BOXOFFICE USA: Der Tag, an dem die Kinokasse stillstand
Datum: Sunday, 14.December. @ 18:46:47 CET
Thema: Kino


Trotz Star-Aufgebot mit Keanu Reeves und Jennifer Connelly startete eine Neuverfilmung des SF-Klassikers „Der Tag an dem die Erde stillstand“ am untersten Ende der Erwartungen in den USA und spielte 31 Millionen Dollar ein. Angesichts eines vollen Weihnachtsspielplans und der Frontlastigkeit heutiger Blockbuster ist damit ein Gesamt-Einspiel von über 100 Millionen Dollar in den USA, sowohl geschäftlich als auch psychologisch eine wichtige Wegmarke, jetzt schon sehr unwahrscheinlich.

Zwar ist dies ein Startergebnis, für das sich niemand schämen muss und im Vergleich zu anderen Ereignis-Filmen war dieses Remake zu dem SF-Klassiker von Robert Wise aus dem Jahr 1951 noch halbwegs moderat budgetiert (kolportiert werden 80-100 Millionen Dollar), auf der anderen Seite macht natürlich schon das Startdatum deutlich, dass das Fox-Studio auf einen ähnlichen Hit gehofft hat, wie der letztjährige „I am Legend“ mit Will Smith – und der holte 77 Millionen Dollar zum Start.

Als Gründe für das enttäuschende Abschneiden werden eine ineffektive Trailer-Kampagne genannt, die nur einen weiteren Invasionsfilm versprach, sowie die Tatsache, dass die Stars zwar bekannt, aber nicht zwangsläufig zugkräftig sind. Überwiegend negative Kritiken legen den Schluss nahe, dass der Film in den nächsten Wochen nicht mit viel Ausdauer rechnen darf und vermutlich schnell nach hinten durchgereicht wird. Abschreiben darf man diesen von Scott Derrickson („Der Exorzismus von Emily Rose“) inszenierten Film aber noch keinesfalls: Solche Filme laufen häufig außerhalb der USA trotzdem hervorragend, dort gelang mit 39 Millionen Dollar ein besserer Start, und sie sind natürlich auf dem DVD-Markt eine sichere Bank.

Inzwischen steigerte der Vampir-Film für Mädchen, „Twilight“, sein Einspielergebnis auf 150 Millionen Dollar und der neue Bond-Film „Ein Quantrum Trost“ auf 158 Millionen Dollar in den USA.

Viel Gelächter zog ein neuer Animationsfilm namens „Delgo“ auf sich, der von dem unabhängigen Verleih Freestyle Releasing in immerhin über 2.000 US-Kinos lanciert werden konnte. Viele Boxoffice-Analysten äußerten sich letzte Woche belustigt zu unattraktiven Trailern, die bemerkenswert unsympathische und technisch bemittleidenswerte Animationsbilder dieses unabhängig hergestellten CGI-Trickfilms zeigten. „Delgo“ wurde sofort abgeschrieben und man räumte ihm selbst im Massenstart nicht mehr als 1 bis 2 Millionen Dollar ein. Die vielen, vielen Kinos blieben aber noch viel leerer: Nur 916.000 Dollar konnte „Delgo“ zum Start einspielen und ist damit eine der Boxoffice-Katastrophen des Jahres.

Während der US-Start erst Ende Januar ist, startete die Cornelia-Funke-Adaption „Tintenherz“ dieses Wochenende bereits in Deutschland. Mit geschätzt über 200.000 Besuchern fiel der Start zwar ganz ordentlich aus, blieb aber doch hinter dem parallel startenden Keanu-Reeves-Film zurück und vor allem hinter „Madagascar 2“, der mehr als die vierfache Besucherzahl auf sich vereinen konnte. Angesichts des gewaltigen Presseechos, das „Tintenherz“ die letzten Tage hierzulande verzeichnen konnte, hatte sich der Verleih sicherlich mehr Zuschauer ausgerechnet. Bemerkenswert an den Presseartikeln war, dass fast keiner es versäumte, auf das ‚hohe’ Budget von 60 Millionen Dollar hinzuweisen; dabei geflissentlich übersehend, dass u.a. die letztjährige Pullman-Verfilmung „Der Goldene Kompass“, also von einem Autor der in etwa gleich viel Bücher wie Cornelia Funke verkauft hat, das dreifache gekostet hatte – und große Sommerblockbuster wie „Spider-Man 3“ und „Fluch der Karibik 3“ schon mal das fünffache kosten. In den USA wird „Tintenherz“ ferner das große Problem haben, dass zu Weihnachten der Disney-Film „Bedtime Stories“ mit Adam Sandler in die Kinos kommt, der mit lebendig werdenden Buch-Charakteren ein ganz ähnliches Motiv anbietet. Auch wenn dazwischen ein Monat liegt und Hauptdarsteller Brendan Fraser durch zwei Hits dieses Jahr („Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers“) in den USA wieder deutlich an Zugkraft gewonnen hat.
In Deutschland könnte sich bei positiver Mundpropaganda „Tintenherz“ die nächsten Wochen auf den Spielplänen durchaus erfolgreich behaupten.

Text: Oliver Naujoks
(Besucherschätzung von Insidekino.com)





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