kampagne in der Geschichte von Paramount hat sich ausgezahlt und Abrams' Konzept war wohl genau richtig: Mit einem Startergebnis von 76,5 Millionen Dollar am ersten Wochenende (inklusive Donnerstag) ist "Star Trek" jetzt schon ein spektakulärer, bemerkenswerter Erfolg.

Es lohnt sich, hier einen kurzen Moment innezuhalten und zurückzublicken. Das 1966 gestartete, inzwischen vier Jahrzehnte alte Franchise, eines der erfolgreichsten der Filmgeschichte, erlebte ihren Höhepunkt Mitte der Neunziger. Dann kam Anfang dieses Jahrzehnts das vorläufige Ende. Nach fünf TV-Serien hatten die Fans offensichtlich genug, und als dann der zehnte Kinofilm, "Nemesis", Ende 2002 weit hinter den Erwartungen zurückblieb, legte man die Serie auf Eis. Dabei war "Nemesis" qualitativ gar nicht so schlecht ausgefallen, von Paramount aber sehr übel betreut worden. Eine unzureichende PR-Kampagne wurde von negativer Vorab-Presse begleitet, so dass dann der Start bereits unter schlechten Vorzeichen geschah, und, der eigentliche Todesstoß, das Startdatum, war bemerkenswert schlecht gewählt: Anfang Dezember 2002 füllten gerade noch der zweite "Harry Potter" und der neue 007-Film, "Stirb an einem anderen Tag", die Säle und wenige Tage nach "Star Trek: Nemesis" startete ausgerechnet der zweite Teil von "Der Herr der Ringe". "Nemesis" startete mäßig, und als dann Frodo & Gandalf wieder die Zuschauer in Massen anzogen, waren die Kinos, die noch "Star Trek" spielten, wie leergefegt.

All diese Fehler sollten sich dieses Mal nicht wiederholen. Zunächst ist dieser "Star Trek" hier ganz anders, als alle anderen "Trek"-Kinofilme - und wäre so noch vor zehn Jahren nicht möglich gewesen, aus zwei Gründen. Die Fans hätten es als Sakrileg empfunden, wenn man einfach die alte, beliebte Crew durch jüngere Darsteller ausgetauscht hätte.
Inzwischen ist die Original-Besatzung aus der TV-Serie von 1966-1969 aber zwei Generationen entrückt, die Darsteller von Pille und Scotty tot, Mr. Sulu kämpft um Schwulenrechte in Kalifornien und Captain Kirk fristete zuletzt ein graumeliertes Rentnerdasein in einer Anwaltsserie.
Und noch mehr: Für die heutige Kernzielgruppe sind selbst die TV-Serien der 90er wie "The Next Generation" und "Deep Space Nine" längst Oldies.
Mit einer jungen, komplett neuen Crew zu starten, war somit genau richtig, wobei Mr.-Spock-Darsteller Leonard Nimoy durch einen Gastauftritt in diesem Film die Hand zwischen den Generationen reicht und damit seine Crew endgültig verabschiedet, die diesen Abschied offiziell, man muss sich den zeitlichen Abstand mal auf der Zunge zergehen lassen, im Kino bereits vor 18 Jahren feierte, in "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" von 1991.
Ferner wäre es noch vor einigen Jahren von den Fans als anmaßend empfunden worden, wenn der Film sich durch ein einfaches "Star Trek" ohne Nummer und Zusatz nicht in den Serien-Kosmos und -Korpus einfügt, sondern einen Neuanfang markiert. In der heutigen Zeit spektakulär erfolgreicher Reboots wie "Casino Royale" und "Batman Begins" war dieses Vorgehen aber genau richtig.

Wohl auch nicht wenig geholfen hat, dass der Film nach Ansicht praktisch aller Kritiker tatsächlich sehr gut ausgefallen ist, der Jahrgang 2009 hat noch keinen Film erlebt, der so gut besprochen wurde wie "Star Trek" - mit überwältigendem Kritikerlob war Paramount bei seinen "Star Trek"-Filmen früher auch nicht unbedingt immer verwöhnt worden.
Strukturkonservative Fans bemängelten allerdings, dass die von Schöpfer Gene Roddenberry ausgegebene Gemütlichkeit und Behaglichkeit in dieser Neuschöpfung Tempo und Action weicht - an der Kinokasse schadet dies natürlich keineswegs.

Angesichts der sehr positiven Besprechungen, die eine sehr gute Mundpropaganda erwarten lassen und der Tatsache, dass der nächste Woche startende "Illuminati" nicht unbedingt die gleiche Kernzielgruppe erreichen möchte und "Star Trek" somit nächste Woche noch etwas freie Bahn lässt, ist ein Gesamteinspiel alleine in den USA von über 200 Millionen Dollar jetzt durchaus möglich. Und das bei einer Franchise, dessen einzelne Einträge sicherlich zu Zeiten niedrigerer Ticketpreise insgesamt häufig nicht so viel einspielten wie dieser "Star Trek" hier gleich bei seinem Start. Die Franchise ist damit wieder voll da, ob die weitere Reise in All weiter durch das Kino oder über TV-Schirme laufen wird, muss sich jetzt zeigen. Eine Fortsetzung dürfte aber so gut wie sicher sein.

Für Regisseur J.J. Abrams dürfte dieses Wochenende eine besondere Genugtuung sein: Denn schon sein "Mission: Impossible 3" vor drei Jahren war sehr gelungen ausgefallen, konnte aber sein kommerzielles Potential aufgrund gewisser Sofasprünge und Diskussionen über Psychiatrie nicht richtig ausspielen. Dem Raumschiff Enterprise, seiner zweiten Kino-Regiearbeit, stand diesmal nichts im Weg.

Aufgrund Überschneidungen in der Zielgruppe und wegen der üblichen Frontlastigkeit solcher Filme, fiel "X-Men Origins: Wolverine" an diesem Wochenende erschreckend um über 68 Prozent ab. Bei 27 Millionen Dollar am zweiten Wochenende liegt er jetzt bei insgesamt 130 Millionen Dollar und nimmt Kurs auf ca. 170 Millionen Dollar.

Wie schon erwähnt, startet am nächsten Wochenende die Dan-Brown-Verfilmung "Illuminati", so dass "Star Trek" die Zielgruppe noch eine Woche für sich alleine hat. Übernächste Woche dann allerdings startet der nächste große SF-Film: "Terminator: Die Erlösung".

Text: Oliver Naujoks





Dieser Artikel kommt von Phantastik-News
http://www.phantastik-news.de

Die URL für diesen Artikel ist:
http://www.phantastik-news.de/modules.php?name=News&file=article&sid=5105